Projekt im Historicum Bad Arolsen

Erinnerungen überliefern

Bad Arolsen - Das Projekt „Momente der Erinnerung“ des Historicums 20 im ehemaligen Stabsgebäude wurde am Tag des offenen Denkmals mit einer Feierstunde vorgestellt – dabei gingen die Redner auch auf die aktuelle Flüchtlingskrise in Europa ein.

„Momente der Erinnerung“ lösen die verschiedenen Denkmale in Bad Arolsen aus. Das Historicum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Spuren der Geschichte seit dem Bezug der Kaserne im 19. Jahrhundert aufzuzeigen und aktuell im Eingangsbereich Informationen zu Mahnmalen und verschiedenen Zeitabschnitten zu liefern. Dort wurden bebilderte Informationstafeln und Zitate an der Mauer und den Wachhäuschen platziert. Erinnerungen bewahren Von den Spuren der Geschichte gebe es in unserer Heimatgemeinde eine ganze Menge, sagte Bürgermeister Jürgen van der Horst. Wenn die Erlebnisgeneration nicht mehr da sei, dann trete die Wahrnehmung der verschiedenen Epochen in den Hintergrund. Daher müsse man sich die Mühe machen, die Geschichte aufzuarbeiten und für die kommenden Generationen aufzuzeigen. Der Rathauschef erinnerte an die intensiven Diskussionen, die der Verlagerung des vor gut 50 Jahren vom Kuratorium Unteilbares Deutschland aufgestellten Mahnmals „Deutschland unteilbar!“ von der Stadtmitte in den Vorhof der ehemaligen Kaserne im vorigen Jahr vorausgingen. Nach dem Krieg hätten Vertriebene und Flüchtlinge einen zweistelligen Prozentanteil an der Bevölkerung in der Region eingenommen. „Davon sind wir in der aktuellen Lage weit entfernt“, spannte er den Bogen zu den Flüchtlingswellen nach Deutschland. Flucht und Vertreibung hätten Deutschland damals stark verändert. Van der Horst dankte Udo Jost und Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel, die für das Historicum das Erinnerungsprojekt zusammen mit weiteren Mitstreitern auf den Weg gebracht haben. „Das bietet die Chance, die Angehörigen nachfolgender Generationen an die Hand zu nehmen und sie über unsere Geschichte zu informieren.“ Unterstützung Ermöglicht wurde diese Arbeit durch den Hessischen Museumsverband, Mittel des Landes, die Lotto-Gesellschaft, die Initiative Pro Bad Arolsen und durch den Einsatz der Bad Arolser Kommunalbetriebe bei der Lichtinstallation. Dr. Kümmel hob den Einsatz der externen Beraterinnen Sophia Kins und Dr. Bettina von Andrian bei der Gestaltung und Beschriftung hervor. Von dem Denkmal für das 83er-Regiment über die Tafeln der Namen der im Deutsch-Französischen Krieg Gefallenen in der Stadtkirche und den Gedenkstein zur Erinnerung an die in der NS-Zeit ermordeten Juden bis hin zu dem Erinnerungsstein für die 1994 aufgelöste belgische Garnison reicht das Spektrum der Erinnerungsstätten, die neben Zitaten zum Krieg dokumentiert und abgebildet werden. Die Entwicklung beim Historicum sei damit nicht abgeschlossen. So werden Erinnerungen von Zuwanderern und Vertriebenen dargestellt. Durch das Historicum werde unter anderem den Schulen ermöglicht, sich aktiv mit der jüngeren Geschichte zu beschäftigen, von der Zeit des Fürstentums über die Weimarer Republik und die NS-Zeit bis zur Präsenz der belgischen Streitkräfte, stellte MdL Armin Schwarz in einem von Jost verlesenen Brief fest. Meinung nicht vorgeben „Wir bekommen viele Eingaben von Bürgern, sie sind uns herzlich willkommen“, sagte Jost. Dabei schilderten die Absender auch ihre Sicht der Dinge. Doch das Historicum wolle nicht Geschichte bewerten, sondern sie aufzeigen. So bleibe es den Besuchern und Betrachtern überlassen, Schlüsse zu ziehen oder Bewertungen vorzunehmen, gab er zu bedenken: „Wir bieten mit unserer Ausstellung den Einstieg dazu.“ An die Millionen von Toten durch Flucht, Vertreibung, Deportationen und Massaker in ehemaligen deutschen Ostgebieten und den von Deutschen bewohnten Regionen Osteuropas erinnerte der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Manfred Kreuzer, bei der Kranzniederlegung am Deutschland-Mahnmal. Es habe Jahrzehnte gedauert, bis sich die Deutschen der Zeit der Vertreibung ohne Ressentiments erinnern konnten, sagte der Prädikant Oberst a. D. Jürgen Damm. „Wir denken auch an die Flüchtlinge und Asylsuchenden in unserer Zeit“, sagte Damm in seiner Andacht.

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