Belastungsstörungen durch berufliche Einsätze · Psychologen können helfen

Erlebnisse, die die Seele verletzen

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Besonders belastende Einsätze wie dieser können bei Rettungskräften zu langwierigen Störungen führen.

Bad Arolsen - Der Einsatz bei einem schweren Unfall oder der Tod eines Angehörigen können Menschen so belasten, dass sie nicht mehr normal leben können und Hilfe brauchen. Um Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) bei verschiedenen Berufsgruppen ging es bei einer Informationsveranstaltung der Schön Klinik.

Ständig halten sich 20 Menschen mit PTBS zur Behandlung in der Schön Klinik auf, wie Oberärztin Dagmar Beyrau gegenüber der WLZ berichtete. Das Spektrum reicht von Polizeibeamten und Bundeswehrsoldaten, die nach besonders belastenden Ein-sätzen mit ihrem Leben nicht mehr klar kommen, bis zu Menschen, die Opfer eines Verbrechens geworden sind.

Für sie kann es unmöglich sein, einen dunklen Raum zu betreten, weil der sie an ein unverarbeitetes schreckliches Ereignis erinnert. Oder sie leiden an unwillentlichen Erinnerungen an das Trauma, sind übererregbar und übermäßig angespannt. 25 Prozent derjenigen, die ein Trauma erleben, leiden nach Auskunft der Ärz-tin später an einer PTBS. Viele entwickeln Symptome, ohne an der Störung zu leiden.

Professionelle Betreuung

„Normale Erinnerungen“ werden im Hippocampus genannten Bereich des Gehirnes abgespeichert, dazu zählen auch die Verläufe belastender Ereignisse. In dem Amygdala (Mandelkern) genannten Abschnitt hingegen bildet sich das Angstgedächt-nis, in dem auch die vegetativen, bewusst kaum steuerbaren Reaktionen gelenkt werden - die wiederum zur PTBS beitragen.

Ein Team aus verschiedenen Therapeuten begleitet die PTBS-Patienten in der Schön Klinik. Wesentlich ist dabei, dass die Betroffenen selbst in der Therapie mitarbeiten und dabei lernen, Überreaktionen in den Griff zu bekommen, um letztlich wieder ein nomales Alltags- und Familienleben zu führen.

Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienste waren bei der Veranstaltung in der Schön Klinik mit Führungskräften vertreten. Für Polizeibeamte und Berufsfeuerwehrleute besteht ein umfangreiches Netz an professionellen Betreuungsmöglichkeiten. Nach belastenden Ereignissen wird Betroffenen Hilfe angeboten. In den Dienststellen selbst sind „Peers“ genannte Vertrauensleute berufen worden.

Immer noch besteht bei Betroffenen die Sorge, nicht ernst genommen zu werden oder eine falsche Vorstellung von Pflichterfüllung. „Uns ist es gelungen, Schwellen zu senken und eine bessere Akzeptanz für dieses vielschichtige, profes-sionelle Angebot zu erreichen“, berichtet Ralf Hartmann vom Polizeipräsidium Kassel.

Ehrenamtliche Helfer

Bei den Freiwilligen Feuerwehren oder auch bei den Rettungsdiensten sieht es etwas anders aus. So forderte ein Rettungsassistent in der Runde: „Der Dienstherr muss die Einsatzkräfte ermutigen, sich mit Problemen nach belastenden Ereignissen zu melden.“ Er dürfe sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen, die Helfer hätten doch vorher wissen können, was auf sie zukomme. Damit sind sowohl Vorgesetzte im Rettungsdienst als auch Chefs von Feuerwehrleuten gemeint, die nach einem schweren Einsatz am Arbeitsplatz nicht mehr klarkommen.

Ergänzend zu dem Netz des Zentralen Polizeipsychologischen Dienstes und der Personalberatungsstellen der hessischen Polizei hat sich auf einer ehrenamtlichen Ebene das SBE-Team Nordhessen gebildet, das nach bundeseinheitlichen Standards Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen anbietet.

„Wir verstehen uns nicht als Therapeuten, aber als erste Ansprechpartner“, betont Team-Mitglied Peter Klein. Der Notarzt bildet gleichwohl mit weiteren Ärzten, Psychologen, Notfallseelsorgern, Fachleuten aus Feuerwehren, Polizei und Rettungsdiensten sowie „Peers“ genannten Anprechpartnern bei den jeweiligen Diensten eine Mannschaft, die rund um die Uhr sowohl für ehrenamtliche Helfer als auch für Poli-zeibeamte oder Berufsfeuerwehrleute erreichbar ist und neben Gesprächen im akuten Fall Informationen über therapeutische Hilfen bietet. So half das SBE-Team nach dem tödlichen Blitzschlag-Unfall auf dem Golfplatz Waldeck. (ah)

Mehr zum Team im Internet: www.sbe-nordhessen.de

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