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Erntezeit im Waldecker Land: Landwirte müssen Wetterkarte und Rohstoffbörsen im Blick haben

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Von: Elmar Schulten

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Rapsernte in Mengeringhausen: Die schwarze Ölfrucht wird vom Mähdrescher auf ein Transportfahrzeug geladen.
Rapsernte in Mengeringhausen: Die schwarze Ölfrucht wird vom Mähdrescher auf ein Transportfahrzeug geladen. © Elmar Schulten

Mit einer durchschnittlich guten Ernte rechnet der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Waldeck, Heiko Kieweg, in der laufenden Saison.

Bad Arolsen/Volkmarsen - Die Böden und Niederschlagsmengen im Upland, in Bad Wildungen oder Volkmarsen seien zwar sehr unterschiedlich, aber aus den Gesprächen mit seinen Berufskollegen ergebe sich für ihn ein recht zufriedenstellendes Bild. Immerhin habe es bisher keinen Starkregen oder Hagel gegeben.

So werde aktuell eine „ordentliche Ernte“ eingefahren. Die Wintergerste als früheste Frucht sei ohne Wasserprobleme reif geworden und habe trocken abgeerntet werden können. Das habe teure Trocknungskosten in den Kornhäusern erspart.

Raps liefert Öl, Honig und wertvolles Futter

Auch der Winterraps sei nun zu 98 Prozent vom Feld. „Man hört von ordentlichen Erträgen“, so Kieweg. Auch der Ölgehalt sei hoch. Ein Hektar Raps ergebe rund 1600 Liter Rapsöl, das reiche angeblich für zehn Tonnen Pommes, habe er mal gehört. Selber ausprobiert habe er das aber nicht.

Erntezeit beim Kornhaus in Mengeringhausen: Landwirte stehen mit ihren Schleppern Schlange, um ihre Erträge abzuliefern. Die Frucht fällt durch ein Gitter in auf ein Rüttelsieb und wird dann gewogen und in Silos gelagert.
Erntezeit beim Kornhaus in Mengeringhausen: Landwirte stehen mit ihren Schleppern Schlange, um ihre Erträge abzuliefern. Die Frucht fällt durch ein Gitter in auf ein Rüttelsieb und wird dann gewogen und in Silos gelagert. © Elmar Schulten

Aus Sicht der Landwirte sei Raps auch deshalb interessant, weil nach dem Pressen in den Mühlen noch rund 2500 Kilo Rapsschrot als eiweißreiches Tierfutter bleibe. Außerdem lockere Raps mit seiner Pfahlwurzel den Boden auf, was der nachfolgenden Frucht helfe. Schließlich, so Kieweg, könne die leuchtend-gelbe Rapsblüte mit jedem Hektar vier Bienenvölker im Frühjahr ernähren.

Zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Dünger

Auf schätzungsweise 28.000 von insgesamt 40.000 Hektar Ackerflächen in Waldeck-Frankenberg wird Getreide angebaut. Auf 11.000 Hektar davon wächst Weizen. Besonders auf den guten Böden rund um Volkmarsen erwartet Kieweg gute Weizenerträge. Offen sei dabei aber noch, ob der für Backweizen erforderliche Anteil von 11,5 Prozent Eiweiß erreicht werde. Das hänge ganz entscheidend davon ab, ob zum richtigen Zeitpunkt genügend Nährstoffe im Boden seien. Und genau das werde mit immer strengeren Düngeauflagen gefährdet.

Bergeweise Getreide wird umgeschlagen auf dem Gelände des Raiffeisen-Warenlager Volkmarser Bahnhof.
Bergeweise Getreide wird umgeschlagen auf dem Gelände des Raiffeisen-Warenlager Volkmarser Bahnhof. © Elmar Schulten

Beim Sommergetreide rechnet der Vorsitzende des Kreisbauernverbands mit schlechteren Erträgen. Schließlich seien diese Aussaaten mit der Trockenheit der vergangenen Wochen konfrontiert gewesen.

Markt reagiert nervös auf jede Nachricht

Anbau und Ernte sind der eine Teil des landwirtschaftlichen Geschäfts, die Vermarktung ist der andere. „So einen hatten wir noch nie“, fasst Kieweg die Situation zusammen: Schon im Herbst und Winter seinen die Preise ungewöhnlich stark gestiegen. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine aber würden nie gesehene Höhen erreicht, auch wenn es zwischendurch mal wieder runtergehe.

Sorge bereiten den heimischen Landwirten die extremen Preisschwankungen für Dünger und Ernteerträge. Die Händler an den Getreidebörsen reagierten auf jede Äußerung aus Moskau. Das habe auch Auswirkungen für die Landwirte im Waldecker Land.

Landwirte, die noch Frucht zu verkaufen hatten, hätten davon profitieren können, doch die meisten seien durch Vorkontrakte gebunden. Aktuell sei der Markt Dünger von großer Unsicherheit geprägt. Landwirte könnten zwar Dünger zum zweieinhalbfachen Preis wie üblich einkaufen. Im Kleingedruckten stehe jedoch, dass der Vertrag unter dem Vorbehalt der Verfügbarkeit stehe. Die weltweiten Warenströme seien nicht mehr kalkulierbar. (Elmar Schulten)

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