Bürgermeister äußert sich

Erstaufnahme in Bad Arolsen: Bilanz fällt gemischt aus - einige Bewohner mit Corona-Infektion

Blick aus dem Korb der Drehleiter der Feuerwehr auf die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende  in der ehemaligen Mengeringhäuser Kaserne.
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Als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gebaut: Die vier Wohnblöcke auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne in Mengeringhausen sind 2016 entstanden. Das Gebäude links zeigt das ehemalige Georg-Friedrich-Casino, das zum Versorgungs- und Sanitätsbereich umgebaut wurde. Das Foto entstand 2018 aus dem Korb der Drehleiter der Bad Arolser Feuerwehr.

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Bad Arolsen für Geflüchtete wurde vor drei Monaten bezogen. Jetzt gibt es eine erste Bilanz – auch zur Corona-Lage.

Bad Arolsen - Drei Monate nach dem Bezug der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Flüchtlinge in Mengeringhausen haben Bad Arolsens Bürgermeister Jürgen van der Horst und der zuständige Abteilungsleiter beim Regierungspräsidium Gießen, Manfred Becker, eine gemischte Zwischenbilanz gezogen.

Bürgermeister Jürgen van der Horst machte dabei deutlich, dass vor allem die Sicherheitslage rund um die Flüchtlingseinrichtung aus Sicht der Stadt nicht zufriedenstellend sei. Bürger klagten über Diebstähle und offensives Betteln. Die Polizeistation leide unter einer hohen Zahl von Einsätzen, sagte van der Horst. Der Beauftragte des Regierungspräsidiums räumte ein, dass es einige Zeit gedauert habe, bis sich einige Dinge eingespielt hätten. Inzwischen sei zum Beispiel der Sicherheitsdienst routinierter im Umgang mit Problemen.

Erstaufnahme in Bad Arolsen: Neun Asylsuchende mit Corona-Infektion

Sobald die Wlan-Versorgung auf dem ehemaligen Kasernengelände ausreichend gut funktioniere, werde den Asylsuchenden auch so mancher Grund genommen, in der Stadt nach freiem Wlan zu suchen mit allen damit verbundenen Randerscheinungen. Grundsätzlich bestätigte Becker in einer Videokonferenz vor Journalisten, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, zu erfahren, wie die Flüchtlingseinrichtung aufgestellt sei und wo es noch Probleme gebe.

Dazu gehöre auch das aktuelle Infektionsgeschehen. Aktuell seien neun Asylsuchende in der Erstaufnahmeeinrichtung positiv auf Covid-19 getestet. Sie alle befänden sich in einem besonders gesicherten Absonderungsbereich. Zehn Kontaktpersonen seien zudem im Quarantänebereich. Noch sei die Corona-Lage gut beherrschbar, die Infektionsketten hätten sich nachverfolgen lassen, sagte Becker

Erstaufnahme in Bad Arolsen: Enge Abstimmung mit dem Gesundheitsamt

Allerdings gelte wie für alle Gemeinschaftseinrichtungen, Seniorenheime und Schulen, dass die Situation intensiv beobachtet werden müsse, um große Ausbrüche zu verhindern, so der Beauftragte des Regierungspräsidiums. Dazu stehe man in Mengeringhausen in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt in Korbach, das wiederum mit allen getroffenen Vorsichtsmaßnahmen in der Einrichtung einverstanden sei.

Vor den Feiertagen rechnet das Regierungspräsidium Gießen noch mit der Neuaufnahme von etwa 15 Personen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Mengeringhäuser Hagen. Dann würde die Bewohnerzahl von derzeit 279 auf 294 steigen.

Maximalbelegung in Erstaufnahme noch lange nicht erreicht

„Damit wäre die ursprünglich angekündigte Maximalbelegung mit 350 Personen noch lange nicht erreicht“, sagte Manfred Becker, der Beauftragte des zuständigen Regierungspräsidiums Gießen, bei einer Videokonferenz mit dem Bürgermeister der Stadt Bad Arolsen, Jürgen van der Horst, und der Redaktion dieser Zeitung.

Es sei auch erklärtes Ziel, angesichts der wachsenden Corona-Gefahr möglichst viel Freiraum in den Zimmern der der Gemeinschaftsunterkunft zu belassen.

Blick in ein noch nicht belegtes Zimmer der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Hagen in Mengeringhausen vor der Erstbelegung Anfang Oktober.

Bad Arolsen: Null-Toleranz-Strategie bei Straftaten

Zur Sicherheitslage berichtete der Beauftragte des Regierungspräsidiums, dass es in der Tat nicht immer leicht sei, Streitigkeiten zwischen so vielen Menschen aus so vielen unterschiedlichen Nationen zu vermeiden. Becker: „Wichtig ist, dass es uns zunehmend gelungen ist, eine Struktur aufzubauen, die zunehmend besser wird. Das betrifft den Sicherheitsdienst ebenso wie die Sozialbetreuung.“

Um schneller zu erfahren, was sich außerhalb der Einrichtung ereignet, habe das Regierungspräsidium eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei vereinbart. Becker: „Nur, wenn unsere Sozialbetreuung von den Vorfällen erfährt, kann sie eingreifen.“ Die Einwirkungsmöglichkeiten reichten von intensiven Gesprächen bis hin zur Verlegung in andere Einrichtungen. Letzteres habe für viele eine abschreckende Wirkung.

Wegen Corona: Gruppenveranstaltungen nicht nöglich

Schwierig bis unmöglich sei die Unterweisung in Gruppenveranstaltungen, weil diese wegen der aktuellen Corona-Verordnung nicht im geplanten Umfang zulässig seien. Nicht gestattet seien zudem sportliche Betätigungen, die normalerweise zum Stressabbau beitrage.

Ein großes Problem sei außerdem immer noch der Aufbau eines funktionierenden und leistungsfähigen Wlan-Zugangs im Bereich der Erstaufnahmeeinrichtung. Schließlich hatten die Flüchtlinge ein großes Interesse, sich mit ihren Verwandten in der Heimat auszutauschen und sich in ihrer Muttersprache zu informieren.

Erstaufnahme in Bad Arolsen: Hoffnung auf funktionierendes Wlan

Die städtische Bioenergiepark GmbH ist schon mit zwei Ausschreibungen gescheitert, eine Breitbandverbindung zum Mengeringhäuser Hagen herstellen zu lassen. „Es gab schlichtweg keine Interessenten, die ein Angebot abgegeben hätten“, berichtet Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Deshalb setze die Bioenergiepark GmbH als Vermieter des Geländes nun darauf, mithilfe der beiden Netzwerk-Experten Andreas Pohl und Benjamin Willers eine Funklösung herstellen zu lassen. Van der Horst: „Die beiden Technikexperten konnten der Stadt und den Schulen im Stadtgebiet schon mehrfach bei IT-Problemen helfen. (Elmar Schulten)

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