Flüchtlinge in Hessen werden an fünf Standorten in Empfang genommen

Erstaufnahme-Unterkünfte in Mengeringhausen sind ab sofort bewohnt

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und der Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst in einem Zimmer der Flüchtlingsaufnahmeeinrichtung in Mengeringhausen.
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Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Mengeringhäuser Hagen wird vom Regierungspräsidium Gießen aktiviert. Vor Ankunft der ersten 50 von insgesamt 350 Flüchtlinge (nach der Quarantäne in Gießen) führt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich den Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst durch die Gebäude.

Die ersten 50 von demnächst bis zu 350 Asyl suchenden Menschen sind am Montagnachmittag aus der Quarantäne der Erstaufnahmeinrichtung Gießen kommend auf dem Gelände der ehemaligen Mengeringhäuser Kaserne eingetroffen. Hier wurde eine neue Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen errichtet.

Bad Arolsen-Mengeirnghausen - Wenige Stunden zuvor hatte der für alle fünf hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen zuständige Regierungspräsident aus Gießen, Dr. Christoph Ullrich, Bürgermeister Jürgen van der Horst, Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meier sowie Medienvertreter zu einem Rundgang auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne eingeladen.

Seine Behörde sei um Transparenz bemüht, damit niemand behaupten könne, die Flüchtlinge würden mit Champagner und Kaviar verwöhnt oder dass hier jemand im Dreck hausen müsse. Beide Behauptungen seien falsch, bekräftigte Dr. Ullrich.

Unterkünfte nach vier Jahren erstmals bezogen

Auch schon auf dem Höhepunkt der Fluchtkrise 2015 habe in Hessen niemand im Freien übernachten müssen. Auch dank der engagierten Mitarbeit in den Kommunen sei es gelungen, für alle eine Unterkunft zu finden.

Aus dem Bad Arolser Rathaus sei damals sehr schnell der Vorschlag gekommen, anstelle der Sporthallen am Rande der Mengeringhäuser Altstadt etwas Festes zu bauen. Als die Häuser fertig waren, seien aber nur noch so wenige Flüchtlinge ins Land gekommen, dass die neu errichteten Unterkünfte auf dem Hagen leer standen. Nun würden sie aber benötigt, erklärte der Regierungspräsident und verwies darauf, dass die bisherige Erstaufnahmeeinrichtung in Rotenburg/Fulda von der Bundespolizei benötigt werde.

Familien und Einzelreisende in unterschiedlichen Häusern

Insgesamt seien die vier Unterkunftsgebäude in Mengeringhausen auf etwas mehr als 500 Betten ausgelegt. Mit Rücksicht auf die unter Corona-Bedingungen größeren Abstände sei nun aber eine Belegung mit nur etwa 350 Personen geplant. Die genaue Zahl hänge auch mit der noch unbekannten Zahl von Familien zusammen. Familien mit Kindern könnten selbstverständlich zusammenbleiben, während einzelreisende Männer nur zu dritt ein Sechs-Bett-Zimmer belegen sollten.

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Mengeringhäuser Hagen wird vom Regierungspräsidium Gießen aktiviert. Vor Ankunft der ersten 50 von insgesamt 350 Flüchtlinge (nach der Quarantäne in Gießen) führt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich den Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst durch die Gebäude.

Die vier Gebäude sind nach Städtenamen benannt. In Haus A wie Aachen kommen einzelreisende Männer unter. In B wie Berlin ziehen Familien mit Kindern ein. Haus C wie Celle ist für einzelreisende Frauen und Kinder reserviert. In Haus D wie Dresden richtet das Deutsche Rote Kreuz eine medizinische Abteilung ein. In anderen Gebäudeteilen können psychisch kranke Flüchtlinge wohnen und solche, die laut RP aufgrund ihrer homosexuellen Orientierung einen schweren Stand haben.

Bearbeitung der Asylanträge abwarten

Grundsätzlich gilt, dass die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung zwar hinter einen Gitterzaun wohnen, aber nicht eingesperrt sind. Sie sind vielmehr frei, das Gelände zu verlassen und zum Beispiel zum Einkaufen zu fahren. Auf ihrer Ausweiskarte gibt es ein Taschengeld-Guthaben, mit dem sie ein Busticket bezahlen können.

Die Asylsuchenden bleiben so lange in der Erstaufnahmeeinrichtung, bis über ihren Antrag entschieden ist. Von hier aus werden sie auf Wohnungen in den Landkreisen verteilt oder – bei Ablehnung ihres Asylantrages – in ihre Heimatländer zurückgeschickt.

Kinderbetreuung und Sportprogramm für Erwachsene

Weil die Wartezeit sehr lang werden kann, hat das Regierungspräsidium die Johanniter mit einer sozialpädagogischen Betreuung beauftragt. Im Georg-Friedrich-Casino sind dazu nicht nur die Küche und die Essensausgabe untergebracht. Hier gibt es auch die Gelegenheit, einen Tee zu trinken und Billard zu spielen. Die Mitarbeiter hier organisieren Sportangebote und eine professionelle Kinderbetreuung mit Erzieherinnen, die die Sprachen aus den Herkunftsländern der meisten Flüchtlinge beherrschen.

Ähnlich wie auf dem Höhepunkt der Fluchtkrise 2015 ist aber auch diesmal wieder ehrenamtliches Engagement willkommen. Sämtliche Hilfsangebote koordinieren die Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Arolser Rathaus. (Von Elmar Schulten)

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