Bürgermeister wollen Betroffenen unter die Arme greifen

Erste Bilanz: 110 Liter Regen pro Quadratmeter ließen 230 Keller in Volkmarsen und Bad Arolsen volllaufen

Blick auf den Volkmarser Stadtbruch: Das Drohnenfoto zeigt in etwa Höchststand des Hochwassers am Volkmarser Stadtbruch am 14. Juli.
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Die Volkmarser Seenplatte im Bereich Wiedelohweg/Schulstraße: Das Drohnenfoto zeigt in etwa Höchststand des Hochwassers am Volkmarser Stadtbruch am 14. Juli. Das Wasser reichte bis in die Altstadt.

Nach dem heftigen Starkregen, der Mitte vergangener Woche zu Überschwemmungen in Nordwaldeck geführt hat, haben die Bürgermeister von Volkmarsen und Bad Arolsen, Hartmut Linnekugel und Jürgen van der Horst, gemeinsam Bilanz gezogen und über künftige Vermeidungsstrategien nachgedacht.

Bad Arolsen/Volkmarsen - Rund 200 Keller liefen allein in Arolsen voll, 30 weitere in Volkmarsen. Wichtig für die unmittelbar Betroffenen: Beide Städte verzichten auf das Versenden von Gebührenbescheiden für den Einsatz der Feuerwehren. Außerdem wurde eine unkomplizierte Lösung zur Entsorgung der durch das Hochwasser zerstörten Möbel gefunden.

„Nach Rücksprache mit den Kommunalbetrieben Nordwaldeck (KBN) übernehmen die Kommunen die Gebühren für die Sperrmüllentsorgung“, stellte Bürgermeister van der Horst gestern fest. Und sein Kollege Linnekugel ergänzt: Wir wissen ja, welche Straßen und Grundstücke von dem Hochwasser betroffen waren. Dort verzichten die KBN auf die sonst üblichen Gebühren, wenn keine Versicherung für die Schäden eintritt.“ Ihm seien auch Hauseigentümer aus Volkmarsen bekannt, die schon selber Container bestellt und bezahlt hätten. Auch dort würden die KBN auf Antrag einspringen.

Kaskade der Hochwasserwelle

Besonders hart von dem Starkregen getroffen wurden Teile von Mengeringhausen und Massenhausen sowie Teile der Altstadt von Volkmarsen. Aus kleinen Bächen wurden in kurzer Zeit reißende Flüsse, so etwa in Massenhausen, wo die Thiele wie in einem Talkessel durch das Unterdorf fließt. Das Wasser kommt im Helser Luisenthal an und schlängelt sich dann am alten Hallenbad vorbei bis nach Wetterburg und weiter nach Külte.

Dort fließen Twiste und Aar zusammen und haben neue Bachläufe geschaffen. Zwischen Külter Bahnhof und Ortseingang wurden große Flächen überschwemmt, darunter auch das Firmengelände von Lambion.

Große Schäden in den Kellern

Um ein Überlaufen der Külter Fischteiche und eine Überflutung des Teichweges und der Nordwaldeckhalle zu verhindern, sei mit einem Bagger einen Graben vom Fischteich in Richtung Feld gezogen worden.

Aber auch in Mengeringhausen schwoll der Mühlenbach sehr schnell an. Zu schnell, um noch irgendetwas zu retten. Eine Mengeringhäuserin erzählt, dass im Keller ihres teilweise vermieteten Hauses zwei Heizungen und drei Waschmaschinen überschwemmt wurden.

Auf solche Unwetter nicht ausgelegt

Bürgermeister Jürgen van der Horst widerspricht der Vermutung, dass gerade in Mengeringhausen immer neue Baugebiete zu immer mehr Wasserfracht im Bach geführt habe.

Für jedes Baugebiet seien zusätzliche Kanäle und Stauräume geschaffen worden. Aber vielleicht reichten die alten Berechnungen für die neuen Regenmengen nicht mehr aus. 110 Liter seien am 14. Juli innerhalb von 24 Stunden über Arolsen niedergegangen.

Gräben und Durchlässe von Treibgut verstopft

Gemeinsam wollen die Nachbarstädte Volkmarsen und Bad Arolsen den Hochwasserschutz weiter vorantreiben. Sie setzen dabei auf Unterstützung durch den Wasserverband, der auch den Twistesee und das Staubecken in Ehringen betreibt.

In der vergangenen Woche seien die Betriebshöfe beider Städte mit dem Öffnen und Gräben und Durchlässen beseitigt gewesen.

Das Twiste-Hochwasser hat bei Külte die kleine Brücke „Am Brausewehr“ schwer beschädigt. Risse ziehen sich durch das Fundament.

Dabei müssten jedoch die neuen Bachläufe respektiert werden. Die Fachabteilungen in den Rathäusern haben zudem alle Überflutungsflächen kartiert und Schäden aufgenommen.

Renaturierung der Bachläufe vorantreiben

Die Liste reicht vom überfluteten Technikkeller der Grundschule Villa R bis hin zu unterspülten Brückenfundamenten und zerstörten Wegen. Hochwasservorsorge wird künftig einen größeren Raum bei den städtischen Planungen einnehmen.

In diesem Zusammenhang verweist Bürgermeister Linnekugel auf die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. In Volkmarsen sei man da schon recht weit gediehen: Für die Bicke bei Hörle, die Watter zwischen Landau und Lütersheim und für die Twiste am Volkmarser Stadtbruch gebe es schon ganz konkrete Renaturierungspläne.

An anderen Stellen hätten die Gewässer schon selber Fakten geschaffen und sich ihre Betten selber verbreitet, ergänzt Amtskollege Jürgen van der Horst. (Elmar Schulten)

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