Im Haus Schlossstraße 5 sind neue Eigentümer eingezogen

Erster Bewohner war Kammerdiener, dann kam die Sparkasse, später eine Druckerei

Das Haus   in der Schlossstraße 5 hat eine unverputzt Sandsteinfassade in einem rot-braunen Farbton.
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Das Haus Aumann in der Schlossstraße 5 hat zwei neue Eigentümer: Martin Volkmann und Maren Grünhaupt haben sich vorgenommen, das massive Sandsteingebäude aus dem Jahre 1756 fachmännisch zu sanieren.

Im Haus Schlossstraße Nummer 5 ist ein neues Kapitel Stadtgeschichte aufgeschlagen worden. Martin Volkmar und seine Lebensgefährtin Maren Grünhaupt haben das Gebäude von der Buchhändlerin Waltraud Aumann gekauft und planen umfangreiche Renovierungsarbeiten in Abstimmung mit der Denkmalpflege.

Bad Arolsen - Die traditionsreiche Buchhandlung möchte Volkmar weiterbetreiben, auch wenn er selber kein Buchhändler ist. Weil sich in diesen Tagen auch Helga Witkowski, die seit 1974 in der Buchhandlung arbeitet, in den Ruhestand verabschiedet, wird Volkmar den Betrieb mit einer Aushilfskraft zunächst nur zu eingeschränkten Öffnungszeiten fortführen.

Doch der neue Eigentümer hat sich vorgenommen, die Tradition des Hauses fortzuführen, auch wenn in den kommenden Monaten und wahrscheinlich auch Jahren die Renovierungsarbeiten einen Großteil seiner Zeit in Anspruch nehmen werden.

Erster Bewohner war Kammerdiener und Chirurg

Der 56-Jährige hat Erfahrung mit der Sanierung von historischen Gebäuden. Vor zehn Jahren kaufte er einen alten Bauernhof und richtete ihn wieder wohnlich ein. Nun also das nach der Domanialverwaltung höchste Gebäude in der Schlossstraße.

Volkmar fand heraus, dass das Gebäude 1756 für den aus der Gascogne stammenden fürstlichen Kammerdiener und Chirurg Jean Marquet Lagrèze (1708 - 1784) erbaut wurde, und zwar zunächst in zweistöckiger Bauweise. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss wurden als massiver Sandsteinbau angelegt. Darunter ein Kellergewölbe aus Sandsteinquadern.

Im Inneren des 250 Jahre alten Hauses in der Arolser Schlossstraße gibt es für Martin Volkmar eine Menge zu entdecken wie doppelflügelige Türen mit aufwendigen Intarsienarbeiten. Vielleicht stammen sie sogar aus der Schreinerwerkstatt der Kaulbachs.

100 Jahre lang Sparkasse

Eine große, mehrstöckige Remise diente zum Abstellen der Kutschen und als Waschküche. Hier wohnte wahrscheinlich auch das Gesinde. Zwischen 1800 und 1850 wurde ein Mansardgeschoss als zweiter Stock des Haupthauses aufgesetzt, darüber ein zweistöckiges Dachgeschoss. Auch das Treppenhaus wurde damals angebaut. Ab ungefähr 1850 bis 1955, also über 100 Jahre lang, war das Gebäude Sitz der Kreissparkasse des Kreises der Twiste mit Büro und Verwaltungsräumen. Im Erdgeschoss und im Keller finden sich noch heute stahlverstärkte Türen als eine Art Tresor eingesetzt.

Stadtchronist Dr. Helmut Nicolai schreibt dazu in seinem Buch über Arolsen: „Die Sparkasse war stets im Hause ihres Gründers, Rechtsanwalt Eduard Cuntze, in der Hauptstraße 5.“ Es dauerte bis 1888, bis der Kreis der Twiste die bis dahin privat geführte Sparkasse übernahm.

Ein Gebäude mit besonderem Charakter

1920 ließ die die Kreissparkasse Waldeck ein Büro- und Verwaltungstrakt in den Garten hinein anbauen, komplett unterkellert mit Funktionsräumen. Hier befindet sich eine der ersten zentralen Kohlen-Heizanlagen der Firma Buderus.

Von 1955 bis 1964 residierte in dem Gebäude die Aktiengesellschaft für Energiewirtschaft (EWF-Vorgänger).

Wie im Dornröschenschlaf steht das schöne alte Gebäude da: Das Haus Schlossstraße 5 vom riesigen Garten aus gesehen.

1965 übernahmen Gerhard und Waltraud Aumann das Gebäude und richteten hier ein Buch- und Papierwarenhandlung ein. Im Anbau wurde eine Druckerei mit verschiedenen Druckmaschinen eingerichtet, aus der über viele Jahre verschiedene Druckerzeugnisse mit Fokus auf den Arolser und Waldecker Raum stammen. Noch heute finden sich in den Räumen alte Druckmaschinen namhafter Hersteller, dazu Bleilettern en masse in Setzkästen.

Die Beletage soll wieder richtig schön werden

Die Sanierung des historischen Gebäudes wird wahrscheinlich nicht in zwei oder drei Jahren erledigt sein. Martin Volkmar und Maren Grünhaupt freuen sich auf die Herausforderung. Als Erstes wollen sie die Beletage wieder schön herrichten. Die ursprünglichen Fenster und Fußböden sind zwar noch vorhanden, haben aber in 250 Jahren mächtig gelitten. Hier ist noch eine Menge zu tun. (Elmar Schulten)

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