Vorerst im Bioenergiepark

Rennen, Rauch und quietschende Reifen: Projekt für Autoposer - Polizei mit Kritik

Drifter auf dem Verkehrsübungsplatz im Bioenergiepark Mengeringhausen.
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Drifter auf dem Verkehrsübungsplatz im Bioenergiepark in Mengeringhausen.

Die Drifter-Szene hat auf dem Verkehrsübungsplatz in der ehemaligen Bundeswehrkaserne Mengeringhausen vorläufig ein Areal für ihre reifenverbrauchende Freizeitbeschäftigung bekommen.

Arolsen-Mengeringhausen – Ziel ist es nach Auskunft von Bürgermeister Jürgen van der Horst, dem illegalen nächtlichen Treiben auf dem Belgischen Platz ein Ende zu bereiten, bei dem mit quietschenden Reifen auf dem Platz herumgekurvt wird. Kontrollen und Bußgelder hätten leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

In diesem Sommer unternahmen junge Autofahrer einen Anlauf und baten den Rathauschef, bei der Suche nach einem geeigneten Gelände zu helfen. Das ist nach Rücksprache mit der Polizei und der Verkehrswacht, die auf dem ehemaligen Großparkplatz der Bundeswehr einen Verkehrsübungsplatz betreibt, vorerst gefunden (wir berichteten).

Die Polizei betont allerdings, dass sie keine organisatorischen Aufgaben übernehme. Sie sehe das Driften und Posen sehr kritisch, sagt der Leiter der Polizeistation Bad Arolsen, Achim Jesinghausen.

Die Stadt ist durch den Bioenergiepark Eigentümerin des einstigen Kasernengeländes und hat unter strengen Auflagen die ersten vier Probeläufe genehmigt.

Beim Driften geben die Fahrer so weit Gas, dass sich die Antriebsräder durchdrehen und die Autos auf dem Asphalt mit quietschenden Reifen Kreise drehen. Das Tempo ist nicht gerade hoch, von Rennen kann man nicht sprechen.

Didier Seyler berichtet im Gespräch mit der WLZ, dass er mit an den Gesprächen mit dem Bürgermeister beteiligt gewesen sei. Er wohne in der Nähe des Belgischen Platz und sei selbst genervt durch das nächtliche Treiben mit quietschenden Reifen.

Aber er habe selbst Spaß an dem Driften und nach Filmen über die Szene und Videos auf You-Tube nach einem geeigneten Platz gesucht.

Mit Patrick Teixeira dos Reis aus Twiste ist sich Seyler einig, dass in der ehemaligen Kaserne ein geeigneter Platz gefunden sei und in diesem Rahmen Anwohner des Belgsichen Platzes entlastet würden, aber auch die Polizei oder das Ordnungsamt.

Mit der Stadt wurde vereinbart, dass freitags oder samstags ab 18 Uhr bis zur Dämmerung gedriftet werden darf. Dabei müssen sich die Fahrer auch mit der Verkehrswacht abstimmen, die auf dem Übungsplatz Fahrtrainings veranstaltet.

Die Fahrer werden unter Aufsicht eines Vertreters der Stadt auf das Gelände gelassen, müssen ihre Personalien hinterlassen und eine Erklärung unterschreiben, dass sie auf Schadenersatzforderungen verzichten. Das Tor im Bioenergiepark bleibt dann verschlossen.

Beschwerden über Lärm halten die Drifter entgegen, dass die Fahrmanöver in einem begrenzten Zeitraum am frühen Abend stattfinden. Beim Viehmarkt, der vier Tage dauere, beschwere sich doch niemand, argumentieren sie..

Die Polizei sieht die Drifter-Szene kritisch. Der Leiter der Polizeistation in Bad Arolsen, Achim Jesinghausen, stellt klar , dass die Polizei nicht an der Organisation der Veranstaltungen im Bioenergiepark beteiligt ist.

Der Verlagerung von Autoposern weg vom Belgischen Platz im Rahmen eines Sozialprojektes stehe die Polizei eher kritisch gegenüber. „Autoposer und illegale Autorennen, teilweise mit dramatischen Folgen durch Unfälle finden sich häufig in der Presse wieder.

„Autoposer fallen durch Lärmbelästigungen auf und sorgen in der Bevölkerung für Unmut.“, stellt Jesinghausen fest. Hier werde dieser Gruppe jetzt eine Bühne geboten. In der Folge sei es zu einer Menge von Anrufen bei der Polizei gekommen, die sich über quietschende Reifen bis hin zum aufsteigenden und weit sichtbaren Rauch beschwert hätten.

„Die Lärmemission war in Mengeringhausen aber auch bis zum Königsberg hin deutlich zu hören. Wenn künftig Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende leben, findet dies in deren unmittelbarer Nachbarschaft statt“, gibt Jesinghausen zu bedenken.

Außerdem seien Versicherungsfragen ungeklärt, wenn mit nicht angemeldeten Fahrzeugen diese Fahrten, bis zum Platzen der Reifen durchgeführt würden. Auch wenn es sich um nicht öffentlichen Verkehrsraum handelt.

Besser wäre, so Jesinghausen, ein Angebot unter Anleitung von Fachleuten der entsprechenden Organisationen, um Gefahrensituationen zu beherrschen. Ein professionelles Fahr- und Sicherheitstraining sei geeignet, Unfälle zu vermeiden.

Dazu gehöre es, dass mit versicherten Fahrzeugen, die der Straßenverkehrszulassungsordnung entsprechen, Situationen, wie Ausweichmanöver, Fahren auf unterschiedlichen Untergründen und Gefahrenbremsungen geübt werden: „Aber sicher nicht der Missbrauch eines Pkw zum Showobjekt.

„Wer motorsportlich oder unter Wettbewerbsbedingungen aktiv sein möchte, sollte dies unter Beachtung von Regeln in einem Motorsportverein tun, erklärt der Leiter der Polizeistation. (Armin Haß)

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