Beschluss des Flächennutzungsplanes für den Windpark im Stadtwald bei Mengeringhausen

Expertenstreit im Umweltausschuss

Bad Arolsen. - Zum Expertenstreit über die naturschutzrelevante Bestandsaufnahme im Stadtwald wuchs sich die Ausschusssitzung am Dienstag aus. Der geänderte Flächennutzungsplan soll den Weg frei machen für einen Windpark

Bad Arolsen-Mengeringhausen (-ah-). Einig waren sich die Vertreter des Naturschutzbundes und der vom Windkraft-Investor wpd beauftragten Planungsgruppe für Natur und Landschaft in Hungen darüber, dass zum Schutz des Rotmilans der Bestand am Waldrand gezielt untersucht werden muss. PNL-Geschäftsführer Dr. Heiko Sawitzky warf den Autoren des von Nabu, Bund und HGON im Auftrag der Bürgerinitiative gegen den Windpark verfassen Studie vor, die von der staatlichen Vogelschutzwarte geforderten Standards nicht eingehalten zu haben (wir berichteten ausführlich). Vorwürfe Jörg Engelhard (Bürgerliste) hielt der PNL vor, im Auftrag der Firma wpd onshore die passende Expertise verfasst zu haben. Dies wies Sawitzky zurück: Den Rahmen bilde das Bundesnaturschutzgesetz, daher werde das Büro dem Auftraggeber auch sagen müssen, was nicht möglich sei. Detlef Volmer (Offene Liste), der zugleich den Naturschutzbund in Bad Arolsen vertritt, erklärte, das Planungsbüro verfüge im Gegensatz zu den Naturschützern über hauptamtliche Kräfte, die mehr Zeit für aufwändige Bestandsaufnahmen mitbringen könnten. Außerdem erhob Volmer den Vorwurf, die PNL arbeite selbst an den Standards für die Untersuchung von Lebensräumen in der Natur. Dies wies Frank Bernshausen vom Büro PNL zurück. „Sie werden uns jetzt doch nicht vorwerfen wollen, dass wir so einen hohen Aufwand getrieben haben, um alle bedrohten Tierarten im Planungsbereich zu beobachten?“, fragte Sawitzky. Er bedauerte zudem, dass die Naturschutzverbände das Angebot zu einer Zusammenarbeit für die Begleitstudie nicht angenommen und Termine nicht wahrgenommen habe. Auch Menschen schützen „Ich habe dagegen aus dem Internet erfahren, dass sie ein von den Naturschutzverbänden verfasstes Gutachten dem Regierungspräsidenten vorgelegt und unsere Arbeitsweise kritisiert haben“, stellte Sawitzky weiter fest. Unterdessen kristallisiert sich ein weiterer Knackpunkt heraus, der bei der baurechtlchen Genehmigung gesondert betrachtet werden dürfte: Dabei geht es um einen Aussiedlerhof, für den andere gesetzliche Normen hinsichtlich des Mindestabstandes zu den Windkraftanlagen und der Geräuschbelastung gelten: Während für geschlossene Wohnlagen mindestens ein Kilometer und 35 Dezibel in der Nacht gefordert werden, sind es in diesem Fall sechshundert Meter und 45 Dezibel. Knackpunkt „Es geht nicht nur um den Rotmilan, sondern auch um den Menschen“, sagte Reiner Freudentsein (SPD): „Was können wir zu dessen Schutz unternehmen?“ Bürgermeister Jürgen van der Horst verwies darauf, dass diese Gesichtspunkte im Rahmen der Baugenehmigung im Detail behandelt werden können. Der Rathauschef berichtete auf Anfrage von Manfred Neubert (CDU), dass der näher an dem Hof vorgesehene Standort nicht feststehe, sondern nach der vom Naturschutz geforderten Verkleinerung der Windparkfläche in den Entwurf des Flächennutzungsplanes eingetragen worden sei. Eine Verschiebung sei aber nicht so einfach möglich, eher werde ein Standort gestrichen. Strom zu Sprit Zu der Erklärung der Bürgerliste, es werde in der Region zuviel Strom us Windkraft erzeugt, der teuer entsorgt werden müsse, sagte der Bürgermeister: „Hier ist nun ein kluger Einsatz der Energietechnik gefragt.“ So sei - wie gestern berichtet - im Bioenergiepark eine Versuchsanlage geplant, in der auf der Basis des Fischer-Tropsch-Verfahrens nach dem Motto „Power to Liquid“ („Energie in Flüssigkeit umwandeln“) mithilfe des Windkraftstroms Treibstoff hergestellt werden soll: „Es gibt Lösungswege, wir sind dazu verdammt.“Mit großer Mehrheit von sechs Stimmen gegen die Voten der Stadtverordneten von OL und Bürgerliste wurde der Beschluss des geänderten Flächennutzungsplanes im Umwelt-, Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss empfohlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare