Hochkarätiger Festredner beim Neujahrsempfang

Fachvortrag beim Golfclub: Wie sauber ist der Diesel?

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Der Lungenfacharzt und Wissenschaftler Prof. Dr. Dieter Köhler (links) sprach am Sonntag auf Einladung des Präsidenten des Bad Arolser Golf- und Landclubs, Udo Lossau (rechts) beim Neujahrsempfang im Bürgerhaus über gesundheitliche Gefahren durch Autoabgase. 

„Bleiben Sie gesund - und zahlungsfähig“, wünschte Udo Lossau augenzwinkernd als gut gelaunter Golfclub-Präsident den rund 100 Mitgliedern und Gästen beim Neujahrsempfang des Golf- und Landclubs im Bürgerhaus.

Bad Arolsen.  Und um zumindest dem Wunsch nach Gesundheit Nachdruck zu verleihen, präsentierte Lossau als Festredner den Ingenieur, Lungenfacharzt und Hochschullehrer Prof. Dr. Dieter Köhler, der sehr kenntnisreich, wortgewandt und unterhaltsam zugleich über die gesundheitlichen Gefahren von Autoabgasen referierte.

Der Wissenschaftler, der als Berater der Bundesregierung und Gutachter für EU-Gremien auf sich aufmerksam machte, gilt inzwischen in Fachkreisen als sehr streitbar. Seine Veröffentlichungen werden kontrovers diskutiert.

In seiner Freizeit spielt er gerne Golf und ist Präsident des Golfclubs im sauerländischen Schmallenberg. So lag die Einladung zum Neujahrsempfang nach Bad Arolsen nahe.

Problem gelöst - Diskussion geht los

In seinem Vortrag beleuchtete Köhler das aktuelle Thema der Feinstaubbelastung durch den Autoverkehr und die heiß diskutierten Diesel-Fahrverbote ein und stellte von Anfang an klar, dass es die immer diskutierten Feinstaubtoten so nicht gebe. Bei den veröffentlichten Zahlen handele es sich lediglich um empidemiologisch hochgerechnete Fälle.

Tatsächlich aber sei die Luft in den Städten in den vergangenen Jahrzehnten besser geworden und die Lebenserwartung sei um 18 Jahre gestiegen.

Es sei schon seltsam, dass ausgerechnet jetzt, da das Problem durch moderne Motoren und Filtertechnik eigentlich gelöst sei, so heftig darüber diskutiert werde.

Dabei stehe nicht in Frage, dass es Stäube gebe, die bei Inhalation krank machen können. Staublungen bei Bergleuten, Raucherlungen Fälle von Asthma und vieles mehr seien bestens erforscht.

Expertenstreit in vollem Gange

In der Feinstaub-Debatte werde vieles miteinander vermischt, wie Prof. Dr. Dieter Köhler erläuterte: Vor allem aber werde häufig der Fehler gemacht, statistische Korrelationen mit Kausalitäten gleichzusetzen. Mit anderen Worten: Das zufällig Auftreten von Ereignissen, führt nicht automatisch dazu, dass diese etwas miteinander zu tun hätten. Beispiel: Auch wenn in einer Gegend mit vielen Storchennestern viel Kinder geboren würden, bedeute das noch lange nicht, dass der Klapperstorch die Babys bringe. Genauso werde aber in vielen Fällen über die Auswirkung von Feinstaub im Straßenverkehr argumentiert. 

Dabei enthalte der Feinstaub auf einer Straße viele unterschiedliche Bestandteile, von denen nur wenige aus den Verbrennungsmotoren herrührten. Dazu gehörten Reifenabrieb, Hundekot und vieles mehr Prof. Köhler: „Wenn es viele andere Störfaktoren gibt, dann kann man keine klaren Fakten aus Messwerten herausrechnen.“

 In Bezug auf die gerichtlich erstrittenen Fahrverbote sei es gut, dass nun erkannt werde, dass es sich in dieser Frage um einen Expertenstreit handelt, der nicht abschließend zu entscheiden sei. Auch deshalb werde es keine generellen Fahrverbote geben, sondern allenfalls abschnittsweise Sperrungen von zweifelhaftem Erfolg. Eine interessante Diskussion schloss die bestimmt demnächst auch auf den Fairways des Golfplatzes am Twistesee fortgesetzt werden wird.

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