Diemelstadt

17 Fälle von Q-Fieber in Rhoden festgestellt

- Diemelstadt-Rhoden (r). Im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind in der Gemarkung Diemelstadt-Rhoden durch Blutuntersuchungen bei mehreren Schafen Q-Fieber-Infektionen nachgewiesen worden. Außerdem sind 17 Menschen erkrankt, die mit den Schafen Kontakt hatten. Q-Fieber ist eine weltverbreitete, von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheit. Der Erreger Coxiella burnetii befällt vor allem Schafe, Kühe und Ziegen. Er findet sich aber auch in Zecken, Wildtieren, Hunden und Katzen. Im Mutterkuchen und im Fruchtwasser infizierter Tiere sind hohe Mengen des Erregers enthalten, die sich bei der Geburt auf Boden und Umgebung verteilen können. Zeckenkot kann ebenfalls große Mengen an Erregern enthalten. Die Erreger sind sehr unempfindlich gegen Umwelteinflüsse und können über eine lange Zeit, z. B. in Staub, auf Heu usw., überleben.

Die Übertragung des Erregers erfolgt überwiegend durch Einatmen von infektiösem Staub oder aber durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren. Der Verzehr erregerhaltiger Milch oder Milchprodukte spielt bei der Übertragung nun eine untergeordnete Rolle. Eine Mensch- zu- Mensch- Übertragung von Q-Fieber wurde nur in seltensten Fällen beschrieben. Nach einer Aufnahme des Erregers kommt es bei ca. 50 % der Personen zu keinen oder nur sehr milden grippeähnlichen Krankheitszeichen. Eine akute Infektion beginnt meist mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und heftigen Kopfschmerzen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es zu Lun-gen- oder Leberentzündungen kommen. Die Diagnose Q-Fieber wird durch eine Blutuntersuchung gestellt. Zur Behandlung stehen hochwirksame Antibiotika, die vom Arzt verordnet werden, zur Verfügung. In der Regel kommt es nach der entsprechenden Behandlung zu einer folgenlosen Ausheilung. In etwa 1 % aller Infektionen kann sich eine chronische Infektion entwickeln. Die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn der Erkrankung beträgt ca. 2 – 4 Wochen und ist u. a. abhängig von der Menge der aufgenommenen Erreger. Das Gesundheitsamt rät Menschen, die sich in der Region aufgehalten haben, beim Auftreten der geschilderten typischen Krankheitszeichen sogleich ihren Hausarzt aufzusuchen. Die Ärztinnen und Ärzte und Krankenhäuser in der betroffenen Region sind über das Auftreten der Erkrankungen informiert. Das Gesundheitsamt des Landkreises Waldeck-Frankenberg bietet besonderen Risikogruppen, dazu gehören Menschen mit Herzklappenerkrankungen, Immunschwächeerkrankte und schwangere Frauen, eine diesbezügliche Beratung,  (0 56 31) 954-479, und ggf. auch eine Blutuntersuchung ohne aktuelle Krankheits¬symptome an. Der zuständige Dezernent, Erster Kreisbeigeordneter Peter Niederstraßer, erklärte, das Auftreten von inzwischen 17 Erkrankungen und der Nachweis der Infektion bei Schafen im Gebiet Rhoden führte dazu, dass der Landkreis für die betroffene Region eine Allgemeinverfügung erlassen hat. Im Einzelnen wurde angeordnet: 1. Das Treiben und Weiden von Schafen und Ziegen, die sich bei Erlass dieser Verfügung außerhalb des Gebiets der Gemarkung Diemelstadt-Rhoden befanden, in deren Gebiet ist verboten. 2. Beim Treiben und Weiden ist möglichst großer Abstand zu bewohnten Ortsteilen einzu¬halten. Soweit dem Halter der Tiere eine Einhaltung eines Abstandes von mehr als 500 m zwischen der Herde und der Bebauung nicht möglich ist, hat er den Standort zuvor mit der diese Verfügung erlassenden Behörde abzustimmen. Schafe und Ziegen, die sich innerhalb des Gebiets der o. g. Gemeinde aufhalten, dürfen ab sofort nicht in anderen Gebieten weiden oder getrieben werden. 3. Das Ablammen der Schafe und Ziegen darf nur in einem Stall, der sich möglichst außerhalb eines Wohngebietes befinden soll, stattfinden. 4. Die Muttertiere und die neugeborenen Lämmer dürfen frühestens 14 Tage nach der Ge-burt aus den Ställen verbracht werden. 5. Nachgeburten und Totgeburten müssen in geschlossenen, flüssigkeitsundurchlässigen Behältnissen gesammelt und über die Tierkörperbeseitigungsanstalt unschädlich beseitigt werden. Nach Abholung der Tierkörper(teile) durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt ist der Behälter unverzüglich zu reinigen und mit einem DVG-geprüften Desinfektionsmittel auf Aldehydbasis bei mindestens 5 %iger Lösung zu desinfizieren. 6. Verschmutzte Einstreu sowie Schaf- und Ziegenmist aus dem Stall sind durch Düngerpackung mit Branntkalk zu desinfizieren. Die Dungpackung ist mindestens 6 Wochen zu lagern. Danach kann der Dung auf unbestellte Ackerflächen ausgebracht werden. Nach dem Ausbringen ist der Dung sofort unterzupflügen. Sollte eine Aufbringung aufgrund der Vegetationsphase nicht mehr möglich sein, ist der Dung bis zur nächstmöglichen Einarbeitung zu lagern. Außer der vorgenannten Desinfektions¬maßnahme ist eine geeignete Abdeckung (z. B. mit Folie) erforderlich. Steht kein eigenes Ackerland zur Verfügung, so ist vom Schafhalter zu gewährleisten, dass die Einstreu verfügungsgemäß verarbeitet wird. 7. Das Scheren der Schafe darf nur in einem geschlossenen Raum, der sich möglichst außerhalb eines Wohngebietes befinden soll, erfolgen. Die Wolle muss bis zur Abholung in geschlossenen Räumen gelagert werden. 8. Alle Schafe und Ziegen sind spätestens sechs Wochen nach der Schur einer Zeckenbekämpfung zu unterziehen sofern ein Befall mit Zecken vorliegt. 9. Vermehrt auftretende Aborte und Totgeburten sind dem Fachdienst für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen, Oster-weg 20, 35066 Frankenberg (Eder) unverzüglich durch die Schaf- und Ziegenhalter anzuzeigen 10. Schaf- und Ziegenhalter im Geltungsbereich dieser Verfügung werden verpflichtet, Drit-te, die beruflich in Kontakt mit den Tieren treten müssen bzw. sollen, zuvor über die Re-gelungen dieser Verfügung zu informieren. 11. Berufsfremden Personen ist der Kontakt mit Schafen oder Ziegen aus dem Gebiet Die-mel¬stadt-Rhoden untersagt. 12. Darüber hinaus empfehlen wir, dass beim Scheren die an dieser Tätigkeit beteiligten Personen eine Staubmaske tragen sollten. Gleiches gilt für das Schlachten.13. Vorgesehene Schlachtungen von Schafen und Ziegen sind mindestens 48 Stunden vorher dem Fachdienst für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen anzuzeigen.

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