Bad Arolsen

Fahrlässige Tötung: Ehefrau beim Rangieren überrollt

- Bad arolsen (-es-). Der tragische Unfall, der im vergangenen Jahr den Bad Arolser Viehmarkt überschattete, ist am gestrigen Mittwoch vor dem Bad Arolser Amtsgericht juristisch aufgearbeitet worden.Wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung hatte sich der 68-jährige Rentner zu verantworten, der in der Nacht des 8. August seine angetrunkene Ehefrau aus Versehen überfahren hatte.

Der Mann hatte gegen 3 Uhr nachts seine alkoholkranke und stark angetrunkene Frau vom Viehmarktsplatz abgeholt und war mit ihr gemeinsam zu dem in der Pommernstraße parkenden Pkw der Familie gegangen. Man fuhr gemeinsam nach Hause. Vor dem Haus stieg die Frau aus und ging wie immer die steile Zufahrt zur Garage hinunter, um das Licht einzuschalten. Der Ehemann blieb am Steuer sitzen, rangierte den Wagen, um rückwärts in die Garage einzufahren. Dabei bemerkte er nicht, dass seine Frau inzwischen gestürzt war und hinter dem Wagen lag. Beim Zurücksetzen mit dem Pkw überrollte der Ehemann die am Boden liegende Frau. Ein Gutachter bescheinigt dem durch den Tod seiner Ehefrau gebrochenen Rentner, dass er den Bordstein als Grund für das Ruckeln seines Wagens missgedeutet haben könnte. Tatsächlich war aber auch der Ehemann von zwei Besuchen auf dem Viehmarktsgelände angetrunken. Die Blutprobe ergab bei ihm einen Wert um die O,9 Promille, während seine Frau mit 2,9 Promille Blutalkoholgehalt und durch die Einnahme des Beruhigungsmittels Benzo-Diazepan erheblich mehr eingeschränkt war. Sobald er seine Frau regungslos am Boden liegend erblickte, alarmierte der Mann die Leitstelle. Als auch nach 20 Minuten kein Notarzt erschienen war, telefonierte er ein zweites Mal. Es dauerte rund 30 Minten, bis Hilfe vor Ort war. Zur Begründung hieß es damals, zwei Rettungswagen seien während des Viehmarktes dauerhaft auf dem Königsberg stationiert gewesen und hätten nicht abgezogen werden können. Der Korbacher Notarztwagen habe einen anderen Einsatz gehabt, sodass Rettungskräfte aus Adorf hätten alarmiert werden müssen. Nach 30 Minuten waren dann zwei Notärzte vor Ort, konnten aber mit ihren Wiederbelebungsversuchen nichts mehr ausrichten. Seit dem tragischen Tod seiner Frau ist der Rentner ein gebrochener Mann. Er leidet unter den Vorwürfen der Familie seiner Frau. In seinem Schlusswort vor Gericht bekräftigte er: Was geschehen ist, tut mir sehr leid. Aber ich kann es nicht ungeschehen machen. Der Staatsanwalt hielt dem 68-jährigen vor, gegen die Sorgfaltspflicht beim Rückwärtsfahren verstoßen zu haben. Unter Abwägung aller Umstände forderte er eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden solle. Die Strafverteidigerin argumentierte, dass das Paar in über 30 Jahren ein eingespieltes Team – auch beim Einparken in die Garage – gewesen sei. So sei die Nachlässigkeit zu erklären gewesen. Mit Blick auf die schlimmen familiären Folgen für den Ehemann bat sie um ein milderes Urteil von sechs Monaten Freiheitsstrafe. Richter Karl-Heinz Kahlhöfer-Köchling befand schließlich auf acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem ordnete der Amtsrichter an, dass der seit dem tragischen Unfall eingezogene Führerschein nicht vor Ablauf von weiteren drei Monaten wieder beantragt werden dürfe.

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