Ritter, Elfen, Magier, Piraten und böse Orks zieht es wieder nach Diemelstadt

In der Fantasie ist alles erlaubt

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Diemelstadt-Rhoden - Wenn Tausende Männer und Frauen tapfer ausziehen, um die Klingen mit all jenen zu kreuzen, die dem Weg des Bösen folgen, um Ruhm und Ehre zu ernten und goldene Münzen zu verdienen, dann ist sie wieder gekommen: die Zeit der Drachen!“

Mehr als 5000 edle Ritter, magische Heilerinnen, Gaukler, geheimnisvolle Elfen, starke Nordmänner, trinkfeste Piraten und böse Orks bevölkern vom 24. bis zum 29. Juli bereits zum sechsten Mal den „Quast“ zwischen Rhoden und Wethen und tauchen ein in eine mittelalterliche Fantasiewelt.

Aus ganz Deutschland, dem europäischen Ausland und teilweise sogar aus Übersee treffen sich Fantasy-Fans, um ihrem Hobby zu frönen. Das „Drachenfest“ ist damit eine der größten Veranstaltungen dieser Art in ganz Europa. Im letzten Jahr reisten Teilnehmer aus insgesamt 27 Nationen, unter anderem aus Israel, Brasilien, den USA, Australien und Neuseeland, nach Nordwaldeck.

LARPer nennen sie sich selbst, LARP steht dabei für „LiveActionRolePlay“, ein gigantisches Freilufttheater im Fantasiestil, angelehnt etwa an Tolkiens Roman „Herr der Ringe“ oder auch Fantasyfilme wie „Fluch der Karibik“.

Wie im Computerspiel

Es eröffnet die Möglichkeit, einfach einmal die Realität zu verlassen und selbst in die Rolle eines Fantasyhelden oder einer Bauernmagd im späten Mittelalter zu schlüpfen. Sie leben in Burgen und Holzverschlägen, in Lagern mitten im Wald.

Allein ihre Kostüme sind handgearbeitete Kunstwerke. Der Erfolg basiert auf dem Prinzip, selbst als „Spielfigur“ interaktiv ein Abenteuer zu erleben und eine Geschichte zu lösen. Beim LARP geht es um ähnliche Themen wie bei vielen Computerspielen – nur, dass man nicht vor einem Bildschirm oder auf seinem Sofa sitzt, sondern selbst als Abenteurer durch enge Gänge einer Burg krabbelt, als tapferer Krieger gegen ein Heer aus Orks antritt oder als Ritter eine Dame zum Tanze führt.

Sie suchen nach dem goldenen Gral oder nach dem Auge des Drachen. Sie kämpfen in epischen Schlachten und erzählen gemeinsam viele kleine Episoden, die letztlich zu einer großen fantastischen Geschichte verschmelzen.

LARP ist ein Rollenspiel, in dem der Teilnehmer eine erdachte Person in einer Fantasiewelt darstellt. Dabei trifft man auf andere Spieler, die genau dasselbe tun. Es ist also wie ein Improvisationstheater – nurohne Zuschauer. Das Ganze wird durch eine Spielleitung koordiniert. Die Spielleiter überwachen dabei nicht nur das Einhalten der Regeln, sondern stehen auch für Fragen der Spieler bereit. Live-Rollenspiel ist mittlerweile eine weltweite Bewegung mit Millionen Anhängern.

Die Stadt Diemelstadt hatte sich bereits 2006 nach einem Aufruf der Hessen-Agentur bei den Veranstaltern gemeldet und den „Quast“ bei Rhoden, eine ehemals militärisch genutzte Raketenstellung, umgeben von weitläufigen, fast 40 Hektar großen Wiesenflächen inmitten eines Waldgebietes als Standort für das Drachenfest vorgeschlagen.

Ideale Kulisse

Dank seiner Größe und abgeschiedenen Lage, der vorhandenen Infrastrukturanlagen der ehemaligen Raketenstellung, der riesigen Wiesenflächen und des tollen Ambientes erwies sich der „Quast“ als der ideale Standort für das Drachenfest.

Jede Zunft, Gilde oder Gattung, wie die Nordmänner, das Elbenvolk, die Landsknechte, die Zwerge, die Piraten oder auch die bösen Orks, haben dabei ihre eigenen Lager, die rund um die eigentliche „Stadt“, wo das hauptsächliche Spiel in Tavernen, Badehäusern oder Handwerker- und Händlergassen stattfindet, angelegt werden. In „Aldararch“, wie die Spielstadt genannt wird, warten zudem viele Attraktionen, Gaukler und Erlebnisse auf die Spieler.

Während des sechstägigen Spektakels wird dabei in eigener Zeitrechnung, der sogenannten „In-Time“, in diesen Lagern gelebt. Den Hintergrund des Drachenfestes bildet der „Wettstreit der Drachen“. Jeder „Drache“ steht für unterschiedliche Aspekte und hat seine eigenen Anhänger.

Jeder Spieler kann sich dabei dem Drachen anschließen, mit dem sich sein Spiel-Charakter am ehesten verbunden fühlt. In den „Drachenlagern“ erleben dann die Spieler mit den vielen gleichgesinnten Charakteren zahlreiche Abenteuer. Doch was wäre das Drachenfest ohne die legendären Kämpfe auf dem „Schlachtfeld der Ehre“.

Höhepunkt der Veranstaltung ist zweifellos die große „Endschlacht“, bei der die mehrere Tausend Mann (und Frau) starken Heere der einzelnen Drachen gegeneinander antreten, um den Sieg für sich zu erringen.

Unsichtbare Hilfskräfte

Als internationale Veranstaltung hat das Drachenfest ein spezielles Regelsystem. Dieses ermöglicht auch LARP-Einsteigern den unkomplizierten Einstieg ins Spiel. Um die Fantasywelt des Drachenfestes zum Leben zu erwecken, arbeitet ein erfahrenes Team hinter den Kulissen an den organisatorischen Abläufen: Hunderte von Spielleitern, professionelle Eventfachleute und Hilfskräfte kümmern sich um einen reibungslosen Ablauf vor Ort. Für die Sicherheit der Teilnehmer ist beispielsweise während des Drachenfestes ein kompletter Sanitätszug des Malteser Hilfsdienstes, ausgestattet mit Notärzten, Sanitätszelt, Rettungswagen und Funkleitzentrale, vor Ort.

Auch die regionale Geschäftswelt profitiert dabei nicht unerheblich von der Großveranstaltung. Schließlich wollen über 5000 Teilnehmer mit Lebensmitteln und Getränken versorgt werden. Aber auch für die fantasievollen und imposanten „Zeltstädte“ und Bauwerke wird so einiges an Material gebraucht, was in den Baumärkten der Region beschafft wird. Zudem sind an den Aufbauarbeiten zum Teil auch die örtlichen Handwerker beteiligt.

Die Diemelstädter Bevölkerung ist es daher von den letzten Veranstaltungen schon gewohnt, wenn beim Einkauf im Lebensmittel- oder Baumarkt ein böser Ork oder ein edler Ritter mit an der Kasse ansteht. Neben dem Handel profitieren aber auch die umliegenden Taxiunternehmen, Autowerkstätten sowie Gaststätten, Hotels und Pensionen von der Großveranstaltung. Die touristischen und wirtschaftlichen Aspekte des Drachenfestes für die Region sind somit nicht unerhebliche Faktoren.

Stilechte Kinderbetreuung

Wie Veranstalterin Sandra Wolter erklärt, handelt es sich bei dem Drachenfest um eine nicht öffentliche Veranstaltung. Heerscharen von Besuchern stören den Ablauf der Veranstaltung und daher kann nicht jedermann ungehindert Zutritt zum Gelände gewährt werden.

Das Drachenfest ist aber nicht nur eine Veranstaltung für eine kleine Minderheit oder ausschließlich erfahrene LARPer. Auch Neulinge sind willkommen. Allerdings muss nicht jeder gleich in die Schlacht ziehen.

Man kann auch einfach nur am mittelalterlichen Lagerleben teilhaben. Teilweise verbringen ganze Familien, angefangen vom Kleinkind bis ins Seniorenalter, ihren Urlaub in der „Fantasywelt“. So wird beispielsweise während des Drachenfestes auch eine stilechte Kinderbetreuung angeboten. Man bemerkt dabei schnell, dass sich die Teilnehmer und Mitspieler als tolerant, geduldig und hilfsbereit herausstellen und der Spaß am gemeinsamen Spiel im Vordergrund steht.

Wer am Drachenfest teilnehmen möchte, kann sich auf der Homepage www.drachenfest.info ausführlich informieren. Dort sind auch detaillierte Informationen über den Spielhintergrund und die Teilnehmerpreise vorhanden.

Von Claus Wetekam

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