CRS-Musiklehrer Werner Sostmann geht in den Ruhestand, aber nicht so ganz

Fast vier Jahrzehnte Musik unterrichtet: Welt verbessern mit Musik

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Nach dem Applaus die Kabel wieder einrollen: Werner Sostmann hat als Bandleader des Smoke-Revival-Orchestras die Internationalen Jugendmusikfestivals in Bad Arolsen mit organisiert.   

Mit Werner Sostmann verabschiedet sich zum Schuljahresende einer der profiliertesten Lehrer der Christian-Rauch-Schule in den Ruhestand. Seine nächste Station ist die Deutsche Schule in Saudi-Arabien.

Bad Arolsen.  Zusammen mit dem schon vor einem halben Jahr verabschiedeten Rainer W. Böttcher hat Sostmann über dreieinhalb Jahrzehnte das Musikleben an der Schule und in der Stadt entscheidend mitgeprägt.

Dabei stand Sostmann vor allem für Big-Band-Sound und Jazz. Mit seinem Smoke-Revival-Orchestra hat er den Ruf der Schule und der Stadt nach ganz Europa und bis in die USA getragen.

Weltenbummler mit Bildungsauftrag

Mit seinen Musik-Kontakten ins polnische Bydgoszcz und nach St. Petersburg hat er nicht nur den Blick für Osteuropa geschärft, sondern zugleich die Grundlagen für die Internationalen Jugendmusikfestivals gelegt, die schon neun Mal viele hundert junge Musiker aus aller Welt nach Bad Arolsen geführt haben.

Weltenbummler mit Heimatbezug: Werner Sostmann hat 35 Jahre an der Christian-Rauch-Schule unterrichtet und war mehrere Jahre an Deutschen Schulen im Ausland.

Das zehnte Jugendmusikfestival hätte eigentlich in diesem Sommer stattfinden sollen und ist nun – wie so viele Musikveranstaltungen – der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

In Sudia Arabien und Malaysia gearbeitet

Zweimal in seiner 35-jährigen Dienstzeit ist es Sostmann gelungen, sein Fernweh mit seinem pädagogischen Auftrag zu verbinden. So ließ er sich einmal für fünf Jahre an die Deutsche Schule im saudi-arabischen Riyadh und einmal für drei Jahre an die deutsche Schule im malaysischen Kuala Lumpur abordnen.

Mit 65 Jahren fühlt sich Sostmann noch lange nicht zu alt zum Unterrichten. Er hat noch eine Menge vor: Ende August will er sich auf den Weg nach Saudi-Arabien machen, um an der Deutschen Schule in der Hauptstadt Riyadh noch einmal Musik zu unterrichten wie damals in den 90er Jahren.

Eigentlich wollte er Journalsit werden

Sostmann, Jahrgang 1954, ist in Kassel aufgewachsen, hat dort mit 17 Jahren das Abitur an der Friedrich-List-Schule Gemeinde gebaut. Eigentlich wollte er Journalismus studieren, die Welt verbessern „und an den Krisenherden der Welt mit den richtigen Leuten reden“.

CD-Aufnahmen während der Sommerfieren im Keller der Christian-Rauch-Schule.

Aber es kam anders: Aus seinem geplanten Umzug nach Berlin wurde nichts, weil er der Wehrerfassung unterlag. Deshalb disponierte Sostmann um, und begann ein Studium der Pädagogik und Gesellschaftslehre an der damals neu gegründeten Gesamthochschule Kassel.

Zwischendurch leistete er seinen Zivildienst ab. Er habe damals in der Kirchengemeinde Kirchditmold eine Jugendgruppe geleitet, Fahrten ins französische Nîmes organisiert und letztlich auch entschieden, noch ein Musikstudium anzuschließen.

Schulbuch veröffentlicht 

 Erste Unterrichtserfahrung sammelte er in Grebenstein. An der dortigen Schule gründete er als Schlagzeuger ein Percussion-Ensemble, das bald als Big-Band auftreten konnte. Aus Kontakten zum HR-Rundfunkorchester und zu Bill Ramsey wurden Livekonzerte, die als Anleitung zum Aufbau einer Band mehrfach gesendet wurden.

Die CRS-Big-Band mit ihrer damlaigen Frontsängerin Dorothea Proschko.

„Das war richtig spannend“, erzählt Sostmann über seine Zeit Anfang der 80er Jahre in Kassel: Wir haben damals mit unserer Band „Jazz oder nie“ viele Konzerte gegeben, beim Kasseler Stadtfest, beim Open-Flair und konnten so richtig in die Musikszene hineinschnuppern.

Große Freiheiten in Bad Arolsen genossen

Seine Examensarbeit zum Aufbau einer Schul-Big-Band wurde vom Schulbuchverlag Schott als Buch veröffentlicht. Dazu organisierte der Schott-Verlag zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen für Musiklehrer in ganz Deutschland und immer war Sostmann mit seiner Band der Vortragende. 

Beinah wäre er nach Berlin gegangen. Seine Entscheidung für Arolsen habe er „nie länger als ein paar Stunden“ bereut, denn hier er habe größte Freiheiten genossen: „Ich kam am Sonntagabend mit meiner Band von einer England-Tour und bin am Montagmorgen mit der Schulband nach Polen gestartet.

Band-Erfahrung schärft das Verantwortungsgefühl

Bald aber habe er gespürt, dass dieses Power-Programm auf Dauer nicht durchzuhalten war. Er habe sich dann ganz auf die Christian-Rauch-Schule und das Smoke-Revival-Orchestra konzentriert. Das sei ihm, dem Vollblutmusiker nicht allzu schwer gefallen, weil auch in der Schulband viele gute Musiker engagiert waren, die es mit den Semi-Profis hätten aufnehmen können. Und die Saat sei aufgegangen: Aus vielen seiner Ehemaligen seien gute Musiker und Musiklehrer geworden.

Applaus genießen und dann die Mikrofonkabel wieder aufrollen.

Dabei sei es ihm wichtig gewesen, dass die Schüler in der Big-Band nicht nur gute Musik machten, sondern auch Verantwortungsgefühl entwickelten: „Jeder wusste, dass seine Stimme wichtig war. Und nach jedem Konzert mussten alle mit anpacken und abbauen und das komplette Equipment in die Schule bringen.“ Mancher Konzertauftritt sei so erst gegen Mitternacht zu Ende gewesen. Alle hätten gewusst: „Wir sind ein Team. Man kann sich auf der Bühne feiern lassen, aber dann werden die Kabel aufgerollt.“

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