Angeklagter nach Prügelei in Kneipe zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

Fausthiebe, Tritte und Beleidigungen

Bad Arolsen - Zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und einem Schmerzensgeld von 1000 Euro hat das Amtsgericht in Korbach einen 26-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung verurteilt.

Der junge Mann hatte nach Auffassung des Gerichts einen aus Pakistan stammenden Gast in einer Kneipe attackiert und mit Ausdrücken wie „Hurensohn“ und „Kanake“ beleidigt und ihm in einer Rangelei zugerufen: „Ich ficke deine Mutter, du Schokolade.“ Dem dunkelhäutigen 45-Jährigen verpasste er Fausthiebe und Tritte, sodass ihm im Krankenhaus Bad Arolsen ein Schädel-Hirn-Trauma und ein komplizierter Bruch eines Fußes attestiert wurden, der bei einem chirurgischen Eingriff mit Einbau einer Metallplatte behandelt werden musste.

Die Auseinandersetzung hatte sich in der Nacht zum 9. Juli 2012 am Rande einer Geburtstagsfeier des Gastwirtes abgespielt. Dessen Neffe, der spätere Angeklagte, hatte bereits seit dem Vormittag dort mitgeholfen und so viel Alkohol bis nach Mitternacht konsumiert, dass eine Konzentration von 2,73 Promille in seinem Blut ermittelt wurde. Aus nichtigem Anlass, so befand das Gericht, habe sich dann die Auseinandersetzung entwickelt, bei der der im gleichen Ort lebende Gast verletzt wurde.

Der Angeklagte gab bei seiner Vernehmung an, der 45-Jährige habe ihn den ganzen Abend über beäugt und dann auf ein am Nacken tätowiertes eisernes Kreuz angesprochen und ihn als Nazi tituliert. Schließlich habe der Mann ihm ein Bierglas entgegengeschleudert: „Ich habe mich gewehrt.“ Beleidigt habe er den Mann nicht.

Der 45-Jährige jedoch betonte, dass er von dem jungen Mann angegriffen worden sei und dieser ihm gegenüber ausländerfeindliche Beleidigungen ausgestoßen habe. Die Tätowierung habe ihm aber nichts gesagt. Für ihn habe es keinen Grund gegeben, den Mann anzugreifen. „Ich hatte tierisch Angst“, beschrieb er seine Gefühle in der Nacht.

Die übrigen vernommenen Zeugen verhedderten sich zum Teil in Widersprüchen, sodass die Staatsanwältin mit einem Strafverfahren wegen einer Falschaussage drohte, oder brachten kaum Licht in die Angelegenheit.

Während sich bei dem Angeklagten die Blutalkoholkonzentration schuldmindernd auswirkte, wie Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling erklärte, wirkten sich ein Eintrag im Bundeszentralregister wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr und eine Geldstrafe wegen Körperverletzung zu seinen Ungunsten aus. Die Freiheitstrafe wurde zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. (ah)

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