Verfahren vor Landgericht eröffnet

Fehde zwischen jungen Männern beginnt mit Überfall in Mengeringhausen 

Prozess wegen Überfall in Mengeringhausen vor dem Landgericht Kassel
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Prozess wegen Überfalls in Mengeringhausen vor dem Landgericht Kassel. Foto: Andreas Fischer

Kassel/Bad Arolsen – Der Raubzug im Wohnzimmer eines 30-jährigen Mannes in Mengeringhausen Anfang November 2016 war offenbar nur der Auftakt für eine Fehde zwischen den Beteiligten, die bis heute andauert.

Zum ersten Prozess vor zwei Wochen war das Opfer des Überfalls wegen Krankheit nicht gekommen, diesmal konnte er vor der 1. Strafkammer des Landgerichts als Zeuge aussagen.

Mit Waffen bedroht

Er schilderte, wie er an einem  Nachmittag um den 4.  November 2016 von zwei maskierten Männern mit vorgehaltenen Schusswaffe in seine Wohnung gedrängt und zur Herausgabe von Geld und Drogen aufgefordert wurde. Beide hätten ihm dabei die Waffen - vermutlich Schreckschusspistolen - an den Kopf gehalten. Wie hoch die Summe Bargeld war, konnte er nicht genau sagen; irgendwas zwischen 50 und 400 Euro. Dass beide auch fünf Gramm Haschisch mitnahmen, wollte er nicht bestätigen, um sich nicht selbst zu belasten.

Noch am selben Tag will er herausgefunden haben, dass es sich bei den beiden Räubern um die heute 23 und 26 Jahre alten Angeklagten aus Bad Arolsen gehandelt habe. Bei der Tat handelte es sich vermutlich um eine Racheaktion, weil er zuvor vor der Polizei gegen einen inzwischen verstorbenen Drogendealer ausgesagt habe.

Darum nennt er keine Namen

Gegenüber Richter Jürgen Dreyer weigerte sich der Zeuge zunächst, den Namen seiner damaligen Freundin zu nennen, weil die Angst vor den Angeklagten habe. „Ich will niemanden ans Messer liefern“, sagte er.

Immerhin schrieb er den Namen der Freundin und weiterer Zeugen auf einen Zettel und übergab den dem Gericht. Sie sollen nun beim nächsten Verhandlungstag am 18. Juni vor Gericht gehört werden.

Ins Krankenhaus

Der jüngere Angeklagte und sein Bruder hätten ihn nach der Aktion in seinem Wohnzimmer regelrecht verfolgt und bedroht. Immer wieder seien sie an seiner Wohnung vorbei gefahren und hätten ihn lautstark als „Hurensohn“ und „Lutscher“ beschimpft. Dies wurde von der heutigen Freundin des Zeugen und seiner Halbschwester bestätigt.

Im Juli 2019 hätten ihn die Brüder mit einem Teleskop-Schlagstock bedroht, der Bruder des Angeklagten habe ihm einen Faustschlag an die Schläfe versetzt, nach dem er blutend ins Krankenhaus musste. Diese Körperverletzung soll nächste Woche vor dem Amtsgericht Korbach verhandelt werden.

So könnte Prozess enden

Die Aussagen des Zeugen waren nicht ohne Widersprüche, besonders die zeitliche Chronologie blieb unscharf, was Verteidiger Ergün Eser dazu veranlasst, eine Einstellung des Verfahrens in den Raum zu stellen. Davon allerdings wollte Richter Dreyer nichts wissen.

Bei einem weiteren Vorfall sei er von dem 26-jährigen Angeklagten, der gegenwärtig in anderer Sache in Haft ist, mehrmals geohrfeigt worden, als er sich mit einer Frau an der Kirche in Volkmarsen getroffen hatte, sagte der Zeuge aus. Der andere habe dabei eine Schusswaffe im Hosenbund getragen.

"Angebaggert"

Für Verteidiger Eser war diese Aussage ein Ablenkungsmanöver. Der Zeuge habe wohl „vergesssen“ zu erwähnen, dass es sich bei der Frau, die er „angebaggert“ habe um die Verlobte seines Mandanten handelte.(VON THOMAS STIER)

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