Käfer-Bäume wegschaffen

Finnen räumen im Wald zwischen Landau und Dehringhausen auf

Einsatz eines Harvesters der Firma Ponsse im Domanialwald bei Dehringhausen.
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Einsatz eines Harvesters der Firma Ponsse im Domanialwald bei Dehringhausen.

Mit einem schlagkräftigen Einsatz finnischer, deutscher und österreichischer Firmen werden zurzeit im Wald zwischen Bad Arolsen und Waldeck Käfer-Bäume geräumt.

BadArolsenWaldeck – Tomi Hynninen gerät ins Schwärmen: Der hügelige Mischwald in der Gemarkung Dehringhausen mit seinen Buchen, Eichen und Fichten sei schon was Besonders, ganz anders als in seiner ostfinnischen Heimat, sagt der Forstfacharbeiter aus der Stadt Outokumpu.

Doch der Wald, den er auch gerne seiner Familie zeigen möchte, ist in den Fichtenbeständen durch Stürme, Hitze und Käfer großflächig zerstört. Als Selbstständiger gehört er zu dem Vierer-Trupp des Unternehmens Finnharvest im finnischen Kuopio, der seit Februar der Kommunalwald GmbH im Revier Dehringhausen mit Aufarbeitung von „Käfer-Fichten“ beauftragt wurde.

Neueste Forstmaschinen

Der moderne Harvester und der Rückezug sind mit der Fähre und in Deutschland mit einem Tieflader zum Einsatzort gebracht worden. „Das sind die neuesten Maschinen“, lobt Revierleiter Fabian Treyse von der Kommunalwald Waldeck-Frankenberg GmbH.

Die Dauerbelastung der finnischen Spezialfahrzeuge unter realistischen Bedingungen liefert zugleich wertvolle Informationen für die Konstrukteure der Maschinen. Diese haben sogar eigene Namen: Tunturipaju (Bergweide), heißt die Vollerntemaschine von Hynninen. Die Fahrerkabine ist ergonomisch so konstruiert, dass der Fahrer auch bei starker Hangneigung gerade sitzt und den Überblick über das Geschehen behält.

Tomi Hynninen aus dem ostfinnischen Outokumpu auf einem neuen Harvester im Domanialwald.

Die Vollerntemaschinen sind jederzeit digital zu verorten und melden die aufgearbeitete Holzmenge. So können auch die Daten der eingeschlagene und später im Sägewerk verarbeiteten Holzmenge abgeglichen werden, wie der Revierförster Treyse erklärt: „Die Mengen stimmen gut überein.“

So wird der Boden geschont

Die achträdrigen Harvester können bodenschonend eingesetzt werden. Durch die lange Reichweite der Greifarme können die auch durch die PEFC-Zertifizierung für den normalen Forsteinsatz vorgeschriebenen Abstände zwischen den Rückegassen eingehalten werden. „Die finnischen Waldmaschinenführer bekommen die weltbeste Ausbildung“, sagt Hynninen selbstbewusst. Das hängt vor allem damit zusammen, dass in finnischen Wäldern oft ganz unterschiedliche Sortimente aufgearbeitet werden.

Ein Pappenstiel ist die Arbeit für die Forstfachleute aus dem hohen Norden auch im Waldecker Land nicht. Präzise und zügige Abwicklung ist hier gefragt, in Zusammenarbeit mit dem Revierleiter der heimischen Kommunalwald-Gesellschaft und mit dem Firmen-Verbund TTW und Binder Holz, der für die Verarbeitung in den Sägewerken zuständig ist.

Das Leuchten Im Wald

Die Finnen sind in zwei zehnstündigen Schichten im Einsatz. Nachts beleuchten starke Scheinwerfer am Harvester das Arbeitsgebiet - in finnischen Wintern mit wenigen Stunden Tageslicht sind solche Forstmaschinen unabdingbar. Finnharvest stellt Rückezüge zur Verfügung und die Fahrzeuge, mit denen die Angestellten zu den Waldflächen kommen.

Finnharvest organisiert auch die Unterbringung und Versorgung der Männer an den Einsatzorten, die schließlich über mehrere Monate fern von daheim arbeiten.

2500 Kilometer von daheim im Einsatz

In ihrem vorübergehendem Wohnort Landau fühlen sie sich auch wohl. Tomi Hynninen weiß das Klima bei dem von mehreren Brüdern geleiteten Familienunternehmen in Kuopio zu schätzen. Neben den Gehältern ist es laut Hynninen der Umgang auf Augenhöhe.

So kommt es auch vor, dass der aus der Schweiz stammende Leiter des internationalen Geschäfts bei Finnharvest, Manuel Schmid, bei einem Besuch im Wald die Scheiben an der Fahrerkabine des Harvesters putzt.

5300 Festmeter Fichten wurden auf dieser Fläche aufgearbeitet. Links Revierförster Fabian Treyse.

Er gehört mit seinem für das Marketing und die Geschäftsbeziehungen nach Mitteleuropa zuständigen Bruder Michael Schmid zu der Unternehmensleitung. Doch alle sind vertraut mit der Waldarbeit und dem Maschineneinsatz und sie vertrauen den Angestellten, denn diese müssen selbstständig große Flächen Holz ernten und sind selbst auch daran interessiert, dass ihr Unternehmen wieder Aufträge in Mitteleuropa bekommt. Dort hat sich offenbar die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und seiner Mitarbeiter herumgesprochen.

Aufträge von Tesla

Michael Schmid, bei Finnharvest zuständig für Marketing und das Geschäft in Mitteleuropa: „Aktuell liegt unser Fokus auf der Bewältigung des Borkenkäfer-Holzes. Dabei wird eine spezielle Arbeitsweise benötigt.“ Das Unternehmen biete sich auch für die standardmäßige Durchforstung im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft an.

In Deutschland ist die Firma an verschiedensten Orten im Einsatz. Bei der Tesla Gigafactory in Brandenburg unterstützte Finnharvest das Unternehmen bei der Baumfällung.

Kennzeichen Elch: Das Unternehmen Finnharvest aus dem ostfinnischen Kuopio kennzeichnet einen Polter Fichtenholz.

Die im Kommunalwald tätigen Finnen leben derzeit 2500 Kilometer von daheim entfernt in einer großen Ferienwohnung in Landau. Neben der schönen Landschaft, die er schon berufsmäßig durchfährt, weiß Hynninen in der freien Zeit gelegentlich ein deutsches Bier zu schätzen.

Das vermissen sie

Er vermisse aber seine Familie, und er möchte gerne mit ihr im Herbst Urlaub in dieser Region machen: Der Wald ist doch sehr schön. Und noch etwas fehlt in Landau: Eine Sauna. Wegen der Corona-Pandemie sind alle Schwitzhäuser dicht.

Schnelligkeit und hohe forsttechnische Schlagkraft sind gefragt, um die großen Mengen an toten, trockenen Fichten noch vor dem Zusammenbrechen zu nutzen sowie die Landung der nächsten Borkenkäfer-Generation zu verhindern.

Schlagkräftiger Verbund

Dazu hat die Kommunalwald Waldeck-Frankenberg GmbH in Bad Arolsen neben dem deutsch-österreichischen Unternehmensverbund TTW und Binder Holz die finnische Firma Finnharvest aus Kuopio beauftragt.

Momentan rumoren die Maschinen der Forstfachleute im Revier Dehringhausen unter der Regie des Försters Fabian Treyse, unterstützt werden sie dabei von deutschen Fuhrbetrieben, die das Fichtenholz aufnehmen und nach Wabern zum Bahntransport zu den Sägewerken fahren.

Preise nicht so gut

Einen Teil davon kauft die Kommunalwald GmbH zurück, um das Holz selbst vermarkten zu können. Zum Leidwesen der Waldbesitzer sind die Preise für das Rundholz in Relation zum fertigen Schnittholz trotz erhöhter Nachfrage nicht im vergleichbaren Maße angestiegen.

Fraßbild eines Buchdrucker-Käfers in der innenseite der Borke einer abgestorbenen Fichte.

Treyse hat an seinem früheren Arbeitsplatz im Revier Altenbeken (Forstamt Hochstift) schon gute Erfahrungen mit dem Unternehmen Finnharvest gemacht.

Kennzeichen: Blauer Elch

TTW Waldpflege - ursprünglich ein Teil des Forstbetriebs Thurn & Taxis - gehört heute zur Binderholz-Gruppe - einem holzverarbeitetenden Unternehmen mit 13 Standorten in vier Ländern, darunter auch Finnland, und hat Finnharvest direkt beauftragt, um im Kommunalwald von Borkenkäfern befallene Fichten mit Vollerntemaschinen zu fällen und am Wegesrand aufzupoltern.

Waldspaziergänger können das Werk der finnischen Forstleute am blauen Stempelaufdruck Finnharvest nebst einem Elch erkennen.

„Es gibt nur wenige Firmen mit einer derartigen Schlagkraft“, sagt Treyse. Und so fahren an Tagen, wo die Bahnverladung des Holzes ansteht, im Schnitt 15 Holzlaster von Kalamitätsholz-Flächen zwischen der Waldschmiede bei Volkhardinghausen und Dehringhausen momentan zum Bahnhof Wabern. Dort wird in zwei bis drei Tagen ein Zug beladen, der bis zu 1500 Festmeter Holz zu den Sägewerken fahren muss.

Mit dieser speziellen Karten-App für Waldgebiete erkennen die Forstwirte Wege und die verschiedenen Baumbestände.

„Bei Käferbefall ist somit eine schnelle Holzabfuhr gewährleistet, sodass der Käfer dann im Zug und nicht mehr im Wald sitzt. Somit kann zum Teil der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vermieden werden“, schildert Treyse die Situation.

So hilft das kühle Wetter

Momentan gibt es noch keinen Stehendbefall, bei den letzten wärmeren Tagen begannen aber die Anflüge auf Holzpoltern und Windwürfen. Das kalte und feuchte Wetter im Spätwinter und in den letzten Tagen hat den Käfer gebremst und zu schaffen gemacht.

Die Käfer finden allein beim Domanialwald mit einem Anteil von einem Drittel Fichten ideale Lebensräume vor, wenn die Bäume sind schon durch Dürreperioden oder Stürme angeschlagen sind. Ein Großteil des Bestandes ist schon kaputt.

Digitale Lotsen

Derzeit werden wieder geschädigte Käferbäume mithilfe von GPS-Geräten erfasst und die Daten dann zentral so gespeichert, dass die Firmen schnell zu den Beständen gelotst werden können. Über Forst-Apps können sich die Firmen orientieren und über die markierten Straßen an Ort und Stelle fahren.

Geländegängige Spezialfahrzeuge. Die Firma Finnharvest hat per Schiff Harvester für den Einsatz im Waldecker Land nach Deutschland verfrachtet.

Doch schon beginnen die Arbeiten für den Wald der Zukunft im Revier Dehringhausen, das sich im Hinblick auf die Eigentumsverhältnisse wie ein Flickenteppich zwischen der Waldschmiede und Schmittlotheim über 3000 Hektar erstreckt (fast so viel wie das Fürstlich Waldecksche Forstamt in Bad Arolsen).

Pläne für den neuen Wald

Neben dem Domanium mit dem größten Anteil werden die Gemeinde Vöhl, die Kreisstadt Korbach mit dem Hospitalwald und zum Teil Waldeck von dem Revier erfasst, das im vorigen Jahr im Zuge der forstlichen Neuordnung als Teil der Kommunalwald Waldeck-Frankenberg GmbH gebildet wurde.

Auf den frei gewordenen Flächen setzt der Förster auf eine Mischung von Baumarten, die zu einem Teil selbst im Wege der Naturverjüngung schon zu wachsen beginnen und zum Teil gepflanzt werden müssen. Diversität ist laut Treyse gefragt, damit die Millioneninvestitionen nicht durch kommende Unwetter oder Insektenbefall komplett dahingerafft werden.

Pflanzen und Naturverjüngung

Treyse spricht von „Trupps“ von Douglasien, Küsten- und Weißtannen, Eichen, Esskastanien, Buchen oder Roteichen auf kleinen Standorten, die sich sukzessive entwickeln können. Birken, Pappeln und Weiden als Pioniergewächse oder Douglasien und Lärchen entwickeln sich durch das Saatgut bestehender Bäume selbst, auch Fichten.

Diese lassen die Förster wieder wachsen, aktiv neu pflanzen wollen sie diese Baumart auf dieser Höhe wegen der schlechten Entwicklungsprognosen aber nicht mehr.

Blick auf die Buchen

Inwieweit sich die weiten Buchenbestände halten können nach zwei Dürrejahren, muss auch beobachtet werden. In der vergangenen Saison seien in seinem Revier 1000 Festmeter etwa 120 Jahre alte Buchen gefällt worden.

Die Buchenkomplexkrankheit zerstört die Bäume, die noch Blattwerk treiben, aus denen aber schon ganze Äste herausbrechen. Das ist gefährlich für Waldspaziergänger. Das Holz verdirbt schneller als bei der Fichte. (Armin Haß)

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