Bad Arolser Bürgermeister lädt zu einem runden Tisch ein

Flüchtlingen menschlich begegnen

Ein Beispiel funktionierender Integration: Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge wohnen im Sophienheim des Diakonissenhauses und lernen an der Kaulbach-Schule Deutsch. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Der Zustrom von Flüchtlingen aus den Krisenregionen der Welt hält an und stellt Landkreise und Gemeinden vor neue Herausforderungen. Bürgermeister Jürgen van der Horst plant die Bündelung aller hilfsbereiten Kräfte und lädt daher am Dienstag um 18 Uhr zu einem „runden Tisch“ ins Bürgerhaus ein.

Es gibt viele Menschen in der Stadt, die bereit sind, Flüchtlinge willkommen zu heißen und zu betreuen. Diese Kräfte sollen gebündelt und vernetzt werden. Dazu sind Vereine, kirchliche Gruppen und Privatleute eingeladen.

Vier Handlungsfelder hat der Rathauschef ausgemacht, die es abzuarbeiten gilt:

1.) Die Koordinierung aller Anfragen und Aufgaben ist Sache der Stadtverwaltung.

2.) Unterkünfte müssen gesucht und angemietet werden. Dazu sind Angebote aus der Bevölkerung willkommen. Ansprechpartner ist Robert Pohlmann, der Leiter des Fachbereiches Zentrale Dienste, Telefon 05691/801180.

3.) Sachmittel werden benötigt. Dazu gehören Möbel, gerne gespendet. Außerdem Kleiderspenden, Spielsachen, Lebensmittel über den ökumenischen Tafelladen.

4.) Die Betreuung der Menschen vor Ort. Dazu schlägt der Bürgermeister vor, dass Patenschaften übernommen werden könnten.

Pfarrer Gerhard Lueg ergänzt, dass die Arolser ermutigt werden sollten, Kontakt mit den Flüchtlingen aufzunehmen. Es reiche nicht aus, Wohnungen einzurichten und Kleider zu spenden. Nach der reinen Möbelpacker-Arbeit sei es angebracht, mit den Flüchtlingen noch einen Kaffee zu trinken und sie als Menschen wahrzunehmen und Wert zu schätzen.

Auf keinen Fall sollten sich die Helfer darin versuchen, als Traumatherapeuten oder finanzielle Unterstützer aufzutreten. Mit beidem seien wohlmeinende Bürger schnell überfordert. Es sei schon viel gewonnen, wenn man sich halbwegs unbefangen auf einer menschlichen Ebene begegne.

Ursprünglich waren Landkreis und Stadt davon ausgegangen, dass im ersten Halbjahr etwa 55 Flüchtlinge aus Syrien, dem Kosovo, Serbien, Nordafrika, Eritrea und Somalia aufgenommen werden müssten. Inzwischen zeichne sich aber eine deutlich größere Zahl ab.

Van der Horst: „Ich vermute, dass der Höhepunkt der Flüchtlingswelle erst in zwei oder drei Jahren erreicht wird. Deshalb müssen wir in unserer Stadt Strukturen aufbauen, die die Hilfe kanalisieren.“

Nach Absprache mit dem Landkreis sei die Stadt nun auf der Suche nach Unterkünften. Möglich seien Pensionen, aber auch Privatwohnungen, die nach den geltenden Mietobergrenzen für Hartz-IV- und Wohngeldempfänger abgerechnet werden.

Unter anderem solle das Landauer Rathaus entsprechend hergerichtet werden. Auch im Haus Waldfrieden in Neu-Berich seien Wohnungen vorhanden. Derzeit sind im Berufsbildungswerk 70 Plätze der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen ausgelagert. Außerdem wohnen hier 25 Flüchtlinge, die vom Landkreis zugewiesen wurden.

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