Bad Arolsen: Im Residenzschloss zeigt Dana Gluckstein Menschen voller Würde

Fotos mit politischer Botschaft

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- Ihre Arbeit geht über reine Kunst und Fotografie weit hinaus. Ihre Bilder haben etwa Dokumentarisches und Politisches zugleich: Dana Gluckstein hat mit ihren Menschenbildern die Einstellung der amerikanischen Bevölkerung und Regierung verändert.

Bad Arolsen. „Dignity – Würde“ lautet der Titel der Ausstellung, die noch bis Anfang Juli im Residenzschloss zu sehen ist. Der Titel trifft den Kern, denn sämtliche gezeigten Portraits zeigen Menschen in ihrer ganzen Würde. Es sind Gesichter voller Stolz, innerer Zufriedenheit und tiefer Menschlichkeit. Die US-Fotografin Dana Gluckstein arbeitet nicht mit irgendwelchen Models zusammen. Sie findet ihre Fotomotive bei den bedrohten Völkern Asiens, Afrikas, Amerikas und Australiens. Begleitet von Ortskundigen macht sie sich auf die Suche nach Stämmen, die fernab der Zivilisation in ihren ursprünglichen Kulturen leben. Kulturen in Gefahr Dabei sieht sie regelmäßig auch, wie bedroht diese Idyllen sind. In Bhutan fand sie Kinder, die mit Spielzeugpistolen religiöse Feste störten. Sie wunderte sich über Lkw-Ladungen voller Kartoffeln, die von Bhutan nach Indien rollten, um dann als Kartoffelchips in Plastiktüten die traditionellen Ernährungsgewohnheiten zu verändern. Die Bedrohung der ursprünglichen Kulturen geschieht auf vielfältige Weise: Mal ist es Alkoholmissbrauch, mal Raubbau an den Bodenschätzen. Eingeborenen-Stämme leiden an den zerstörerischen Folgen von Diamantenminen in ihrer Umgebung oder am groß angelegten Abbau von Kupfer. Anderswo werden bedrohte Völker in Bürgerkriege hineingezogen. Der Schutz dieser Völker ist das Ziel einer UN-Konvention, die zunächst nicht von den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland unterzeichnet wurde. Die von Dana Gluckstein begleitete Kampagne in den USA führte schließlich zu einem Umdenken der Obama-Administration. Humanitäres Anliegen Das Internationale Komitee vom Roten kreuz hat die Schirmherrschaft über die Ausstellung im Residenzschloss übernommen. Deshalb sprach zur Eröffnung auch die IKRK-Delegierte Barbara Hintermann, die in Genf zugleich zuständig für den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen ist. Universalität und Verschiedenheit zeichneten die Fotos­ von Dana Gluckstein aus, stellte­ Barbara Hintermann fest. Das seien zugleich auch zwei der fünf Grundsätze des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Als Antwort auf die Universalität des Leidens und der Kriege wurde das IKRK gegründet. Viele der Bilder von Dana Gluck­stein stammten aus den Ländern, in denen das IKRK humanitäre Arbeit leiste. So zum Beispiel in Kenia und Somalia. Zuschuss fürs Museum Aus dem Anderssein, der Verschiedenheit entstehe der Reichtum der Welt. Viele Menschen könnten das nicht erkennen. Verschiedenartigkeit löse bei ihnen Ängste und Diskriminierung aus. Migranten würden heute in vielen Teilen der Welt zunächst einmal als Risiko angesehen. Hintermann: „Die Gesichter der Dana Gluckstein, die zwar nicht ausdrücklich als Opfer der Gewalt ausgewählt wurden, schauen uns an und ermuntern uns zu solidarischem Engagement für eine humanere Menschheit. Was ich an diesen Bildern besonders schön finde, ist die Natürlichkeit des Blickes. Wenige Worte reichen raus, um das Leben und Kraft, die sich dahinter verstecken, zu erkennen.“ Dana Gluckstein selbst stellte in ihrer sehr engagierten Ansprache vor zahlreichen interessierten Besuchern im Steinernen Saal des Residenzschlosses fest: „Wir sind alle miteinander verbunden. Ich möchte Brücken bauen zwischen den Kulturen. Bei unseren Entscheidungen müssen wir immer auch die Auswirkungen auf die siebte Generation, die nach uns kommen wird, im Auge haben.“ Bürgermeister Jürgen van der Horst bezeichnete die Ausstellung als einen weiteren Höhepunkt in der Reihe der Fotoausstellungen in Bad Arolsen. All das werde möglich durch die Unterstützung des Hessischen Museumsverbandes. In diesem Zusammenhang dankte der Rathauschef ausdrücklich Dr. Ulrike Adamek, die bei ihrem Besuch im Residenzschloss den Jahreszuschuss des Museumsverbandes für die städtischen Museen in Höhe von 57 000 Euro überbrachte.Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags von 14.30 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Führungen sonntags um 11.15 Uhr und nach Vereinbarung. Info: Tel. 05691/625734, www.museum-bad-arolsen.de

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