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Freunde der legendären Isetta machten Station auf dem Arolser Schlosshof

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Von: Elmar Schulten

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Fünf Frauen in bunten Petticoat-Kleidern posieren vor Isetta-Oldtimern auf dem Arolser Schlosshof.
Mindestens ebenso häufig fotografiert wie die Isetta-Maschinenroller, die sich auf dem Arolser Schlosshof trafen, wurden diese stilecht gekleideten Isetta-Fahrerinnen. © Elmar Schulten

136 knatternde Knutschkugeln der Marke Isetta waren am Samstagmorgen auf dem Schlosshof zu Gast. Die schicke Kulisse war Ziel einer Ausfahrt, zu der die Organisatoren des Isetta-Treffens im benachbarten Naumburg geladen hatten.

Bad Aolsen - Schatzmeister des Clubs ist Erich Jesper aus Marsberg. Er kennt jedes Detail aus der Firmengeschichte und kann auch die kleinsten Um- und Anbauten an den markanten Maschinenrollern erkennen und zeitlich einordnen. Der Club der Isetta-Freunde ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Man kennt sich und man hilft sich aus, wenn ein Ersatzteil fehlt. Und das europaweit.

Am Samstag waren auch niederländische, belgische und französische Isetta-Fans zu Gast. Viele planen die Anreise so, dass das Material geschont wird: Auf einem Autoanhänger, gezogen von einem PS-stärkeren Nachfolgemodell ist die Anfahrt stressfreier.

Autobahn macht wenig Spaß

Die Isetta bringt es mit ihren 13 PS auf eine Spitzengeschwindigkeit von 83 Kilometern pro Stunde. „Das macht auf der Autobahn keinen Spaß“, weiß Ernst Jesper. Schnell hat man dann die Lastwagen mit 90 Stundenkilometern im Nacken und fühlt sich gezwungen, auf den Standstreifen auszuweichen.“

Ein Mann öffnet die Fronttür einer blau-weißen Isetta.
Hereinspaziert: Der Isetta hat eine charakteristische Fronttür, die Ernst Jesper gerne für Mitfahrer öffnet. © Elmar Schulten

Deshalb zögen es viele Isetta-Fahrer vor, ihren rollenden Liebling per Anhänger zum Treffpunkt zu bringen und dort an den Ausfahrten teilzunehmen. Der Arolser Schlosshof sei hierfür ein willkommener Stopp an einem sonnigen Tag.

Chromteile sind nur schwierig nachzumachen

Der Club verfüge über Musterstücke aller wichtigen Bauteile. So ließen sich im Notfalle alle Teile nachbauen. Für Kunststoffteile gebe es ja inzwischen 3-D-Drucker, Aluminium-Teile könnten gegossen werden. Schwieriger werde es, wenn Dekoteile verchromt werden sollten. Das sei eine Technik, die nur noch selten Anwendung finde, so Jesper.

Isetta-Treffen auf dem Arolser Schlosshof. Zu den Hinguckern gehörte dieser im Isetta-Design konstruierte Wohnwagen.
Isetta-Treffen auf dem Arolser Schlosshof. Zu den Hinguckern gehörte dieser im Isetta-Design konstruierte Wohnwagen. © Elmar Schulten

Das Treffen auf dem Schlosshof lockte am Sonnabend viele Zuschauer an, die sich besonders über die Sonderanfertigungen und Sonderausstattungen der auf heutigen Straßen selten gewordenen Fahrzeuge wunderten. So gab es zwei Polizei-Isettas mit Blaulicht zu bestaunen, ein Taxi war dabei und eine Variante mit Skiträger und Skiern.

Passanten winken unwillkürlich

Staunende Blicke zog auf die Isetta mit Mini-Wohnwagen im Schlepptau. Dabei waren die Formen des Wohnwagens ebenso rund und geschwungen wie die der kleinen Zugmaschine.

Oft fotografiert wurden auch jene weiblichen Isetta-Fahrerinnen, die sich im Stil der 50er und 60er Jahre mit schicken Petticoats und großen floralen Mustern gekleidet hatten. Ihre Fröhlichkeit bewies: Isetta-Fahren ist ein Lebensgefühl, das sich nicht nur auf die Menschen am Steuer überträgt, sondern auch auf jene, die am Straßenrand stehen und diesem Stück rollender Nostalgie hinterherschauen. Im Selbstversuch konnte auch der Autor dieser Zeilen erleben, dass Passanten stehen bleiben, lächeln und winken, sobald eine Isetta vorbeiknattert.

Liebhaber zahlen beachtliche Preise

Diese Beliebtheit spiegelt sich auch in den aktuellen Preisen wider, die Sammler bereit sind, für eine Isetta auszugeben. Ernst Jesper erzählt: „Als Neuwagen haben einst 2500 D-Mark gekostet. Heute vermitteln wir gepflegte Oldtimer für 25 000 Euro.“ (Elmar Schulten)

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