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Fritz Seidler war als Mitglied eines DRK-Hilfszuges drei Wochen in Hamburg im Einsatz

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Von: Elmar Schulten

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Ein Mann hält ein graues Büchlein in die Kamera. Außer einem roten Kreuz gut zu erkennen:  der Schriftzug Deutsches rotes Kreuz Dienstbuch.
Der Arolser Fritz Seidler war 1962 als Mitglied eines DRK-Hilfszuges nach der Sturmflut in Hamburg drei Wochen vor Ort im Einsatz. Das beweisen die Einträge in seinem DRK-Dienstausweis. © Elmar Schulten

Die vielen Fernsehdokumentationen und Zeitungsberichte, die sich in diesen Tagen mit der großen Sturmflut beschäftigen, die vor 60 Jahren Norddeutschland heimsuchte und Hamburg überflutete, haben Fritz Seidler an seinen Hilfseinsatz in Hamburg erinnert.

Bad Arolsen – Seidler gehörte damals als Freiwilliger dem DRK-Rettungszug an, der in der Wolfhager Kaserne stationiert war. „Unsere Seesäcke waren immer gepackt und standen griffbereit im Lager“, erzählt der 86-Jährige. Der Hilfszug sei damals unmittelbar dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in Genf unterstellt gewesen.

Er sei beim Friseur in Mengeringhausen gewesen, als plötzlich zwei Polizeibeamte den Salon betraten und nach Fritz Seidler gefragt hätten. Dann habe er noch ein paar Minuten gehabt, um sich von seiner Frau zu verabschieden.

Trinkwasser aus Brauerei-Brunnen

Die Beamten hätten ihn dann nach Wolfhagen gebracht, um mit dem nächsten DRK-Konvoi in Richtung Hamburg zu fahren. Drei Wochen habe der Einsatz gedauert. Der Technische Hilfszug habe vor allem über Öfen und Küchenutensilien verfügt. In Hamburg seien sie in eine Polizeikaserne einquartiert worden, um dort Essen für die arg gebeutelte Bevölkerung gekocht.

Nach ein paar Tagen seien seine Finger vom Fleischschnetzeln so kaputt gewesen, dass zum Wassertransport eingeteilt worden sei. Die Holsten-Brauerei habe damals über den einzigen verfügbaren Trinkwasserbrunnen verfügt, der nicht überschwemmt war. Deshalb seien Tanklastzüge mit Wasser ständig im Einsatz gewesen. In der Notküche sei Tag und Nacht gekocht worden: Erbsensuppe, Nudelsuppe, Gulasch, alles, was satt machte. In Thermophoren verpackt, wurde das Essen in die Notunterkünfte gebracht.

Flüchtlingstreck überlebt

Doch der Hilfseinsatz von Hamburg war nicht der einzige, den Fritz Seidler im Auftrag des DRK absolvierte. Beim Erdbeben, das Skopje am 23. Juli 1963 war er ebenso im Einsatz wie nach dem Erdbeben 1979 in Kotor, Montenegro. Jeder dieser internationalen Einsätze erfolgte im Auftrag des IKRK.

In den beinah neun Jahrzehnten seines Lebens hat Seidler schon viele Katastrophen erlebt und vor allem überlebt: Als er zum Jahreswechsel 1944/45 mit seiner Mutter und seinen Geschwistern die Flucht aus Ostpreußen antrat, hatte seine Mutter das Angebot ausgeschlagen, an Bord der Wilhelm Gustloff schneller voranzukommen. Das Flüchtlingsschiff wurde am 30. Januar 1945 versenkt und mit ihm gingen mehrere Verwandten von Fritz Seidler unter.

Starfighter-Absturz mitangesehen

Das Kriegsende erlebte er in Rhoden, wo er sich vor den heranrückenden Amerikanern hinter einem Baum versteckte. Der Hund, den er damals hielt, wurde von einer Kugel getroffen. „Meine Jacke wurde zum Glück nur gestreift“, erzählt er.

Seidler war auch nicht weit, als am 29. März 1961 bei Korbach ein Starfighter abstürzte. Er war als Straßenwärter unterwegs und sah die beiden Piloten an ihren Fallschirmen zu Boden sinken. Wenig später fanden er und seine Kollegen zuerst einen der Schleudersitze, und dann auch noch die Pilotenkanzel. (Elmar Schulten)

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