Viele bestellte Ackerflächen in der Region müssen umgepflügt werden

Frost hat viel kaputt gemacht

+

Bad Arolsen - Die gute Laune ist den Getreidebauern der Region vergangen. Der kalte, aber schneearme Winter hat die Wintersaat so sehr geschädigt, dass jetzt riesige Flächen umgepflügt und neu bestellt werden müssen.

40 bis 50 Prozent des Winterweizens und fast ebenso viele Flächen mit Wintergerste gelten als Totalausfall und müssen neu umbrochen werden, schätzt Heinz Brühmann, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Axel Friese vom Fachdienst Landwirtschaft beim Landkreis rechnet vor, dass die Kosten für die erneute Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und Saatgut bei 400 bis 500 Euro je Hektar liegen. Bei 5000 Hektar Fläche im Landkreis ergibt sich ein Millionenschaden, der durch keine Versicherung abgedeckt ist.

Bundesweit sind rund 300000 Hektar betroffen, hat Karsten Schmal aus Sachsenhausen aus den landwirtschaftlichen Fachzeitungen entnommen.

Doch die Schäden sind nicht gleichmäßig verteilt. Das Upland hatte in diesem Jahr genügend Schnee. Der hat wie ein schützender Mantel die Weizenkeimlinge geschützt.

Ohne Schnee wurden die Pflanzen von der ganzen Kraft des Frostes getroffen. Und nun, da die wenigen überlebenden, aber geschwächten Pflanzen weitertreiben, werden sie durch Nachtfröste immer wieder neu geschädigt. "Das gibt hier wohl nichts mehr", kommentiert Brühmann den Schlag Winterweizen zwischen Mengeringhausen und Bad Arolsen und fügt hinzu: "Das ist das unternehmerische Risiko des Landwirts."

Nun müssen die Agrarunternehmer jeder für sich entscheiden, wie es weitergehen soll. Sommerweizen auszusäen ist nicht so leicht möglich. Die Saatgutvorräte sind begrenzt. Entsprechend hoch sind die Preise.

Eigenes Saatgetreide zu verwenden ist nicht ohne Weiteres möglich, denn es darf nur zertifiziertes Saatgut verwendet werden.Mais auszusäen wäre eine Möglichkeit, doch die meisten Biogasanlagen sind durch langfristige Lieferverträge schon gut versorgt. Auch Sommerraps ist keine Alternative, denn dessen späte Reife bringt die nächsten Aussaat-Pläne durcheinander.

Da die meisten Landwirte in Waldeck-Frankenberg Veredelungsbetriebe sind, die Schweine oder Rinder züchten, wird vor allem Futtergetreide benötigt. So muss nun jeder für sich die richtige Entscheidung treffen.

"Wir wollen mit diesem Lagebericht nicht für irgendwelche Beihilfen werben", machte der Braunser Landwirt Friedhelm Dietzel deutlich. "Uns geht es darum, dass die Menschen in der Region verstehen, was hier passiert ist und warum wir demnächst wieder unsere bestellten Felder umpflügen müssen. Das macht keiner freiwillig."

"Mir ist das in 40 Jahren als Landwirt nur ein einziges Mal passiert", ergänzt Brühmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare