20 Jahre Museum für Frühlings- und Osterbrauchtum

Den Frühling suchen

Bad Arolsen-Schmillinghausen - Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Das mit dieser Jahreszeit verbundene Brauchtum stellt Traute Winkler seit nunmehr 20 Jahren in ihrem Museum in Schmillinghausen dar.

„Ich habe noch nicht alles in den Vitrinen untergebracht“, sagt die Museumsleiterin etwas verlegen. In ihrem Museum für Frühlings- und Osterbräuche legt sie großen Wert auf ausgewählte Schaustücke und präzise Erläuterungen zu den Exponaten und zu den Traditionen. Wer das alte Bauernhaus besucht, bekommt nicht nur viel zu sehen, sondern taucht auch in eine versunkene Welt der Mythologie und des Glaubens ein. Traute Winkler will nicht nur bunt bemalte Ostereier zeigen, sondern auch die Geschichten erzählen, die rund um den Erdball mit Frühling und Ostern zusammenhängen. Nur so ist es zu verstehen, dass auch kunstvoll verzierte Eier aus Indien zu sehen sind, die mit Ostern wenig zu tun haben. Und wer österliches Kunsthandwerk aus der von Krieg erschütterten Ukraine sehen will, der ist in den Ausstellungsräumen des alten Fachwerkgebäudes an der Holzhäuser Straße genau richtig.

Mit den Ausstellungen öffnet die gebürtige Schlesierin das Fenster zu kaum noch bekannten Traditionen. Gerade im Vorfrühling sind junge Menschen ausgezogen, um mit bunt dekorierten Stecken die wärmere Jahreszeit mit ihren längeren Tagen zu begrüßen. Heute noch werden in Baden-Württemberg zum Austreiben des Winters Strohpuppen verbrannt und in einen Fluss geworfen. Früher war es aber auch üblich, den Sommer in Gestalt einer jungen Frau oder eines blühenden Veilchens aufzuspüren. Heischelieder singend, zogen Kinder von Haus zu Haus, um Eier oder Pfennige zu sammeln.

Aus dem Heimatmuseum Laisa im Frankenberger Land hat Traute Winkler die Inspiration für den Nachbau eines „Rückers“ mit nach Schmillinghausen gebracht. Ein aus fünf Pferden bestehendes Gespann versinnbildlichte Geburt, Lebenslauf und Ende in der Gestalt der nordischen Göttin Freya, symbolisiert durch ein weißes Pferd, des Gottes Donar, dargestellt durch einen Bauern, der auf einem rötlichen Pferd sitzend, die Peitsche (als Donars Hammer beziehungsweise Blitz) schwingt. Das Schlusspferd stellt den Tod dar. Dieses symbolträchtige Gespann stellt Traute Winkler durch selbst aus Holzplatten gesägte Profilbilder in ihrem Museum in Kürze vor.

Die Museumsleiterin will aufmerksam machen auf die frühere enge Verbundenheit mit der Natur. „In früheren Generationen hing – vor allem im ländlichen Lebensraum -, die Existenz von der Natur ab: von Wetter, Wärme, Kälte, Licht und Dunkelheit, von Gesundheit und Fruchtbarkeit der Felder und Tiere und Fortbestand der Familien. Nach entbehrungsreichen Wintern sehnten die Menschen das Frühjahr herbei“, schreibt Traute Winkler. Ende des Winters – Erwachen der Natur, Tod und Auferstehung; um diese besondere Zeit im Jahr haben sich im religiösen wie im weltlichen Bereich Rituale und Bräuche entwickelt, deren Ursprung in den gänzlich anderen Lebensbedingungen lange vergangener Zeiten begründet ist.

Nach Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die durch die kirchliche vorgegebene Fastenordnung geregelt und einzuhalten war. In der Zeit solcher Einschränkungen gab es Bräuche, die Bewegung in die Gemeinschaft brachten. Das waren das Wintersaustreiben mit Feuern, das Sommereinholen mit Heische-Gängen und die Palmprozession. Der Gründonnerstag war Ablasstag und Tag der Naturalabgaben; es war auch der Tag, an dem es Brauch war, grüne Speisen zu bereiten. Von Karfreitag bis zur Auferstehung, wenn die Glocken schwiegen, wurde mit Rasseln zum Kirchgang gerufen. Es war die Zeit für das Verhängen der Altäre und der Heiliggrab-Besuche. Der Ostersonnabend bzw. Karsamstag galt der Festtagsvorbereitung.

Die Fasten- und Passionszeit wird im Museum in kurz gefasstem Text erklärt. Zum Thema „Osterfeiertage“ wird mit Exponaten, Schrift und Bild an eine Reihe fast vergessener, aber auch noch gepflegter Bräuche erinnert. Es sind Informationen zu finden zum Termin und zum Wort „Ostern“, zur symbolischen Bedeutung von Ei und Hase sowie zur Symbolik von Farben, Zeichen und Zahlen bei der Verzierung, dem „Schreiben“ von Ostereiern nach alter Tradition. Auch wird der Osterhase betrachtet, vor dessen Auftreten andere Tiere, das Ostermännchen, auch Engel oder Glocken die Eierbringer waren.

Im Mittelpunkt der Schausammlung stehen natürlich Ostereier aus vielen Ländern und Regionen und den Verziertechniken. Diese Eier waren vorgesehen für die kirchliche Weihe, nach der sie als Segensträger gut gehütet aufbewahrt wurden. Eine Veränderung der Eierverzierung zeigt sich in protestantischen Kreisen, wo es keine Eierweihe gibt.

Neben allem, was sich unmittelbar auf die österlichen Festtage bezieht, wird darauf hingewiesen, dass „Das Ei – nicht nur zur Osterzeit“ von Bedeutung war, und dass früher „Ostern als wichtiger Zeitbegriff“ galt. Früher fanden Kommunion und Konfirmation, Trauungen und Taufen an Ostern statt. In dieser Zeit begann die Schule und die Ausbildung, endete das Rechnungsjahr. Die Kinder trugen wieder kurze Hosen und nicht mehr die dicken Wintersocken. ´

Erfahrungen bringt Traute Winkler aus ihrer Zeit als hauptamtliche Leiterin des Regionalmuseums in Dinslaken von 1965 bis 1993 mit. Dabei hatte die Tochter des Chefrestaurators von Breslau als Autodidaktin begonnen. Mit dem Vater ist sie bereits in der Kindheit zu Ausgrabungen im Riesengebirge unterwegs gewesen. Im letzten Kriegswinter ist die damals 13-Jährige mit der Familie in den Westen geflohen.

Bei der Stadt Dortmund bewarb sich die junge Frau, die ursprünglich Medizin studieren wollte, nach der Schulzeit um eine Tätigkeit. Es kam dann alles ziemlich überraschend: Der Museumsleiter drückte ihr den Schlüssel für den Hochbunker in die Hand, in dem sie das Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie die Stadtgeschichte aus den Kriegstrümmern wieder aufbauen sollte. Ihr Vater, so erklärte der Museumschef damals, habe sich bereits für das Museum beworben. So sei sie in die Museumsarbeit hineingeschubst worden.

Traute Winkler bekam Kontakt zu Museen in Mainz und London, wo sie bald mit der Tätigkeit als Restauratorin befasst und ausgebildet wurde. Sie arbeitete das beschädigte Modell der Stadt Mainz auf. Dann bekam sie Lust darauf, auch in Dortmund aus Gips Modelle von Gebäuden für das Museum in Dortmund zu bauen.

Den Ruhestand vor Augen, entschloss sich die Museumsleiterin, mit den Eltern 1993 nach Schmillinghausen in das alte Bauernhaus zu ziehen. Der Vater starb vor dem Umzug, ihre Mutter lebte noch zehn Jahre in dem neuen Zuhause, in dem Traute Winkler Zug um Zug ein Brauchtumsmuseum aufbaute. Sie freut sich über das große Interesse der Besucher, die unter anderen vom örtlichen Gasthaus Teuteberg, über die Wandergruppen unter Leitung von Siegfried Wagner oder aus den Schön-Kliniken oder de,m Welcome-Hotel kommen. Offen ist sie auch für Kindergruppen, nach Absprache gestaltet sie auch Geburtstagsfeiern für Kinder, bei denen dann auch Themen des Museums aufgegriffen werden. Das Museum für Frühlings- und Osterbrauch lädt ein zum Besuch vom 21. März bis einschließlich Ostermontag, 6. April. Im Rahmen der Ausstellung, in der Woche vom 24. bis 29. März, werden wieder im kleinen Kreativkreis Ostereier, Osterschmuck und frühlingshaft Dekoratives gefertigt und Anregungen weitergegeben. Museum für Frühlings- und Osterbrauch, Schmillinghausen, Holzhäuser Straße 12. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 18 Uhr; Eintritt: Erwachsene 1,50 Euro, Kinder 50 Cent. (ah)

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