Probenarbeit für "Treue um Treue" auf vollen Touren

Fülle und Farbe im Festspiel

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Zum ersten Mal haben die Festspieler „Treue um Treue“ am Montagabend in einem Durchgang 
gespielt. Das Drama 
um den Streit zwischen Mengeringhausen und dem Raubritter Rabe von Canstein liefert den Schlüssel zum Verständ-
nis des Freischießens im kommenden Juli.

Wir schreiben das Jahr 1502. 
Die Stadt Mengeringhausen wird von dem Cansteiner Ritter bedrängt. Über allem schwebt als eine Art Übervater der 
Waldecker Graf Philipp II. Doch viel wichtiger ist der Zusammenhalt der Bürger, die Grundlage für das Festspiel „Treue um Treue“ – auch wenn der allzu menschliche Zweifel und die Angst vor der Vernich-
tung durch den räuberischen Gegenspieler auf dem Schloss Canstein die Mengeringhäuser zunächst lähmt.

Mit List und Tücke ist es dem Raben gelungen, nach Mengeringhausen vorzudringen, die Fachwerkstadt in Brand zu stecken sowie den Bürgermeister Hildebrand und dessen Tochter Gertrud zu entführen und ins Cansteiner Verlies zu werfen. Dem Hildebrand droht der Tod durch das Schwert – es sei denn, die Mengering-
häuser lassen sich im Austausch ihr Städtchen abpressen. Doch der Rabe macht die Rechnung ohne die Liebe und den Mut der Ehefrau, Hildebrands Lisbeth, die die militärische Intervention des Grafen Philipp überhaupt erst in Gang bringt. Die Mengeringhäuser Ratsherren erwiesen sich zuvor als Zauderer und wollten gar die Bürgermeistersgattin nicht durch Nacht und Nebel nach Landau zur Residenz des Wal-decker Grafen ziehen lassen. Es kommt, wie es seit der 
Uraufführung des Heimatstücks 1902 bei jedem Freischießen 
gezeigt wird: Der Rabe wird von dem Grafen bezwungen und 
erdolcht sich selbst im Verlies, ehe er sich von den Waldeckern einkerkern und dann hinrichten lässt. Der Waldecker Reichstagsabgeordnete Dr. Friedrich Böttcher hat für seine Heimatstadt das Festspiel geschrieben, in dem sich Historie und Fik-
tion mischen, die Kernaussage „Treue um Treue“ auch den 
heutigen Menschen einen Orientierungspunkt bietet. Wie würde man selbst handeln, wenn ein verehrter oder geliebter Mensch in Todesgefahr schweben, die Heimatstadt von der Zerstörung bedroht würde? Regisseure Benno Hess und Susanne Wirtz haben das Stück einer abermaligen Bearbeitung unterzogen, sprachlich wie dramaturgisch. Selten gebrauchte und daher kaum mehr bekannte Wörter werden ebenso ersetzt wie die nationale Attitüde jener wilhelminischen Entstehungszeit dem zeitgemäßeren spannenden Spiel weicht. Vor eineinhalb Jahren wurden die ersten Vorbereitungen getroffen. So wurden an der Mitwirkung im Festspiel interessierte Bürger eingeladen und Rollen vergeben. Wer träumt in der Fachwerkstadt nicht davon, einmal die tapfere Lisbeth, den Bürgermeister, den Grafen, den Hans von Twiste oder den finsteren Raubritter zu spielen? Oder aber die Heumädchen, deren heiteres Spiel auf Kloster Leiborn jäh durch einen mörderischen Überfall beendet wird? Einige Festspieler haben schon mehrere Figuren verkörpert: 
Rüdiger Reis etwa wirkt nunmehr das zehnte Mal im Festspiel mit. Zuerst als Junge, später als Bürgermeister und bei diesem Freischießen als Pfarrer. Reis gehört übrigens zu dem Festspielerkreis, der in diesem Jahr die Amtskette für den Bürgermeister gestiftet hat, die hinfort von Darsteller zu Darsteller weitergereicht wird. Nicht zuletzt stellen die Bearbeitung des Stücks und die Spielleitung eine reizvolle Herausforderung dar. Hess erweist sich als ebenso konsequenter wie einfühlsamer Regisseur, der in den Pausen korrigierend eingreift und dabei die Akteure 
zu motivieren versteht; schließlich sind alle Beteiligten in Beruf oder Schule täglich gefordert. Das Festspiel erfordert neben Lernfleiß auch darstellerisches Können und Durchstehvermögen. Die Spielzeit nach dem Originaltextbuch von drei Stunden wurde reduziert, doch mit eineinhalb bis zwei Stunden reiner Aufführungsdauer sind die Festspieler immer noch gefordert, um das Publikum im Bann zu halten. 150 Akteure sind am Gelingen des Festspiels beteiligt: Neben den 80 Darstellern, die die Aufführungen in doppelter Besetzung der Rollen auf die Bühne bringen, sind die Bühnenbauer, die Maskenbildnerinnen sowie die Kinder und Mitglieder der historischen Schützengruppen gefragt, die dem Geschehen auf der Bühne Fülle 
und Farbe verleihen. Hinter den Kulissen ist stets viel zu tun, so müssen zwischen den Szenen Bühnenbilder neu arrangiert werden. Die Bühnentechniker würden sich über weitere Unterstützung freuen. Interessierte können sich bei dem Regie-Team oder bei den Proben in der Stadthalle ab 19 Uhr melden. Heute ist die zweite Durchlaufprobe mit einer anderen Besetzung an der Reihe.Vier weitere Durchlaufproben sind am 19., 22., 26. und 30. Mai geplant. Die erste Hauptprobe mit Einmarsch ist am 2. Juni. Die beiden Premieren sind für den 15. und 27. Juni angesetzt, der Freischießenstermin 
ist am 19. Juli um 14.30 Uhr.

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