Lebensmittel nicht wegwerfen

Gastwirt am Twistesee nutzt App als Alternative zur Mülltonne 

Zu schade zum Wegwerfen, sagen sich Ralf und Anette Ulrich, Inhaber des Restaurants „Kiek In“ in Wetterburg. Über die App mit dem Titel „Too good to go“ bieten sie zum Sonderpreis Essen und Zutaten an, die im Laufe des Tages nicht verkauft wurden. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen – „Zu schade zum Wegwerfen“, unter diesem Motto liefert eine App Gastronomen, Bäckern und anderen Anbietern von Lebensmitteln eine Alternative zur Mülltonne. Im Kreisgebiet nutzt sie nur der Gastwirt Ralf Ullrich in Wetterburg.

„Es tut mir in der Seele weh, wenn ich Essen wegwerfen muss“, sagt Ullrich, der am Twistesee-Golfplatz das Restaurant „Kiek In“ betreibt. Daher hat er die Anregung einer Besucherin aufgegriffen und sich im vorigen September bei den Betreibern der App „Too good to go“ in Berlin angemeldet.

Das bietet die  App

Das Essen, das bis zum Ende eines Tages nicht verkauft wurde, wird innerhalb eines bestimmten Zeitraums zum Preis von maximal 3,50 Euro über die App zum Abholen angeboten.

Die Resonanz ist nicht so groß: Ein paarmal im Monat melden sich App-Teilnehmer, so Ullrich, häufig Gäste unter 30 Jahren. Die digitale Vermittlung von Lebensmitteln sei in der Region nicht so bekannt.

Das zahlt der Anbieter

Der Wert eines über die App angebotenen Essens muss mindestens sieben Euro betragen. Der Gastronom zahlt pro Lieferung einen Euro an die App-Betreiber, die auch einen Service für die Nutzer bei der Einrichtung des digitalen Angebotes oder Fragen anbieten.

In der Hauptsaison des auf Speisen mit regionalen Zutaten spezialisierten Lokals am Twistesee, zwischen April und Oktober, landen alle zwei Wochen 80 Liter übrig gebliebene Lebensmittel von den Tellern der Gäste oder aus der Küche in einer Tonne und werden dann gegen eine Gebühr vom Entsorgungsunternehmen Stratmann abgeholt. Gerade die fleischhaltigen Speisen und Zutaten dürfen nicht mehr im Schweineeimer landen, wie es früher üblich war.

Das ist auch ein Vorteil

„Wer sich täglich beruflich mit Lebensmitteln befasst, der beschäftigt sich auch mit der Frage, wie er die im Abfall landende Menge verringern kann“, sagte Ullrich. Die App biete ihm für diesen Zweck eine Möglichkeit. Er könne sich aber auch vorstellen, Lebensmittel an die Tafel abzugeben.

Gewinnen könnten mehrere Seiten: Diejenigen, die günstig an ein Essen kommen, und die Gastwirte, die die Bekanntheit ihres Lokals steigern und Geld für die Beseitigung des Abfalls sparen können. 

Lösung für Backwaren

Die App will Michael Bienhaus, Bäckermeister in Battenberg und Innungsobermeister für 26 Betriebe in Waldeck-Frankenberg, bei nächster Gelegenheit mit den Kollegen erörtern. Derzeit bietet er Brötchen, Brote und Teilchen im heimischen „Vortagslädchen“ ermäßigt an. Was dann noch übrig bleibe, nehme sein Bruder gerne an und verfüttere dieser an das Vieh: „Dafür bekomme ich dann auch mal eine rote Wurst“, schildert Bienhaus die unkomplizierte Lösung. 

Fünf bis sieben Prozent der Backwaren täglich würden nicht verkauft, berichtet Bienhaus aus eigener Erfahrung. Da Brote, Brötchen oder Kuchen kein Fleisch enthielten, dürfe er sie direkt zum Verfüttern im Viehstall anbieten, erklärte er. 

Interessant für Tafeln

Doch würden Backwaren gerne auch von den Tafeln angenommen, berichtet er aus dem Landkreis. So werde die Menge der im Müll landenden Lebensmittel ebenfalls auf sinnvolle Weise reduziert. 

Beim Hotel- und Gaststättenverband Waldeck-Frankenberg ist die App „To good to go“ („Zum Wegwerfen zu schade“) noch unbekannt, wie stellvertretender Kreisvorsitzender Ulrich Stürmer aus Mengeringhausen berichtet. Das Angebot könne aber demnächst auf Verbandsebene diskutiert werden. 

Bewusstsein wandelt sich

Die Menge des Essens, das bei ihm im Hotel-Restaurant „Luisenmühle“ in der Tonne lande, sei verschwindend gering. So bleibe bei den À la carte-Essen nicht so häufig etwas übrig wie etwa bei Buffets. Zudem reife das Bewusstsein bei den Gästen, möglichst keine Speisereste zurückgehen zu lassen. 

Das Menü-Angebot sei den Gästen angepasst, für ältere Besucher geben es entsprechend kleinere Mahlzeiten. Wenn jemand nicht die ganze Portion schaffe, biete das Personal auch an, den Rest vom Teller einzupacken und dem Gast mit nach Hause zu geben. Dieses Angebot werde auch angenommen.

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