Harmonische Abiturfeier der Christian-Rauch-Schule

Generation des Umbaus geht

Schicke Kleider, zufriedene Gesichter: 136 CRS-Schüler haben am Wochenende in Mengeringhausen ihre Abiturzeugnisse erhalten. Fotos: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Einen Abitur-Jahrgang der Superlative hat die Christian-Rauch-Schule am Wochenende verabschiedet: Nie wurden so viele Schüler auf einen Schlag verabschiedet, nämlich 136, nie gab es so viele Einser-Kandidaten, nämlich 41, nie war Durchschnittsnote besser als 2,2. Und schließlich noch dies: Nie zuvor gab es einen Doppeljahrgang.

Der übergroße Doppeljahrgang ist der von der Landesregierung verordneten Umstellung auf das Abitur nach acht Gymnasialjahren geschuldet.

Es hat Schüler und Lehrer Jahre der Anstrengung gekostet, die Änderungen im Schulalltag und im Lehrplan umzusetzen. So mancher Schüler, der auf der Kippe stand, musste wegen der Veränderungen in den nachfolgenden Jahrgängen die Schule verlassen.

Von insgesamt 250 Schülern in beiden Jahrgängen schafften am Ende nur 136 das angestrebte Bildungsziel Abitur im ersten Anlauf. - Für die Betroffenen oft sehr schmerzhaft. Und nun, da der Wechsel vollzogen ist, kommt von der Landesregierung - unter dem Druck der Eltern - das Kommando: Alles zurück zum G9.

Vier Jahre Altersunterschied

Doch die, die es geschafft haben, haderten am Sonnabend nicht mit ihrem Schicksal. In ihrer Abschlussrede schwärmten Louisa Albers und Paul Walprecht, wie gut sich die beiden Jahrgänge am Ende vermischt hätten und zu einer verschworenen Einheit zusammengewachsen seien. Immerhin liegen zwischen der jüngsten Abiturientin, Mara Meckelburg (16) und dem ältesten Abschlussschüler vier Jahre.

Die Größe des Jahrgangs habe auch so „exotische Angebote“ wie einen Leistungskurs Musik zugelassen.

Die Schüler stellte auch fest, dass sie gemeinsam mit Schulleiterin Cornelie Seedig den kompletten Umbau der Schule von Anfang bis Ende miterlebt hätten: „Mit Frau Seedig wurde es laut. - Wir sind die Generation des Umbaus.“ Irgendwie habe man es aber doch geschafft, anspruchsvolle Klausuren unter dem Eindruck von Presslufthämmern zu schreiben.

Lehrer als Vorbilder

Am Ende einer zwölf- beziehungsweise 13-jährigen Schulzeit könnten die Schüler feststellen: „Es war schön. Trotzdem müsse man jetzt sagen: Es reicht!“

Musiklehrer Steffen Hause zitierte ins einer Abschiedsrede die viel beachtete Pädagogik-Studie von John Hattie: Entscheidend bei der Schulbildung sei die Vorbildfunktion und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dazu passend stimmte das Schulorchester die Filmmusik zu dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ an.

Im Namen der vier Nordwaldecker Bürgermeister gratulierte der Bad Arolser Rathauschef Jürgen van der Horst den frisch gebackenen Abiturienten, die sich am Ende ihrer Schulzeit zu „vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft entwickelt“ hätten. Aus Elternsicht hätten sich die meisten Sprösslinge besser entwickelt, als es nach ihrem Auftritt im heimischen Umfeld zu erwarten gewesen wäre. Das sei ganz offensichtlich ein Verdienst der Bildungseinrichtung.

Van der Horst wünscht den Abiturienten, dass sie ihren Weg konsequent konsequent weitergehen und ihr Glück finden mögen. Sein persönlicher Wunsch sei es, dass der eine oder die andere ihre Chancen in der Region suche und finde und nicht alle in die Metropole abwandern.

„Wenn sie noch nicht so richtig wissen, was sie studieren sollen, studieren sie doch einfach Theologie“, warb Dekanin Eva Brinke-Kriebel und stellte fest, dass die Abiturienten Hoffnungsträger für sich und ihre Familien seien.

Im Namen des Schulelternbeirats stellte Marianne Blume fest, dass der Doppeljahrgang allen Startschwierigkeiten erstaunlich gut zusammengewachsen sei. Nun aber drehe sich die Welt nicht mehr im 45- oder 90-Minuten-Takt. Alle seien aufgefordert, die Zukunft möglichst gut zu gestalten.

Die Grüße des Fördervereins der Schule überbrachte Heidi Preis. Im Namen des Ehemaligenvereins zeichnete Professor Karl-Heinz Bartsch die Jahrgangsbesten Louisa Albers, Julia Breda und Paul Walprecht sowie Ehrenpreise in den Bereichen Mathematik, Physik, Chemie und Geschichte mit Ehrenpreisen aus. Ausgezeichnet wurden zudem diejenigen Schüler, die sich in den Bereichen Musik und Theater besonders hervorgetan haben. Gleichzeitig warb Prof. Bartsch dafür, der Christian-Rauch-Schule mit einer Mitgliedschaft im Ehemaligenverein die Treue zu halten.

Im Anschluss an die Abiturfeier trafen sich zudem die Jubiläumsjahrgänge, die in diesem Jahr auf 25, 40 und 50 Jahre Abitur zurückblicken können. Die ältesten Ehemaligen bei der Wiedersehensfeier haben 1948 ihre Abiturprüfung abgelegt.

Schließlich überbrachte Franz-Peter Kaiser die mit Geldpreisen unterlegten Abiturpreise des Rotary-Clubs: Ausgezeichnet wurde die Jahrgangsbeste Louisa Albers für ihr Engagement in den Musikensembles der Schule, bei Nachhilfe für schwächere Schüler und ihre Mitarbeit beim Internationalen Jugendmusikfestival. Den Sportpreis des Rotary-Clubs und der Firma Kettschau erhielten Anna Michel, Caroline Bangel und Caroline Obermeier.

Das Imperium schläft zurück

In ihrem Schlusswort griff Schulleiterin Cornelie Seedig noch einmal das aus den Star-Wars-Filmen entlehnte Abi-Motto „Das war‘s - Die doppelte Bedrohung“ auf und stellte fest: „Für uns Lehrer war der Umstieg von G9 auf G8 keine doppelte Bedrohung, sondern eher eine pädagogische Herausforderungen. Die Errungenschaften der Umstellung werden nun auch nach der Rückkehr zu G9 den neuen Schülern zugute kommen.“

Ebenfalls angelehnt an die Star-Wars-Filme appellierte der Oberstufen-Koordinator Hans-Joachim Orawetz an Abiturienten, ihre entliehenen Bücher an die Schule zurückzugeben. Erst dann gebe es statt der Zeugniskopien die Originalausfertigungen. Orawetz schmunzelnd: „Das Imperium schlägt zurück.“

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