Kostümiere aus dem Bundesgebiet feiern im Steinernen Saal des Schlosses

Geschichte live im Barockgewand

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Bad Arolsen - An eine der Filmproduktionen am Schloss fühlten sich Passanten bei dem Barockfest erinnert , bei dem 101 Männer und Frauen aus dem Bundesgebiet das 18. Jahrhundert aufleben ließen.

Wie aus der Zeit gefallen wirkten die Männer und Frauen, die ein Privatveranstalter aus Hannover zu einem glanzvollen Ball im Steinernen Saal einlud. Die Damen in weit ausladenden Kleidern, mit kunstvoll gestalteten Frisuren, üppig bestückten Hüten, Sonnenschirmchen und Fächern, hinter denen sich Frau schon mal neckisch verstecken konnte. Dazu elegante Schuhe -alles maßgeschneidert. "Von der Stange gibt es solche Kleidung nicht", bekräftigte ein Teilnehmer.

Die Männer erscheinen in den dreiviertellangen Beinkleidern, mit hochtoupierten Frisuren und jener Bleiche in den Gesichtern, die die mehr oder weniger bedeutenden Herren von den gewöhnlichen Menschen mit "bäuerlichem" Teint unterscheiden sollte. Gehstöcke mit Metallknauf, Brillen, wie sie auf alten Ölgemälden zu sehen sind, wenn sie denn abgebildet worden sind.

Doch allein ein Kostümfest, bei dem Männer und Frauen nur ihre Garderobe vorführen, sollte die Barock-Fete nicht werden. Neben dem Verlangen nach möglichst hoher Authentizität der Bekleidung geht es den Barock-Freunden auch um möglichst detailgetreu nachgestellte höfische Ereignisse, aber auch von Schlachten des 18. Jahrhunderts. Einige Besucher kennen die Region schon länger. Sie hatten an der Darstellung von Gefechten während des Siebenjährigen Krieges bei Warburg teilgenommen.

Geschichte "live"

Weitere Originalschauplätze werden ebenfalls besonders von den Herren der Schöpfung im Kriegsdress aufgesucht. Dabei treffen sich die Geschichtsfreunde nicht nur in Deutschland, sondern auch im heute tschechischen Böhmen. Probleme gibt es für die Darstellung martialischer Episoden der Zeitgeschichte dort nicht: "Im Gegenteil, wir müssen da nicht so viele Auflagen berücksichtigen." Gleichwohl hat keiner ein Interesse, das kriegerische Nachspiel mit Schwarzpulver in Flinten und Kanonen allzu echt nachzustellen: Schließlich möchte man sich noch ein zweites Mal im Leben wiedersehen und auch fröhliche Feste wie am Samstag im Residenzschloss Arolsen feiern.

Dafür müssen Frauen schon mal zwei Stunden in die Maske gehen. Mit der Hilfe einer im Schminken und Frisieren erprobten weiteren Person geht es wohl etwas schneller. Gilt es doch, auch Spitzentücher ins Haar zu stecken oder bei Bedarf Haarteile einzuarbeiten. Letzteres gilt allerdings mehr für die Männer, die eher als die Frauen am Ausfall der natürlichen Kopfbedeckung leiden können.

Pomp und Finesse

Zum Auftakt des Treffens wurde durch einen Zeremonienmeister ein von Bläsern des Fanfarenzuges Mengeringhausen mitgestalteter großer Empfang an der großen Treppe des Barockschlosses ausgerichtet, bei dem auch die "bürgerlich" gekleideten Passanten vor und auf dem Schlosshof den Pomp, aber auch die Finesse von Kleidung und Frisuren bestaunen konnten. So pomadig, wie manche Gesichter und Zöpfe aussahen, wurde zuweilen auch gesprochen. Freilich mit einem Augenzwinkern. Eleganz und Etikette vereinten sich aufs Vortrefflichste bei den Begrüßungen der Männer und Frauen, die sich bei mancher höfischen Veranstaltung bereits kennenlernten, und für solche Ereignisse klingende Namen mit Adelstitel angenommen haben. Hofknicks, Handkuss und ehrerbietiger Diener verstehen sich da von selbst.

Seinen großen Auftritt hatte der Darsteller des "Alten Fritz". Im Jubiläumsjahr muss natürlich auch an König Friedrich II. von Preußen (1712 - 1786) erinnert werden, und so ließ man ihn mit einer großen Kutsche vorfahren und die Honneurs der anwesenden Adeligen entgegennehmen.

Mit einem prächtigen Feuerwerk kurz vor Mitternacht war im Steinernen Saal noch längst nicht das Ende der vom Wel­come-Hotel bestens ausgerichteten Ballnacht eingeläutet. Bis in die frühen Morgenstunden wurde noch getanzt.

Ein "Wiederhören" mit Friedrich II. gibt es übrigens bei den Arolser Barock-Festspielen am Samstag, 9. Juni: Bei einer Themenführung im Rauchmuseum wird Dr. Eberhard Enß Ausschnitte aus Kompositionen des kunstsinnigen Preußenkönigs zu Gehör bringen. (ah)

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