Zur Gesundheit Nordhessen Holding gehört auch Krankenhaus in Bad Arolsen

Wegen schlechter Bilanz? Rückzahlung an die Mitarbeiter ist in Gefahr

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Symbolbild Operation.

Nach dem Aus für Karsten Honsel als Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen Holding AG (GNH) gibt es nun eine weitere Nachricht vom Möncheberg, die aufhorchen lässt.

Nach Informationen unserer Zeitung ist nicht zu erwarten, dass die Beschäftigten in diesem Jahr Geld zurückerhalten, das 2018 im Rahmen des Zukunftssicherungstarifvertrages als Gehaltsverzicht vorsorglich einbehalten worden war.

2018 wurde noch Geld ausgezahlt – wie jedes Jahr seit der Erstauflage im Jahr 2007. Weil die GNH auch 2017 schwarze Zahlen schrieb, wurden insgesamt 5,5 Millionen von den zuvor einbehaltenen 5,9 Millionen Euro wieder an die Mitarbeiter zurückgegeben. Damit ist in diesem Jahr nicht zu rechnen. 2018 wurde die positive Nachricht schon im März verkündet, diesmal ist diesbezüglich nichts zu hören. Aufsichtsratsvorsitzender und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle hatte jüngst erklärt, dass die Bilanz wohl erst im Juni vorgestellt würde, wenn die Ergebnisse des Wirtschaftsprüfers vorlägen. Ein Insider sagt aber: „Es ist kein Geheimnis, dass die Zahlen nicht so sind wie in den vergangenen Jahren.“

Die Entwicklung könnte schließlich auch mit ein Grund dafür sein, warum Karsten Honsel seinen Platz hat räumen müssen. Sein Aus wurde während einer Sondersitzung des Aufsichtsrats am vergangenen Donnerstag besiegelt, die im Rathaus stattgefunden hat. Offiziell scheidet Honsel zum 31. Mai aus; er ist aber bereits nicht mehr im Dienst. Ein externes Unternehmen soll nun einen Nachfolger suchen.

Allerdings liegen die Probleme der GNH wohl tiefer. Schon in der Bilanz von 2017 wurde deutlich, dass die zur Holding gehörenden Kreiskliniken in Hofgeismar und Wolfhagen Verluste machen, während das Klinikum Kassel als Flaggschiff einen Gewinn erwirtschaftete. Nun soll es unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung gegeben haben.

Knackpunkt sind die Kreiskliniken

Das Aus für den Vorstandsvorsitzenden Karsten Honsel am vergangenen Donnerstag kam für viele Außenstehende überraschend. Zu den Gründen gibt es seitdem offiziell keine Stellungnahmen, es ist von einem gegenseitigen Einvernehmen die Rede und Stillschweigen vereinbart worden. So bewegt sich vieles im Bereich der Spekulation, zumal ein Insider sagt: „Es gibt nicht den einen Grund, und es gab nicht die eine große Verfehlung.“ 

Mehrere Aspekte scheinen eine Rolle zu spielen. Da ist zum einen die zu erwartende Bilanz für das abgelaufene Jahr. Nach neun Jahren in Folge mit einem positiven Ergebnis deutet viel darauf hin, dass die Zahlen für 2018 nicht mehr so rosig ausfallen. Das wiederum lenkt die Aufmerksamkeit auf jene Kliniken, die schon in den vergangenen Jahren das Problem in der Holding waren. 

Die Krankenhäuser in Hofgeismar und Wolfhagen hatten bereits 2017 ihren Verlust im Vergleich zum Jahr zuvor verdoppelt – auf 2,4 Millionen Euro. Der Trend soll sich bestätigt haben, weswegen die Zukunft der Kreiskliniken längst zum Politikum geworden ist. Die Stadt Kassel ist mit 92,5 Prozent, der Landkreis Kassel mit 7,5 Prozent an der GNH beteiligt, deren Aufsichtsratsvorsitzender Christian Geselle gleichzeitig Kassels Oberbürgermeister ist. In dem Gremium sitzt mit Uwe Schmidt auch der Landrat. Beide sollen die Ablösung Karsten Honsels während der Sondersitzung am vergangenen Donnerstag im Rathaus mitgetragen haben. 

Überhaupt soll über die Personalie weitestgehend Einigkeit geherrscht haben. Hintergrund sind angeblich auch unterschiedliche Auffassungen, wie es mit den Kreiskliniken nun weitergeht. Knackpunkt soll dabei der Standort Hofgeismar sein, wo ein Neubau für 37 Millionen Euro geplant ist. Im Februar hieß es, dieser Neubau könnte noch in diesem Jahr beginnen, die Detailplanungen müssten aber noch im Sommer vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Dabei ist das Projekt auf einem neuen, teuren Grundstück nicht unumstritten. 

Die Politik will es aber – so hat es Geselle jüngst auch bestätigt – umsetzen, was wiederum eine Einschränkung des Angebots in Wolfhagen und generell die Einführung neuer Strukturen nach sich ziehen könnte. Offenbar sah die Mehrheit des Aufsichtsrates dafür in Honsel den falschen Mann. Er bewegte sich letztlich auf einem verminten Feld, wie es eine Krankenhausexpertin ausdrückt. 

Die Politik verfolgt eigene Interessen, wobei die von Stadt und Kreis mitunter auch nicht immer deckungsgleich sind. Da geht es um die Wirtschaftlichkeit, um eine möglichst flächendeckende Daseinsvorsorge und eine gewisse Balance zwischen beidem. Nach Honsels Aus führt nun erst einmal wieder Personalvorstand Birgit Dilchert allein die Geschäfte, während ein Nachfolger für Karsten Honsel gesucht wird. 

Einer, der sich am Möncheberg auskennt, bezweifelt aber, dass es mit einem Neuen getan ist. „Es braucht auch neue Strukturen.“ Und: „Wir müssen aufpassen, dass das Image nicht leidet.“ Schließlich ist der Markt umkämpft.

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