Fragiles Familiengefüge zerbricht auf offener Bühne

Diese jungen Darsteller können überzeugen

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Ausnahmeprojekt der Freilichtbühne Twiste im: „Die Glasmenagerie“ ist noch zweimal im Christian-Daniel-Rauch-Museum Bad Arolsen zu erleben. Von links: Nils van der Horst, Nadine Büsching und Vanessa Stallmann und Christian Berlitz.   

Bad Arolsen. Es gibt Stücke, die einfach nicht altern. Dazu zählt auch „Die Glasmenagerie“ des US-amerikanischen Dramatikers Tennessee Williams, das derzeit im Rauch-Museum zu erleben ist.

Von einem kleinen ambitionierten Team der Freilichtbühne Twiste aufgeführt, können weder Musik noch Kleidung der Vierzigerjahre der Gesellschaftsstudie etwas von ihrer Zeitlosigkeit nehmen.

Um die Sehnsüchte junger Menschen, um Träume und deren lapidares Zerplatzen hat der Autor sein 1944 in Chicago uraufgeführtes Stück angelegt.

Die Inszenierung von Erich Müller konzentriert sich denn auch ausnahmslos auf die vier Darsteller, die einen beeindruckenden Kraftakt abliefern, um die Seelenqualen ihrer Figuren sichtbar zu machen.

Als Erzähler fungiert der junge Poet Tom Wingfield (Nils van der Horst), ein „angry young man“, der in einem Lagerhaus schuftet, um den Lebensunterhalt für die kleine Familie zu bestreiten. Seine Familie, das sind Toms Schwester Laura (Vanessa Stallmann), die wegen ihrer Gehbehinderung gehemmt ist und in ihrer eigenen Welt lebt, und ihre Mutter Amanda (Nadine Büsching).

Die hängt vor allem in der Vergangenheit nach und schnürt ihren Kindern mit ihrer permanenten Einmischung die Luft ab. „Mädchen, die für eine berufliche Karriere nicht gemacht sind, enden meist damit, dass sie einen netten jungen Mann finden“, weiß Amanda Wingfield.

Auf ihr Drängen lädt Tom seinen Kollegen Jim O´Connor (Christian Berlitz) zum Essen ein, um mit ihm den vermeintlich heiß ersehnten Verehrer für Laura heranzuschaffen. Der verheißungsvolle Abend bringt das fragile Familiengefüge jedoch endgültig ins Wanken und lässt es am Ende zerbrechen.

Das Konzept Theater im Museum geht auf: bei der Premiere mussten noch Stühle herbeigeschafft werden, um alle Besucher unterzubringen.

Auch die Umsetzung, eine Geschichte über junge Menschen von jungen Darstellern erzählen zu lassen, hat dem Stück nur gutgetan.

Dass das vierköpfige Ensemble zuvor bereits gemeinsam auf der Bühne gestanden hat und dass der Wunsch, die „Glasmenagerie“ aufzuführen, von den Darstellern selbst ausging, ist ebenfalls zu spüren.

Das Ergebnis ist tief bewegend und neunzig Minuten ohne Unterbrechung einfach phänomenal gespielt.

Theaterberieselung zur Entspannung sieht anders aus. Wer einen anregenden, anspruchsvollen Abend verbringen möchte, dem sei der Besuch der „Glasmenagerie“ ans Herz gelegt.

Weitere Aufführungstermine: am Freitag, 2. März, und als Zusatztermin am Sonntag, 4. März, um 19.30 Uhr im Christian-Daniel-Rauch-Museum. Der Eintritt beträgt acht Euro, ermäßigt sechs Euro.

(Von Sandra Simshäuser)

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