Dechant Bernd Conze wechselt von Bad Arolsen nach Korbach

Große Herausforderungen warten

Bad Arolsen/Korbach - Die Sache ist etwas kompliziert: Kirchenrechtlich ist er schon seit Anfang Dezember dort. Seinen regelmäßigen Dienst beginnt er am 1. Februar in Korbach, die Möbel folgen wahrscheinlich erst um Ostern.

Nach 18 Jahren in der Pfarre St. Johannes Baptist Bad Arolsen wechselt der katholische Pfarrer Bernd Conze am 1. Februar nach St. Marien in Korbach.

„Nein, mich treibt hier nichts weg. Ich kann mir keine bessere Pfarrstelle als Bad Arolsen denken“, hat der 54-Jährige schon viele Dutzende Male auf die Fragen geantwortet, warum er die Barockstadt verlassen wolle.

Doch seine Überlegungen sind nachvollziehbar: Als Pfarrer wird er noch mindestens 16 Jahre am Altar stehen. „Wenn ich jetzt nicht wechsele, dann wäre ich mit 70 Jahren 35 Jahre an einem Ort. Das wäre wahrscheinlich weder für mich noch für die Gemeinde gut. Deswegen war es an der Zeit für mich, noch einmal eine neue Gemeinde kennenzulernen. Und der sportlich fitte Mittfünfziger ergänzt: „Ich habe auch noch Ideen und möchte etwas bewegen.“

Wenn er jetzt in Bad Arolsen bleibe, sei die Versuchung zu groß, nur noch zu verwalten. Das sei ihm, der doch einen höheren Anspruch an sich und an seinen kirchlichen Auftrag hat, doch viel zu wenig.

Seinen Nachfolger, Pfarrer Peter Heuel, der am 8. Februar feierlich in sein Amt eingeführt wird, kennt Pfarrer Conze schon seit dem ersten Tag seines Theologiestudiums, das beide 1980 begannen. Gemeinsam wurden sie auch 1988 im Hohen Dom zu Paderborn zu Priestern geweiht. Der Dritte im Bunde aus jener Zeit ist übrigens Pfarrer Jürgen Westhof aus Bad Wildungen. Es ist schon erstaunlich, dass sich die drei Theologiestudenten von einst nun im Dekanat Waldeck wiederfinden, wo Pfarrer Conze seit zwei Jahren das Amt des Dechanten wahrnimmt.

Pastoralkonzept als Aufgabe

Heuel dürfe sich in Bad Arolsen auf eine sehr lebendige Gemeinde mit rund 3900 Gläubigen in Nordwaldeck freuen, schwärmt Conze: Ich bin sehr dankbar, dass hier so viele Menschen bereit sind, ihre Begabungen einzubringen und in einem hohen Maß Verantwortung zu übernehmen, und das nicht als Einzelkämpfer, sondern in der Gruppe.“

Die Kirchengemeinde Korbach mit ihren 6400 katholischen Gläubigen sieht Conze vor einer großen Aufgabe. Im März/April beginne der zweijährige Prozess, der den Pastoralverbund Korbach mit den Kirchengemeinden Eppe, Hillershausen und Willingen in einen neuen pastoralen Raum überführen werde. Damit verbunden sei die Entwicklung eines zukunftsfähigen Pastoralkonzeptes. Conze: „Das wird ein dickes Papier mit 80, 100 Seiten. Da wird drinstehen, was wir wollen und was wir lassen. - Wir müssen uns komplett neu sortieren.“ Dazu gebe es auch fachliche Begleitung aus Paderborn.

Hintergrund sind die zurückgehenden Mitgliederzahlen in den Gemeinden und die fehlenden Nachwuchspriester. So werden zunehmend auch die Laien in die Pflicht genommen.

Dabei werde nicht mehr gefragt: Wir brauchen noch jemanden für diese oder jene Aufgabe. Wer kann das übernehmen?

Vielmehr lauteten die Fragen künftig: Wo habe ich meine Begabung? Was bereitet mir Freude? Was kann ich einbringen, damit die Gemeinde lebendiger wird? - Das Mitwirken in der Gemeinde habe schließlich auch eine Menge mit Berufung zu tun.

In der Korbacher Pfarre St. Marien haben Conze und sein Vikar acht Kirchengemeinden seelsorgerisch zu betreuen. Ganz klar, dass nicht an jedem Sonntag in jeder Kirche eine heilige Messe gefeiert werden kann. Die Anzahl der Sonntagsmessen musste von acht auf sechs zusammengestrichen werden. In Sachsenberg und Adorf wird nur noch im 14-täglichen Wechsel Gottesdienst gefeiert. In Eppe hilft der emeritierte Pfarrer Anton Althaus als Subsidiär aus.

Die Katholiken im Waldecker Land leben in der Diaspora. Ökumene ist daher für Dechant Conze seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit: „Ich empfinde das geschwisterliche Miteinander als eine Bereicherung.“ Vor allem schätze er bei den evangelischen Kollegen die besondere Wertschätzung des Wortes Gottes.

In seinen Predigten macht Conze nicht viele Worte. Er setzt vielmehr jedes Wort mit Bedacht und Tiefgang. Typisch für ihn sind seine gezielt eingesetzten Pausen nach der Predigt. Hier soll Gelegenheit zum Innehalten und Nachdenken gegeben werden.

Auch bei allen liturgischen Handlungen achtet er auf die würdevolle Wirkung jeder Bewegung, jedes Schrittes, jeder Pause. „Ein Pfarrer muss präsent sein“, stellt er dazu fest.

Dechant Conze wird bei einem feierlichen Hochamt am Sonntag, 1. Februar, um 10.30 Uhr aus Bad Arolsen verabschiedet. Die offizielle Amtseinführung in Korbach findet am 22 Februar statt.

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