Einblick in das Leben vor über 200 Jahren 

Zeitreise bei großer Extra- Tour durchs Bad Arolser Schloss

Epitaphe in Sandstein und gusseiserne Ofenplatten erläu tert Sina Degenhardt (rechts). Foto: ARMIN HASS

 Bad Arolsen – Im 300. Jahr der Stadtgründung von Arolsen wird die Grande Tour als Sonderthema der Schlossführungen angeboten. Die so benannten Bildungsreisen waren eine Pflicht für die Söhne des Adels und sollten auch Anregungen für die Gestaltung des kulturellen Lebens am Hofe geben.

 Die Schlosskapelle wird im Gegensatz zu den üblichen Führungen auch zu sehen sein. Die Räumlichkeiten werden für private Zwecke genutzt oder für Hochzeiten vermietet. Daher muss die ab Ende April angebotene Sonderführung auch vorher vereinbart werden.

Das gibt es sonst nicht zu sehen

Bei einer Generalprobe konnten bereits die ersten Besucher die zusätzlichen Schwerpunkte der besonderen Führung erleben - sozusagen als Überraschung. Nach einer kurzen Einführung im Schloss geht es auf den Hof, wo die Schlossführerinnen bei den Erklärungen zur barocken Architektur auch Einheimischen manches Interessantes mitteilen können.

Wer weiß schon, dass das Schloss erst seit 1970, also nach der 250-Jahr-Feier der Stadt, fast komplett in Barockgelb erstrahlt? Oder dass der Hof ursprünglich schon vollständig gepflastert war, bis der Zeitgeschmack dazu führte, die Flächen wieder zu entsiegeln und Bowling-Grün an den beiden Flügeln des Barockbauwerks anlegen zu lassen?

Verwandtschaft aus den Niederlanden : Königin Beatrix lässt sich 2008 von Cousin Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont die Deckengemälde und Buntglasfenster erläutern. Links Fürstin Cecilia. archivFoto: elmar schulten

Als der Hof 2009 erneuert wurde, fand sich auch eine Rampe, die in den Westflügel führt und einst genutzt wurde, um mit der Kutsche ins Schloss zu fahren und nicht bei Wind und Wetter oder unter den neugierigen Blicken Anderer aussteigen zu müssen. 

Beginn einer langen Reise

Auf dem Hof starteten denn auch die Grande Tour genannten Reisen der Fürstensöhne, die der Bildung dienten und bei denen auch eine Entourage die Reise so angenehm wie möglich machen sollte. Sodann schwenken die Besucher zur Schlosskapelle um. 

Die Deckengemälde des Italieners Castelli in der Schlosskapelle Bad Arolsen zeigen die Evangelisten und sind Höhepunkte der Sonderführung unter dem Motto Grande Tour. Foto: ELMAR SCHULTEN

In dem privat, für Konzerte beim Barockfest oder Hochzeiten genutzten Gebäudeteil am Ende des Ostflügels werden die im 19. Jahrhundert installierte Orgel des Instrumentenbauers Jakob Voigt aus Korbach, die Buntglasfenster und das Deckengemälde des Künstlers Castelli erläutert.

Eine Besonderheit sind die Eisengussplatten im Durchgang des Westflügels zwischen Hof- und Brehm-Bibliothek und die in Sandstein gehauenen Epitaphe für Angehörige der Grafenfamilie.

Epitaphe in Sandstein und gusseiserne Ofenplatten erläutert Sina Degenhardt (rechts). Foto: ARMIN HASS

 Die Genealogie der Waldecker Grafen und Fürsten erläutern die Schlossführererin anschließend im Schloss. Im Weißen Saal im Obergeschoss können sich die Besucher anhand der Gemälde einen Eindruck von den Menschen verschaffen, die einst in dem 250 Räume zählenden Residenzschloss lebten.

Blick in den Garten

Auch eine Gartenführung wird in den eineinhalb bis zwei Stunden geboten. Durch die großen Fenster können die Besucher von drinnen bei jedem Wetter gut sehen, wie das Umfeld des Schlosses gestaltet wurde.

Epitaphe in Sandstein und gusseiserne Ofenplatten erläutert Sina Degenhardt (rechts). Foto: ARMIN HASS

Beim Tag der Burgen und Schlösser am 28. April wird die Grande Tour-Führung zum ersten Mal angeboten, vier Termine sind an dem Sonntag vorgesehen.

Anmeldungen für die Sonderführungen werden ab sofort unter der Rufnummer 05691/895526 angenommen.

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