Bad Arolsen:

Großes Echo auf WLZ-Bericht über Erlebnisse in früherem Erziehungsheim Marienstift

- Bad Arolsen. Ein großes Echo hat unser Bericht über den heute 63-jährigen Harald Frevel und seine Misshandlung im ehemaligen Erziehungsheim Marienstift in Arolsen ausgelöst. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft in Darmstadt Material über sexuellen Missbrauch Frevels in einem katholischen Erziehungsheim in Klein-Zimmern in Südhessen bekommen.

Frevel, Sohn eines amerikanischen Soldaten und einer Deutschen, war als Kleinkind zunächst nach Arolsen gekommen und war dort Gewalttätigkeiten der als Betreuerinnen eingesetzten Nonnen ausgesetzt. Wegen seiner dunklen Hautfarbe war das Mischlingskind besonders drangsaliert worden. Danach kam Frevel in das Jungen-Heim nach Kleinzimmern. Dort war Frevel, wie er gegenüber der WLZ berichtet, als Jugendlicher bis zum 18. Lebensjahr untergebracht. Wegen Misshandlungen und wegen sexuellen Missbrauchs in Klein-Zimmern hatte er sich Anfang der 70er Jahre nach einer längeren Phase des Schweigens bei der örtlichen Polizei gemeldet. Die Verantwortlichen des Heims hätten ihn jedoch der Lüge bezichtigt. Die Vorwürfe seien nicht weiter juristisch verfolgt worden.Frevel selbst erklärt, er sei 1960 oder 1961 mehrfach von einem ihm noch namentlich bekannten Erzieher nachts in dessen Bett geholt und dabei sexuell missbraucht worden. „Tagsüber hat er uns verdroschen, und nachts wollte er Sex mit uns“, schildert Frevel die Situation. Obendrein seien er und andere Betroffene einem Spießrutenlauf in dem Heim mit 200 Jugendlichen ausgesetzt gewesen: So hätten die anderen Jungen die Missbrauchten verspottet. Sexualität sei ein Tabuthema gewesen, sexueller Missbrauch das Schlimmste, was man sich an Erniedrigung vorstellen konnte.

Mehr in der WLZ-Zeitungsausgabe vom 12. Mai.

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