Am Sonntag ist die außerordentliche Mitgliederversammlung im Korbacher Bürgerhaus

Engemann kandidiert für Vorsitz des Waldeckischen Geschichtsvereins

Er kandidiert am Sonntag: Der pensionierte Pfarrer Günter Engemann aus Bad Arolsen bewirbt sich um den den Vorsitz des Waldeckischen Geschichtsvereins. Fotos: Schilling
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Der pensionierte Pfarrer Günter Engemann aus Bad Arolsen bewirbt sich um den den Vorsitz des Waldeckischen Geschichtsvereins.

Der Waldeckische Geschichtsverein kommt am Sonntag, 16. Februar, um 16 Uhr zu seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung im Korbacher Bürgerhaus zusammen, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Der pensionierte Pfarrer Günter Engemann aus Bad Arolsen bewirbt sich um das Amt.

Selbst zu forschen, würde Günter Engemann schon reizen. „Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der waldeckischen Geschichte ist wichtig“, sagt er. Doch es bedarf auch der Strukturen, damit Forschung möglich wird. Dafür steht seit mehr als 100 Jahren der Waldeckische Geschichtsverein. Und in dem würde Engemann gern eine herausragende Rolle übernehmen: Er kandidiert bei der Mitgliederversammlung am Sonntag in Korbach für den seit Juli 2019 unbesetzten Posten des Vorsitzenden.

„Waldeck ist für mich Heimat“

 „Waldeck hat in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt“, sagt Engemann. „Waldeck ist für mich Heimat im positiven Sinne, ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu leben.“ Geboren wurde er 1954 in Landau im Elternhaus seiner Mutter. Zwar zog die Familie im selben Jahr nach Volkmarsen, doch der Junge war in den Ferien oft in Landau und lernte dort auch Platt. 

Viele Volkmarser Kinder besuchten die integrierte Gesamtschule in Wolfhagen – er ging bewusst zur Christian-Rauch-Schule in Arolsen. Als sich Volkmarsen 1972 bei der Gebietsreform dafür entschied, in den Kreis Waldeck zu wechseln, war Engemanns Vater Erster Stadtrat. Die Familie habe oft über den Wechsel und die Bildung der Großgemeinde diskutiert. „Das hat mich sehr geprägt.“

 Nach dem Studium in Bethel und Marburg und dem Vikariat in Gemünden sei er froh gewesen, dass ihm der Prälat der Landeskirche als erste Pfarrstelle das waldeckische Usseln zugewiesen habe. „Ich kannte die Mentalität der Menschen“, sagt er. Er ging in die Vereine. „Ich bin da ganz gut reingewachsen.“ 

Eindruck gemacht habe auch, dass er alle sechs Strophen des „Waldecker Liedes“ singen kann. Seine Patentante habe ihm schon früh vermittelt, dass er als „Waldecker Junge“ auch die „Nationalhymne“ kennen müsse. „Das Lied spielt für meine Identität eine Rolle.“

 Nach sieben Jahren in Usseln wurde er Altenseelsorger und Leiter der Altenpflegeschule in Hofgeismar, doch es zog ihn nach Waldeck zurück. 1998 wurde er Pfarrer der Korbacher Nikolaikirche. 

Interesse an Geschichte

„Geschichtsinteressiert war ich immer schon“, sagt Engemann. Als Pfarrer sei ihm die historisch-kritische Auslegung von Bibeltexten ein Herzensanliegen gewesen – diese Methode ähnele der der Geschichtswissenschaft.

Der auch kirchlich engagierte Heimatforscher Karl Thomas gewann ihn für den Geschichtsverein. Engemann besuchte Vorträge der Korbacher Bezirksgruppe und übernahm kleinere ehrenamtliche Aufgaben. Als er Ende 2016 in den Ruhestand ging und nach Bad Arolsen umzog, wechselte er auch die Bezirksgruppe. 

Ohne die Dienstpflichten des Seelsorgers habe er versucht, einen neuen Rhythmus und neue Alltagsstrukturen zu finden. Er vollendete die Chronik der Nikolai-Gemeinde, dann befasste er sich mit der Familienforschung. Die ersten Engemanns lebten vermutlich in Ossendorf bei Warburg, sagt er. Seine Mutter ist Landauerin. „Meine Vorfahren stammen alle aus der Region“ – Material über sechs Generationen fasste er in einer Familienchronik für seine beiden erwachsenen Töchter zusammen. 

Das Wappen des Waldeckischen Geschichtsvereins findet sich als Schlußstein in der Nikolaus-Kapelle der Netzer Klosterkirche.

Nach einem Jahr Pause übernahm er Vertretungsgottesdienste. Doch sein ebenfalls pensionierter Pfarrer-Kollege Walter Hellwig hatte noch eine andere Idee für den „Unruhestand“: den Vorsitz des Geschichtsvereins. Auch die Vizevorsitzende Britta Hein sprach mit ihm – er sagte seine Kandidatur zu. Bei einer Vorstellung überzeugte er auch den Gesamtvorstand, der seine Wahl empfiehlt.

„In meine Rolle als Vorsitzender muss ich mich erst einarbeiten“, sagt Engemann. „Ich muss viel lernen, das kommt Schritt für Schritt.“ Der geschäftsführende Vorstand hat die „Altlasten“ aus dem Führungswechsel 2018 weitgehend aufgearbeitet. „Ich möchte unbelastet von der Vergangenheit in die Zukunft gehen und sehen, wie wir den Verein voran bringen.“ 

Vorstandsarbeit im Team

Er wolle als Vorsitzender nicht „der Solist sein“, sondern mit den anderen Vorstandsmitgliedern im Team zusammenarbeiten, sagt Engemann. Dass er den Verein auch repräsentiere, „ist für mich keine Frage“. Er freue sich auf Einladungen und würde gern bei den Platzschwachnachmittagen zuhören. „Ich möchte ein bisschen durchs Land reisen.“ 

Ziele als Vorsitzender

Die Aufgabe des Vorstands sieht er darin, „Rahmenbedingungen zu schaffen, dass andere Forschung leisten können“. Bei den Geschichtsblättern müsse das hohe Niveau gehalten werden. Und es gelte, weiter zu forschen und zu publizieren. Weitere Ziele:

  • Die Familienforschung sei ebenfalls wichtig. Bei den Ortssippenbüchern seien oft Nichtakademiker aktiv, „ich bin immer wieder erstaunt, was sie an Erkenntnissen zu Tage fördern.“  
  • Das Waldecker Platt sei 2017 in den Fokus gerückt. Es gelte, die Aufarbeitung systematisch anzugehen und für alle Dörfer und Städte vergleichbare Standards zu erreichen. Die Rhoder seien dank der Sammlung und der digitalen Erfassung von Karl Heinemann schon weit fortgeschritten. Sie arbeiteten mit der Marburger Universität zusammen. Der Verein habe zudem Andreas Karl Böttcher zum Platt-Beauftragten ernannt, er sammelt auch Schrift- und Tonmaterial. „Es ist höchste Zeit, dass man das macht.“ 
  • Ein „interessantes Projekt“ könne es werden, unterschiedliche Gruppen zusammenbringen, die sich mit der waldeckischen Geschichte befassen – ob den Förderverein fürs Flechtdorfer Kloster, die Landauer Wasserkunst den Volkmarser Verein „Rückblende, den Goldbergbau am Eisenberg oder Heimatvereine im Upland. Vielleicht könne der Geschichtsverein so etwas wie ein Dachverband sein, der zusammenführe und vernetze. Dafür müsste er sich für Verbandsmitgliedschaften öffnen. 
  • Auch die Jugend sei ein wichtiges Thema, da sei die Korbacher Bezirksgruppe in Zusammenarbeit mit dem Bonhage-Museum bereits aktiv. Die Schulen seien „ein wesentlicher Schlüssel“, um junge Leute zu erreichen. Dass sich Lehrer dafür einsetzten, sei „sehr erfreulich“. 

Im Verein habe sich die Schriftleitung schon verjüngt, mit Archivleiter Philipp Wilhelm Emde und Philipp Emanuel Wecker in der Geschäftsstelle sind im Vorjahr zwei junge Mitglieder eingestiegen. „Das stimmt mich optimistisch.“ (-sg-)

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