Begegnung mit Norbert Surrey

Gut Bilstein saniert: Einsatz am Fachwerk hat sich gelohnt

+
Von Ostpreußen ins Waldecker Landau: Norbert Surrey saniert die Bilsteinmühle. 

Bad Arolsen-Braunsen.  Seinen Traum von einem Hof mit Pferden erfüllt sich der Braunser Norbert Surrey auf der Bilsteinmühle im Twistetal.

Mit Kreativität, Liebe zum Detail und vielen im Laufe der Zeit angeeigneten handwerklichen Fertigkeiten hat der Lehrer an einer Förderschule in Warburg inzwischen das Wohnhaus fast vollständig saniert, auch der Stall, die Scheune und die Pferdeweide präsentieren sich ganz anders als bei der Übernahme des Anwesens vor 19 Jahren.

Kernstück ist das Fachwerkhaus, das Surrey mit seiner Lebensgefährtin bewohnt. Die Sanierung hat den Lebenstil erheblich beeinflusst: „Das ist Wohnen auf einer Baustelle.“

Als er nach einem geeigneten Objekt Ausschau hielt und den ehemaligen, zuletzt an einen Pferdezüchter verkauften Rudolphschen Hof sah, da griff er zu. Die Bilsteinmühle stand zur Versteigerung an. Der größte Teil der 30 bis 40 Hektar landwirtschaftlichen Fläche befindet sich noch im Eigentum der Rudolph-Nachkommen und ist verpachtet.

Lehmsanierung selber in Angriff genommen

„Die Substanz war in Ordnung, und mit zwei gesunden Händen traute ich mir die Sanierung zu“, berichtet Surrey. Bald stellte sich heraus, dass allein am Wohnhaus sehr viel getan werden musste. „Wir sind während der Arbeiten im Haus mehrfach umgezogen.“

Das Fachwerk hat Surrey nach althergebrachten Methoden erneuert. Aus Elleringhausen hat er sich zwei Wagenladungen Lehmputz anliefern lassen. Um den Baustoff richtig verarbeiten zu können, musste er etwas probieren. Mischungen aus Lehm, Sand, Kies und Stroh stellte er her, um die Gefache und schließlich den Putz herstellen zu können.

Für die Wärmedämmung hat Surrey Schilfmatten aus seiner ostpreußischen Heimat verwendet, die mit Draht verwebt und so an der Wand angebracht werden. In den Wänden sind Heizrohre installiert worden, die aus einer Ölfeuerung das warme Wasser bekommen. Doch überwiegend wird mit Holz geheizt.

Verrohrter Mühlgraben musste erneuert werden

Das Wohnhaus ist fast fertig, wie Surrey berichtet. Geplant ist noch der Einbau einer neuen Treppe, und der Keller soll gepflastert werden. Entstanden sind mit vielen Details gestaltete, wohnliche Räume.

Ziel ist noch, den Strom für das Haus aus Wasserkraft mithilfe des unterschlächtigen Mühlrads erzeugen zu können. Damit könnte auch eine Wärmepumpe betrieben werden.

Doch bis bis dahin sei es noch ein weiter Weg. Der Generator habe in den 60-er Jahren abgebaut werden müssen. Auch das Wehr, in das aus einem verrohrten Mühlgraben das Wasser läuft, muss komplett erneuert werden. An dem um 1900 eingebauten Mühlrad hat Norbert Surrey bereits Streben erneuert. 

Daneben erfordert das Einholen der entsprechenden Genehmigungen einige Geduld. Ursprünglich wurde das Mühlrad über Transmissionsriemen zum Antrieb von Dreschmaschinen und anderen landwirtschaftlichen Geräten genutzt.

Autark ist Surrey bei der Abwasserklärung: Das Schmutzwasser wird in einer mit Schilf bepflanzten Teichanlage gereinigt und das derart behandelte Wasser in die Twiste eingeleitet. Lediglich den Schlamm muss er abfahren lassen.

Geschichte der Mühle rekonstruiert

Eine ganze Reihe von Vorbesitzern hat Surrey in den alten Unterlagen ausgemacht. Bilstein war als Teil des Klosters Volkhardinghausen bei der Säkularisierung in eine Meierei umgewandelt worden. 1840 ist die Hofanlage gebaut worden.

Das Stallgebäude, in dessen Obergeschoss einst die Landwrbeiter lebten, hat Surrey schon weitgehend saniert. Neben den Boxen für die Pferde ist ein Ostpreußen-Zimmer für Gäste eingerichtet worden. Es erinnert an die Herkunft der Surrey-Familie. 1966 ist die Familie aus dem überwiegend katholischen Ermland von Bischofsburg nach Westdeutschland übergesiedelt. 

Surrey war damals zehn Jahre. Aus seiner ostpreußischen Heimat hat er die Begeisterung zu Pferden mitgebracht. Und fürs Reiten: Angeregt von amerikanischen Soldaten in Deutschland nahm Surrey als Reiter der European Rodeo Association an Rodeos teil.

 Surrey beschäftigte sich bei Wettbewerber als Calf-Roper mit dem Einfangen von Kälbern mit dem Seil. Reiten steht in dem neuen Domizil in Braunsen, bedingt durch die zeitaufwendigen Sanierungsarbeiten, etwas hinten an. Doch verrät die Weide mit ihren kunstvoll gestalteten Holzzäunen von der Passion des Eigentümers. In Braunsen engagiert sich Surrey im Heimatverein.

Er hat eine massive, aus Steinen gemauerte Bank gestiftet, die mit einem Fest am Mühlengraben eingeweiht wurde. Eine Elchschaufel als Symbol von Ostpreußen und den Waldecker Stern hat er als Intarsien in den steinernen Boden eingearbeitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare