Nach über 60 Jahren kündigt Evangelische Altenhilfe Rückzug aus Schloss Landau an

„Gutes Modell“ für Träger zu teuer

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Schloss Landau beherbergt seit 1946 eine Einrichtung der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar. Trotz der Diskussion um einen Rückzug aus der Bergstadt will sich der Träger aktiv an der Suche nach Perspektiven für Schloss und Brunnenhaus betei

Bad Arolsen - Landau - Die Nachricht kam völlig überraschend: Die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar will sich aus Landau zurückziehen. Das teilte sie gestern den Mitarbeitern und Bewohnern mit.

Derzeit laufen Gespräche mit Mitarbeitervertretern, der Domanialverwaltung als Vermieterin, dem Ortsbeirat und anderen Beteiligten. Diskutiert wird der Rückzug des Altenpflegeträgers aus Hofgeismar zum Ende des Jahres. „Trotz größter Anstrengungen gelingt es nicht, den Standort auskömmlich zu betreiben“, heißt es in der Pressemitteilung.

Grund sei die besondere Kostenstruktur: die Bewirtschaftung mehrerer Gebäude, die Tarifstruktur der Diakonie und die relativ niedrigen Pflegesätze im Kreis Waldeck-Frankenberg sowie die Unterfinanzierung des Altenpflegebereichs allgemein.

2009 hatte der Träger mit Unterstützung der Domanialverwaltung und des Ortes ein Modellprojekt auf den Weg gebracht, das auch in Fachkreisen große Resonanz erfuhr: die stationäre Pflege auf ein Haus reduziert, betreutes Wohnen und ein Pflegehotel etabliert, das Schloss für Vereine des Ortes geöffnet.

„Das Modell ist grundsätzlich gut,“ sagte die leitende Pfarrerin Barbara Heller. Und doch habe sich ein auskömmlicher Betrieb unter dieser Trägerschaft nicht erreichen lassen.

Intensive Beratungen über Veränderungen auch baulicher Art hätten zu der Einschätzung geführt, dass das Verlustrisiko für diesen Standort kaum auszuschließen sei. Jahrelang habe der Träger mit Zustimmung der gesamten Mitarbeiterschaft die Verluste getragen und ausgeglichen. „Dies ist auf Dauer nicht mehr leistbar“, so die Geschäftsführung.

Im Herbst besteht die Möglichkeit, allen Bewohnern Heimplätze in Zierenberg - dem neben Korbach nächstgelegenen Standort der Evangelischen Altenhilfe - anzubieten. Das Haus wird zurzeit umfassend saniert und modernisiert. Gleichzeitig bietet der Träger allen langjährigen Mitarbeiterinnen einen gleichwertigen Arbeitsplatz in Zierenberg oder Korbach an. Auf betriebsbedingte Kündigungen könne also verzichtet werden, so die Mitteilung.

Für die Zukunft der Bergstadt sei der Rückzug ein schwerer Schlag, hieß es im Ortsbeirat. Doch es gelte jetzt vor allen Dingen, diese neue Herausforderung anzunehmen und nach guten Antworten zu suchen. Schon heute findet ein erstes Sondierungsgespräch mit Domanialverwaltung, Stadt, Vertretern des Ortes und Altenhilfe statt. Auch Landrat Dr. Reinhard Kubat hat seine Unterstützung zugesagt.

Während sich das betreute Wohnen in Landau nicht durchgesetzt hat, steigen die Übernachtungszahlen im Pflegehotel von Jahr zu Jahr. Durchweg positiv ist die Resonanz der Gäste: Individualreisende, Gruppen aus der Altenhilfe, Urlauber mit Behinderungen, zuletzt ein Kegelclub mit einem pflegebedürftigen Mitglied.

„Was wir hier in Landau auch an ehrenamtlichem Engagement investiert haben, hat Früchte getragen. Und darauf bauen wir auf, wenn wir jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um ein neues Konzept zu finden und zu realisieren“, sagte Tino Hentrich, der das Modellprojekt mit dem Ortsbeirat 2009 mit auf den Weg gebracht hatte.

Rolf Kaufmann (Waldeckische Domanialverwaltung) signalisierte Offenheit für alle sich bietenden Möglichkeiten: „Wie wir reagieren, werden wir breit und in Ruhe diskutieren.“ Dabei bleibe der Kontakt nach Hofgeismar wichtig. Mögliche Ansprechpartner seien auch andere Träger aus diesem Umfeld, so Rolf Kaufmann. (du)

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