Am Sonntag wird er aus seinem Dorf verabschiedet

Pascal Theile aus Massenhausen geht drei Jahre auf die Walz

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Handwerksgeselle Pascal Theile macht sich am morgigen Sonntag von Massenhausen aus auf die Walz. Drei Jahre und einen Tag lang muss er seiner Heimat mindestens fern bleiben und Berufserfahrung sammeln.  

Pascal Theile macht sich am Sonntag auf den Weg in ein großes Abenteuer: Der Schreinergeselle macht sich für drei Jahre und einen Tag auf die Walz.

In der traditionellen Kluft der Wandergesellen zieht er künftig durch die Lande, um mal hier, mal dort seine handwerklichen Fähigkeiten anzubieten. Dabei kann er sowohl für kurze Zeit bei einem Schreinerbetrieb anheuern, als auch bei Privatleuten Reparaturen ausführen.

Der Schreinergeselle, der in Volkmarsen im Meisterbetrieb von Martin Heinemann seine dreijährige Lehre absolviert und dann ein Jahr bei Schreiner Denhof in Buchenberg gearbeitet hat, traut sich auch Dachdeckerarbeiten zu und ist sich für keine Arbeit zu schade.

Was bedeutet die  Symbolik der Knöpfe?

Das ist eine der Grundvoraussetzungen für jeden Handwerksgesellen, der sich auf die Walz begibt. Außerdem muss er unbescholten sein, ledig und kinderlos. So wurde Pascal in die „Bruderschaft der rechtschaffenden fremden Gesellen“ aufgenommen.

Als äußeres Zeichen bekam er eine „Ehrung“, so heißt die schwarze Krawatte mit den dicken schwarzen Schnüren, die sich vom weißen Hemd deutlich abhebt. Dazu trägt er eine schwarze Cord-Weste mit acht Knöpfen als Erinnerung an die acht Stunden, die er am Tag arbeiten will.

Sein Jackett hat sechs Knöpfe als Erinnerung an die sechs Arbeitstage der Woche. Am Sonntag will er ruhen. Und die drei Knöpfe an jedem Ärmel erinnern an die drei Jahre Lehrzeit und die drei Jahre, die er auf der Walz bleiben will.

Wie ist er auf die Idee gekommen?

So hat es Pascal Theile auch vergangenen Sonntag im katholischen Gottesdienst in Bad Arolsen erklärt. Pfarrer Peter Heuel hatte den jungen Mann eingeladen, von seinen Plänen zu berichten und ihm dann den Segen erteilt.

Zur Vorbereitung auf seine Firmung hatte Pascal vor Jahren eine Pilgerwanderung mit Pfarrer Bernd Conze mitgemacht.

Als Pascal dann am Abschluss seiner Lehrzeit überlegte, wie er sein Leben künftig gestalten wolle, erinnerte sich an die schönen Erlebnisse dieser Pilgerwanderung und beschloss, auf die Walz zu gehen.

Mit Ohr auf den Tisch genagelt

Bei den „rechtschaffenden fremden Gesellen“ wurde er mit offenen Armen aufgenommen. Dazu gehört auch das Aufnahmeritual, bei dem ihm ein Ohrloch für den Ohrring der Wandergesellen gestochen wurde. „Es war bei einem Straßenfest in Lüneburg.  Da ließ ich mir bei einem Schmied einen Nagel schmieden“, erinnert sich Pascal. 

Dann wurde der künftige Wandergeselle von seinen künftigen Kollegen buchstäblich auf einen Tisch genagelt. Zehn Minuten musste er mit dem Nagel im Ohr liegen bleiben. Dann war das Loch gestochen. Rau und deftig geht es manchmal zu bei den Handwerkgesellen. Das wird Pascal wohl auch am Sonntag erleben, wenn er von anderen Handwerksgesellen feierlich in Massenhausen abgeholt wird. Wahrscheinlich wird man für ihn auch eine Flasche Schnaps am Ortseingangsschild vergraben.

 Die darf er erst nach drei Jahren wieder ausgraben. Aber so ganz genau weiß Pascal noch nicht, was ihn am Sonntag erwartet. Genauso wenig weiß er, was ihn danach erwartet und wo ihn seine Füße hintragen werden. Eine Woche später wird er im Landkreis Kassel einen zweiten Gesellen treffen, der dann aus seinem Heimatdorf verabschiedet wird. 

Auf moderne Technik verzichten: Kein Smartphone

Gemeinsam wollen sie eine Zeit lang zusammen durch die Lande ziehen. Einen Mentor fand er in Michael Kate aus Mengeringhausen. Der Schreinermeister ist nach seiner Gesellenprüfung auch drei Jahre auf die Walz gegangen. Er konnte Pascal daher auch eine Menge gute Tipps für seine lange Reise geben. Im ersten Jahr müssen die Handwerksgesellen auf der Walz im deutschsprachigen Lande bleiben. 

Danach ist alles möglich, sogar ein Flug in die USA. Was allerdings nicht zulässig ist, während der Tippelzeit, ist die Benutzung eines modernen Smartphones. Das hat Pascal sich schon vor Wochen abgewöhnt. Und auch auf Fernsehen und Internet kann er gut verzichten. Seine Familie wird er bestimmt vermissen, aber man kann sich ja außerhalb von Massenhausen mal treffen. In der ersten Zeit gilt ein Bannkreis von 50 Kilometern rund um Kassel, danach sind es 50 Kilometer rund um Massenhausen. Aber das macht Pascal nichts aus, schließlich will er erstmal die große, weite Welt kennenlernen.

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