Volkmarsen-Herbsen

Herbser Glocke schwer angeschlagen

- Volkmarsen-Herbsen (-ah-). Aufsehen erregte der Transport einer Glocke aus der Kirche zu Herbsen.

Der Klöppel schlägt so lange gegen die Glocke, bis sie springt: Daher muss in den nächsten Wochen die älteste der beiden Glocken in Herbsen repariert werden. „Heiligabend klang sie noch recht gut“, berichtet die Pfarrerin des Kirchspiels Schmillinghausen, Marianne Maltzahn. Am ersten Weihnachtstag hingegen schepperte sie bereits. Die Glocke war innen von unten nach oben etwa 30 Zentimeter lang gerissen. Ein Wunder sei es gewesen, dass die 1817 eingebaute Glocke überhaupt so lange gehalten habe, habe der Glockenexperte der Landeskirche erklärt. Durch das Läuten zur vollen und halben Stunde und zu allen kirchlichen Anlässen war das gute Stück kräftig eingedellt worden. Einmal war die Glocke ausgebaut und um 90 Grad gedreht wieder eingebaut worden, sodass die Glocke noch lange halten möge. Die Glocke ist in den letzten Tagen mithilfe eines Flaschenzuges aus dem Gebälk herausgehoben und auf einem dicken Brett für den Abstransport aus dem engen Fensterchen im Turmhelm platziert worden. Immerhin wiegt der angeschlagene Klangkörper 250 Kilogramm. Mit Geschick und in Millimeterarbeit wurde die Glocke bereitgestellt und gestern mithilfe eines Krans der Firma Hartinger in Scherfede erfolgreich durch das Fensterloch nach draußen bugsiert. Viele Herbser verfolgten das Spektakel, bei dem ihre Glocke aus luftiger Höhe wieder auf die Erde gebracht und für die Abholung durch die Fachleute einer Reparaturfirma in Nördlingen bereitgestellt wurde. Das Unternehmen hat sich als einziges in Deutschland auf solche Reparaturen spezialisiert. 9400 Euro soll die Wiederherstellung der Glocke kosten, die dann wieder genauso wie vorher klingen soll. Die Gemeinde trägt die Hälfte der Kosten, 1200 Euro stehen bereits als Spenden bereit. Die andere Hälfte trägt der Kirchenkreis der Twiste. Die zweite, wesentlich jüngere Glocke dürfte hoffentlich noch eine ganze Weile länger halten: Sie wurde 1946 eingebaut – als Ersatz für die für Kriegszwecke abtransportierte und vermutlich in einer Waffenschmiede eingeschmolzene alte Glocke.Die Gemeinde wartet auf einen Bewilligungsbescheid des Landes zur Finanzierung der Dach­erneuerung. Das Dorferneuerungsprogramm, aus dem der Zuschuss erwartet wird, läuft für Herbsen in diesem Jahr aus. Vor zwei Jahren war bereits der Turm erneuert worden.

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