Rhoden

Herkulesaufgabe auf Schloss Rhoden

- Diemelstadt-Rhoden (-ah-). Die Kreisgremien beraten über eine Investition von 8,1 Millionen Euro in das Altenheim Schloss Rhoden.

Zur Debatte steht ein Plan des Büros C-N-K (Clormann, Neis, Krebs) aus Hanau, das nach einem Ideenwettbewerb mit insgesamt drei namhaften Architekten einen zukunftsweisenden Entwurf erstellte (siehe weiteren Bericht). Damit soll nämlich die weitere Nutzung des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Bauwerks als Alters- und Pflegeheim unter der Regie des Waldeckschen Diakonissenhauses sichergestellt werden und die Senioreneinrichtung konkurrenzfähig bleiben. Die Domanialkommission hat sich mehrheitlich für das Projekt entschieden, der Beschluss des Kreistags wird für das Jahresende im Rahmen der Haushaltsdebatte erwartet.

Auf die lange Bank geschoben wurden bisher grundlegende Verbesserungen in dem seit 2008 von einer gemeinnützigen GmbH des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim (WDS) zusammen mit der Senioreneinrichtung in Flechtdorf betriebenen Altenheim. Der Brandschutz muss verbessert werden, ebenso die technische Infrastruktur und die für einen wirtschaftlichen Heimbetrieb wichtige Funktionalität: Derzeit müssen die Pflegekräfte in der 60 Mitarbeiter zählenden diakonischen Einrichtung weite Wege zurücklegen. Die Trinkwasserverordnung kann nicht eingehalten werden, die Gefahrenmeldeanlagen entsprechen nicht dem Bedarf. Deckenhöhen stimmen nicht überein und Fluchtwege fehlen.

Überwiegend stehen Doppelzimmer in der 71 Plätze bietenden Einrichtung zur Verfügung. Die Brüstungen sind so hoch, dass Rollstuhlfahrer nicht aus dem Fenster gucken können, wie WDS-Verwaltungsleiter Wilfried Höhle berichtet. Das Haus sei aufgrund der Konkurrenz vor Ort und im Umfeld von Rhoden schlechter belegt. „Zwischen Eigentümer und Betreiber besteht einhellige Meinung, dass ohne umfassende Überarbeitung und Neustrukturierung des Komplexes ein Betrieb mittelfristig unmöglich ist“, heißt es in einer gestern dazu herausgegebenen Mitteilung. „Bereits vor der Übernahme 2008 haben wir miteinander darüber gesprochen, wie wir diese Herkulesaufgabe bewältigen können“, sagte Pfarrer Horst Rühl, Vorsteher des WDS.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung hatte der von der Waldeckischen Landeszeitung auf das Projekt angesprochene Leiter der Waldeckischen Domanialverwaltung, Rolf Kaufmann, zur Erläuterung der Pläne unter anderem WDS-Vorsteher Rühl und den Kreisbeigeordneten Otto Wilke für die Domanialkommission eingeladen. Gefordert ist nach Auffassung des Direktors Kaufmann eine Grundsatzentscheidung: Entweder die Domanialverwaltung mit den alten Waldecker Kommunen als wirtschaftliche Eigentümer des Domanialvermögens, mithin des Rhoder Schlosses, investiere in die grundständige Ertüchtigung – oder das Schloss werde verkauft.

Die Diskussion über diese Frage ist noch im Gange. Parallel zu den planerischen Vorbereitungen fanden bereits Gespräche mit den Bürgermeistern der waldeckischen Gemeinden statt. Einbezogen war auch der Rathauschef aus Fritzlar (Kreis Fritzlar-Homberg), dessen Ortsteil Züschen einst zu Waldeck gehörte. Die Kommunen müssten auf die Ausschüttungen aus dem Gewinn der Domanialverwaltung verzichten, machte Kreisbeigeordneter Wilke deutlich. Das Gespräch mit den Stadtoberhäuptern sei sachlich verlaufen.

Wilke schätzt, dass es auch im Kreistag eine Zustimmung für das Bauvorhaben geben werde. Alle Parteien seien einbezogen. Es sei nicht so, dass sich eine Debatte „zwischen Regierung und Opposition“ entspinnen würde. Würde das Schloss im Rhein-Main-Gebiet stehen, wären wahrscheinlich ein Verkauf und eine anderweitige Nutzung möglich. So aber müsse das Schloss mit seiner jetzigen Nutzung für die Zukunft gerüstet werden.

Die investiven Mittel kann die Eigentümerin zwar selbst aufbringen, wie Wilke erklärte. Doch gerät die Domanialverwaltung nach Auskunft ihres Direktor an die Grenzen der Belastbarkeit. Zwar habe es in den Wäldern gerade nach dem Orkan Kyrill vermehrte Einschläge und entsprechend höhere Erlöse gegeben, doch könne man „die Kuh nicht ständig melken“, sagte Kaufmann.

Die „Herkulesaufgabe“ auf dem Schloss bedeutet auch eine Herausforderung für den Betreiber: Das WDS werde etwa eine Million Euro selbst aufbringen. Investiert werde in Inventar, Möbel und neue Pflegebäder, zudem sei ein langfristiger Mietvertrag vorgesehen.

Auch wenn der Kreistag nicht für die Sanierung stimmen sollte, wolle das WDS dennoch die bestehenden Arbeitsplätze in Rhoden erhalten, erklärte Pfarrer Rühl. „Wie wir das ermöglichen, müssen wir an anderer Stelle sehen.“

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