Fahrt mit dem Heißluftballon ermöglicht atemberaubende Bilder

Hier macht heiße Luft den großen Unterschied

Immer wieder schön anzusehen: Das Residenzschloss aus einer ungewohnten Perspektive. Fotos: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Ganz ungewohnte Ein- und Aussichten beschert eine Fahrt mit dem Heißluftballon über den Viehmarktsplatz und über die Arolser Innenstadt.

Ursprünglich hatte sich der Bad Arolser Ballonfahrer Andreas Pohl vorgenommen, vom Dressurplatz unmittelbar neben der Reithalle und nur einen Steinwurf vom Riesenrad aus zu starten. Doch der obligatorische Test mit einem Helium gefüllten Versuchsballon machte eine Änderung der Pläne notwendig.

Der Wind blies doch etwas kräftiger als angenommen und ließ den Aufstieg in unmittelbarer Nähe des 50 Meter hohen Fahrgeschäftes zu gefährlich erscheinen. Schöne Bilde sollte es geben, aber nicht für die Abendnachrichten.

So machte sich das Ballonteam um den erfahrenen Piloten auf die Suche nach einem sichereren Startplatz. In der Nähe des Hundeplatzes im Thieletal fand sich schließlich eine freie Wiese und einem günstigen Wind in Richtung Festplatz.

Und auch die Front dunkler Wolken, die noch vor einer Stunde drohend über Mengeringhausen lag, hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst.

„Keine Sorge, da steckt kein Regen drin“, hatte Ballonpilot Andreas Pohl mit einem aktuellen Wetterkartenausdruck in der Hand beruhigt: Zur Sicherheit habe er auch noch mal mit dem Wetterdienst telefoniert: „Für uns geht Sicherheit vor allem anderen“, versichert Pohl: „Wir bleiben lieber am Boden und wünschen uns, wir wären in der Luft, als dass wir voreilig in die Luft gehen und wünschten uns am Boden zu sein.“

Angewandte Physik

Dann nimmt er noch einen kleinen, mit Helium gefüllten Testballon und lässt ihn in den Abendhimmel steigen. Bei der Beobachtung der Flugbahn erkennt der Fachmann Luftströmungen in höheren Schichten und erkennt, ob ein Start jetzt möglich ist. - Alles perfekt, entscheidet der Pilot.

Einmal noch lässt er den Pkw-Anhänger mit dem Ballonkorb um einige Meter versetzen und dann geht alles ganz schnell. Der Korb wird auf Position gerutscht und das sorgsam gefaltete Ballontuch aus den Tragesack gezogen. Pohls Ballonmannschaft weiß, wo angepackt werden muss. Jeder Griff sitzt und mit wenigen Karabinerhaken ist die Ballonhülle mit dem Korb verbunden.

Mit einem Ventilator bläst der Pilot Luft in den langen Sack aus 1200 Quadratmetern Stoff. Aufgeblasen hat der Ballon einen Durchmesser von 16 Metern und eine Höhe von 27 Metern. Mit seinem Volumen von 3400 Kubikmetern warmer Luft hebt er ein Startgewicht von 900 Kilogramm. Die nötige Hitze liefern zwei kräftige Brenner, die mit vier Propangasflaschen dosiert befeuert werden.

Andreas Pohl, ist seit 1999 begeisterter Ballonfahrer. 2009 machte er seine beiden Pilotenscheine, die ihn zum Fahren mit Heißluftballonen und Zeppelinen berechtigen. Mit ihm zusammen im Korb startet Lutz Mönig. Auch er ist ein erfahrener Ballonfahrer.

Der Aufstieg erfolgt sanft wie in einem modernen Fahrstuhl. Wären da nicht nicht die lauten Feuerstöße aus den beiden Gasbrennern, könnte man glatt vergessen, dass es bloß heiße Luft ist, die uns nach oben trägt.

Schon in wenigen Metern Höhe übernimmt der Wind das Kommando und bestimmt die Richtung.

Es bläst ganz sachte geradewegs über den Königsberg und ermöglicht einen grandiosen Ausblick auf den Festplatz. Von hier oben wirkt alles so wie in den Dioramen, mit denen Thomas Achs und Stephan Hirschfeld seit Jahren ihren Viehmarkt maßstabsgetreu nachbauen. Die laute Musik aus den Autoscootern, das Kreischen der Teenies in den Fahrgeschäften, all das klingt gedämpft und fern und ist doch so nah.

Der Ballon fährt weiter über den Kurpark das Residenzschloss in Richtung Spendeallee.

Wie bei Modelleisenbahn

Aus dieser Perspektive wird deutlich, dass die Barockstadt in Wahrheit eine Planstadt ist, die auf dem Reißbrett entstand und in der die ursprünglichen Straßen Teil eines Gesamtkunstwerkes sind. Im Abendlicht wirken Schloss und Stadt noch glänzender, noch prächtiger.

Über dem Schlossteich kommt der Ballon scheinbar zum Stehen. Der Wind hat sich gelegt. Der Pilot gibt Gas und sorgt mit zusätzlicher heißer Luft für Auftrieb. Ein paar Dutzend Meter höher findet sich eine andere Strömung. Sie treibt den Ballon Richtung Fischhaus, Wetterburg, Twistesee.

Ein Regionalexpress der Kurhessenbahn passiert die Gleisbaustelle für den neuen Begegnungsbahnhof. Alles wirkt wie bei einer gigantischen Modelleisenbahnanlage. Was fehlt, ist der Traforegler, mit dem der Zug gesteuert wird.

Über dem Twistestaudamm erfreut der Blick auf den vollen Wohnmobilhafen. In Reih und Glied aufgereiht stehen die Freizeitgefährte und warte auf den Sonnenuntergang.

Bilderbuchlandung

Den wollen auch die beiden Piloten lieber vom Boden aus beobachten. So wird nach einem geeigneten Landeplatz Ausschau gehalten. Wo gibt es ein abgeerntetes Feld? Wo verlaufen Stromleitungen?

Bei einem Aussiedlerhof auf halber Strecke zwischen Neu-Berich und Lütersheim scheint alles perfekt. Nur der Wind bläst in die falsche Richtung.

Ein paar Meter steigen, ein paar Meter sinken. Wo ist die Windrichtung am besten? Die eine Hand am Gashebel, die andere am Seil für den Heißluftablass in der Ballonspitze ist Pilot Andreas Pohl jetzt ganz konzentriert. Keine Zeit für Fragen. Jetzt muss jeder Griff sitzen.

Der Korb streift sanft die Krone eines kleinen Straßenbaumes und sinkt dann planmäßig auf den Feldweg herab.

Kaum spürbar ist der Ruck beim Aufsetzen. Eine stehende Landung wie aus dem Bilderbuch. Und auch auf das Bodenteam ist Verlass.

Jeder packt mit an und schon nach wenigen Minuten ist die Ballonhülle wieder sicher verstaut in einem dicken Sack und der Korb wir auf seine sicher Position im Transportanhänger gerückt.

Am nächsten Morgen wollen Pohl und Mönig wieder mit dem Ballon aufsteigen. Bei schöner Sicht und gutem Wetter gibt es nichts Schöneres für die beiden Ballonfahrer.

Luftbilder aus Bad Arolsen und Umgebung finden Sie in dieser Bildergalerie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare