Sprachforscher geht über die Dörfer:

Hier werden Dorfgeschichte(n) auf Platt gesammelt

+
Dorfgeschichten im Fokus: Sprachforscher Dr. Werner Beckmann (sitzend Mitte) und Andreas Karl Böttcher, dem Leiter des plattdeutschen Arbeitskreises im Waldeckischen Geschichtsverein. Auf dem Foto von links stehend: Philipp Emde (Vasbeck), Andreas Karl Böttcher (Obermarsberg), Friedrich Gerhard (Arolsen-Kohlgrund), Ilse Tilenius (Külte) und Karl Brühne (Massenhausen). Vorne sitzend von links: Friedrich Ladage (Neudorf), Dr. Werner Beckmann (Cobbenrode) und Heinrich Emde (Vasbeck).

Arolsen / Diemelstadt. Die schönsten Geschichten schreibt das Waldecker Land! Und um genau diesen einmaligen Geschichtsschatz in der urtypischen Mundart eines jeden Dorfes zu heben, tingeln die Sprachforscher von Ort zu Ort.

Hierbei wird nicht nur die plattdeutsche Einmaligkeit der jeweiligen Gemeinde, also der jeweilige Dialekt, erfasst, sondern auch Lebens- und Berufsbilder, Feste, Traditionen, Brauchtum, Geschichte und eine ganze Menge an Dorfgeschehen für die Nachwelt festgehalten und auf Datenträgern konserviert.

Der überregional anerkannte Fachmann des Plattdeutschen, Dr. Werner Beckmann, war zu Gast im Waldecker Spielzeugmuseum in Massenhausen, um Probanden zu interviewen.

Der Sprachforscher ist unter anderem in Kommissionen für Mundart- und Namenforschung, als Mitglied der Fachstelle Niederdeutsche Sprachpflege im Westfälischen Heimatbund und als Leiter des Sauerländer Mundartarchivs tätig.

In Massenhausen standen Friedrich Ladage aus Neudorf, Friedrich Gerhard aus Arolsen (vormals Kohlgrund), Heinrich Emde aus Vasbeck, Karl Brühne aus Massenhausen und Ilse Tilenius aus Külte dem Sprachforscher einen Tag lang Rede und Antwort.

Zuerst befragte Beckmann unabhängig voneinander die Teilnehmer zu ihrer frühen Kindheit, dem Plattdeutschen in der Familie und im Ort, bevor er zur Kindheit und Schulzeit der einzelnen Platt-Sprecher überging. 

Aber auch die kirchlichen Festtage, das Essen an den Festtagen, der Beruf, die Arbeitswelt, die Soldaten- oder die Kriegszeit, die Nachkriegszeit, die Wirtschaftswunderjahre, allgemeine Lebensgewohnheiten, handwerkliche Tätigkeiten, Volkskunde, Kultur, Geschichte, Kirchliches, Veranstaltungen und vieles mehr werden bei dem plattdeutschen Sprach-Interview thematisiert.

Zu guter Letzt gibt Dr. Beckmann den Teilnehmern Vokabeln und die 40 Wenkerschen-Sätze auf Hochdeutsch vor, die der Plattdeutsche in seiner örtlichen Mundart wiedergeben muss. Abschließend bringt Beckmann in seinem Archiv das Interview auf Plattdeutsch in Schriftform und später noch auf Hochdeutsch. Außerdem filtert er besondere, örtliche Begrifflichkeiten aus dem Interview für Wörterbücher heraus.

Alle Sprachaufnahmen werden in einer Broschüre in der Reihe „Op Platt“ veröffentlicht und in das Mundartarchiv Sauerland sowie in die Dokumentationsstelle des Waldeckischen Geschichtsvereins im Schreiber´schen Haus eingepflegt.

Flächendeckend, also nach Möglichkeit in jeder Ortschaft, sollen diese Interviews durchgeführt werden. Hierzu werden im gesamten Waldecker Land Gewährsleute zur plattdeutschen Sprache gesucht. Interessenten können sich bei Andreas Böttcher melden; Tel. 0151/15815361 oder per E-Mail an: info@Marsberger-Geschichten.de (r)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare