Malteser-Laster in Bad Arolsen beladen

Hilfstransport rollt in die Ukraine

Bad Arolsen - Umpf! Wieder ist ein Kleidersack im Laster gelandet. Die Männer und die Frau leisten schon fast Akkordarbeit. Der Malteser-Lkw vom Ortsverband Hövelhof wird vor dem Haus des deutsch-ungarischen Ehepaars Hella und Arpad Berenyi in Bad Arolsen mit Kleidung für die Ukraine beladen.

28 Stunden sind die beiden Fahrer im Wechsel unterwegs. Wenn sie Pech haben, müssen sie noch acht Stunden an der einzigen für Lkw infrage kommenden ungarisch-ukrainischen Grenzstation halten. Karl-Heinz Lieb, Malteser-Auslandsbeauftragter aus Paderborn, ist diesmal nicht an Bord. Er weiß Schlimmes aus dem vom Krieg schwer getroffenen Land zu berichten: Die Tränen einer Mutter, die ihre Tochter und deren Zwillingskinder bei einem Granatenangriff verloren hat, wird er ebenso wenig vergessen wie die entsetzlichen Zustände in einem Waisenhaus, das mithilfe der Malteser endlich mit Sanitäranlagen ausgestattet wurde. 1600 Kilometer ist der gestern beladene Laster unterwegs zur ukrainischen Annahmestelle in Bukaschewo. Derzeit darf in das osteuropäische Land nur Kleidung eingeführt werden, noch nicht einmal Medikamente oder medizinische Hilfsmittel dürfen über die Grenze ohne besondere Genehmigung gebracht werden. Das Land im Kriegszustand fürchtet zudem Waffenschmuggel aus dem Ausland. In der Ukraine sind die Malteser nicht in umkämpften Gebieten unterwegs, und dennoch nimmt Lieb die Auswirkungen der Kriegshandlungen wahr: Kaum ein Ort, aus dem nicht junge Männer für den Dienst in der Armee eingezogen wurden, wie er berichtet. „Kalle“ Lieb ist schon seit dem Fall des Eisernen Vorhangs mit den Maltesern unterwegs und kann sich noch sehr gut an einen der ersten Transporte nach Ungarn 1990 erinnern, als er von Beamten der Polizei angeherrscht wurde – und wie dankbar Menschen reagierten auf die Hilfe aus dem Westen. Am 27. November sind die Malteser erneut nach Ungarn unterwegs, in der Zielregion sind 61 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung arbeitslos. Ein Textildiscounter erweist sich als äußerst spendabel: Spielzeug, Kleidung und Süßigkeiten für das Weihnachtsfest bis unters Dach. „Hier sind nur ehrenamtlich Tätige im Einsatz“, unterstreicht Lieb. Auch Ukrainer packen bei den Maltesern in Hövelhof mit an. Lieb selbst ist als Reprograf beim Kreis Paderborn beruflich tätig und opfert seinen Urlaub für die Einsätze bei den Maltesern, der Landrat gewähre ihm für den karitativen Einsatz auch Sonderurlaub, freut sich Lieb über die Unterstützung. Anerkennung zollten ihm die Malteser mit Urkunden. Beim St.-Ladislaus-Orden in Ungarn ist er zum Ritter ernannt worden, aus der Ukraine wurde ihm der Friedenspreis der Ukraine zuteil.„Wenn man die Not sieht, dann kann man nicht anders“, schildert Karl-Heinz Lieb seine Motivation. Es sei halt auch ein innerer Auftrag. (ah)

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