Erste Ausstellung hölzerner Exponate im Waldecker Spielzeugmuseum

Vom Holzhasen zur Postkutsche

Bad Arolsen - Massenhausen - Die erste Holzspielzeugausstellung findet im Waldecker Spielzeugmuseum Massenhausen statt.

Gemeinsamkeiten zwischen einer Drahtseilbahn, einem Westernfort und kleinen Kurrendesängern aus dem Erzgebirge herzustellen, dürfte normalerweise ziemlich schwierig sein. Im Waldecker Spielzeugmuseum ist dies anders: Dort werden ab sofort Spielsachen aus Holz in einer Sonderausstellung gezeigt.

Es ist eine Ausstellung mit Wiedererkennungswert, in der kleine Traktoren und Tankstellen - kurz: „Jungsspielzeug“ - auf Strickliesel und Puppenmöbel, Baukasten und Griffelkasten sowie auf Holzfiguren und Nussknacker aus dem sächsischen Seiffen treffen.

„Dabei ist Letzteres streng genommen gar kein Spielzeug“, hat Michael Kelm bei seinen Recherchen festgestellt. Zehn Jahre nach Gründung des Museums hat Kelm die erste Holzspielzeugausstellung konzipiert. So richtig gepackt habe ihn das Thema aber erst während des Aufbaus, erzählt der bekennende „Eisenbahner“, der sich seit Jahren aktiv im Massenhäuser Heimat- und Museumsverein engagiert. Als „Fan von technischem Spielzeug“ habe er sich allerdings erst in die Materie einarbeiten müssen.

Eine Auswahl über die gezeigten Stücke war bald getroffen. Das größere Problem stellte jedoch die fehlende Kennzeichnung vieler Spielzeuge dar. Im Magazin des Museums werden die meist gespendeten Objekte nämlich eher locker nach Themen aufbewahrt. „Da vermischen sich hochwertige Markenspielzeuge mit Sachen aus China und Selbstgebasteltem“, erklärt Michael Kelm. Auch wurden viele der gezeigten Exponate in Ostdeutschland hergestellt und, oft ohne Kennzeichnung, über große westdeutsche Versandhäuser vertrieben. Herausgefunden hat der Ausstellungsmacher dennoch eine Menge, beispielsweise allerlei über die Holzspielzeuge von Steiff, die der für seine Plüschtiere bekannte Hersteller schon vor 1930 angeboten hat. Ohne seine Kennzeichnung hätte auch der gezeigte Holzhase auf Rädern nicht eingeordnet werden können. Darüber, dass es sich um eine Werkarbeit der Hitlerjugend für das Winterhilfswerk 1943/44 handelt, informiert ein Aufkleber auf der Unterseite.

Dass Holzspielzeug aber nicht zwangsläufig nur aus Holz bestehen muss, wird an den Gummireifen, Plastik- und Metallteilen deutlich, um die einige Spielzeuge ergänzt sind. Dies gilt auch für die alte Menagerie, die mit ihren rund neunzig Jahren eines der „Highlights“ der Ausstellung ist. Der hölzerne Kasten der „Tierschau“ wird von Kunststofftieren bevölkert, die nach Schätzungen Kelms aus den Dreißigerjahren stammen. Vor dem Kasten tummeln sich Sägefiguren aus den Vierzigerjahren. „Die Originaltiere sind so zerstört, dass wir sie leider nicht mehr ausstellen können“, erklärt dazu der Ausstellungsmacher.

Ein weiteres „Highlight“ ist sicherlich die gelb leuchtende Postkutsche mit Pferdegespann. Das gute Stück aus den Zwanzigerjahren hat ein Leihgeber aus Bad Arolsen dem Museum für die Sonderausstellung überlassen. Altersmäßig können da nur noch die in die Ausstellung integrierte Museumskrippe, ein „Puzzlegruß“ aus Waldeck mit einer Ansicht des Schlosses und eine zeitlose Schultafel mit Griffelkasten mithalten.

Die Sonderausstellung „Holzspielzeug“ im Waldecker Spielzeugmuseum neben der Massenhäuser Kirche ist mittwochs und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

Der Heimat- und Museumsverein veranstaltet am 3. und 4. November einen Flohmarkt zugunsten des Museums. Von 11 bis 17 Uhr werden Trödel und dekorative Dinge im Schützenhaus angeboten.

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