Heinz Gärtner aus Wrexen engagiert sich seit 50 Jahren im Ehrenamt

„Ich stehe auf der Seite der Jugend“

+
Vor 50 Jahren bekam Heinz Gärtner seinen ersten Spieler-Pass. Ehefrau Dorothea musste den Sonntag seitdem oft allein verbringen.

Diemelstadt-Wrexen - Als Heinz Gärtner vor mehr als 50 Jahren nach Wrexen kam, da war er der „Ausländer“. Seit dem hat er tiefe Spuren in der Diemelstadt hinterlassen, Generationen von jungen Fußballern geprägt und politische Entscheidungen mit auf den Weg gebracht.

Als sein erster Sohn geboren wurde, da hatte Heinz Gärtner gerade sein erstes Spiel für die zweite Mannschaft beim TuS Wrexen gemacht. Das war am Osterwochenende 1963. „Am Ostersamstag war ich zum ersten Mal aufgestellt worden“, erzählt Heinz Gärtner. Und das mit Erfolg. Zwei Tage später sollte er für die erste Mannschaft auf dem Platz stehen. Da hatte Ehefrau Dorothea aber gerade erst ihren gemeinsamen Sohn auf die Welt gebracht. „Er kam zu mir und fragte ganz vorsichtig, ob er denn trotz der Geburt Fußball spielen dürfe“, erinnert sich Dorothea Gärtner lachend. Sie gab damals ihr Einverständnis und der frischgebackene Vater sauste zum Fußballplatz in Wrexen, um zum ersten Mal für die erste Mannschaft auf dem Feld zu stehen. Damals ahnte er nicht, dass er zehn Jahre später Vorsitzender eben jenes Vereins werden würde, und auch nicht, dass er auch noch 16 Jahre später für den TuS Wrexen Fußball spielen würde. Doch damals, am Geburtstag seines Sohnes, begann jene besondere Geschichte, die mit einer goldenen Urkunde in diesem Jahr gekrönt wird.

„Fußball war schon als Junge mein Leben“, erzählt Heinz Gärtner. Und als er in der Kur die junge Dorothea aus Wrexen kennen- und lieben lernte, da zog es den gebürtigen Frankfurter in den Heimatort seiner Frau. „Als Erstes habe ich geguckt, ob man dort auch Fußball spielen kann“, erinnert er sich. So kam der damals 23-Jährige zum TuS Wrexen - erst als Spieler, dann als Trainer.

Eine Jugendmannschaft gab es Anfang der 60er-Jahre nämlich nicht. Und als Heinz Gärtner vor seinem Haus immer öfter Jugendliche entdeckte, die sich einen Ball zuspielten, da wurde er aktiv und gründete schließlich die erste TuS-Jugendmannschaft. Er trainierte die Jungs, wurde zu ihrem Ansprechpartner, half bei Problemen mit Eltern oder Lehrern und unternahm Ausflüge mit den Sportlern. Warum der Aufwand? „Ich bin so ein Mensch“, sagt Gärtner, „ich bin gerne mit Menschen zusammen.“ Manchmal konnte er nicht „Nein“ sagen und manchmal wollte er auch „Ja“ sagen. Und so wurde er 1974 zum ersten Mal Vorsitzender des Vereins. 1987 wurde er zum zweiten Mal gewählt. Insgesamt zehn Jahre engagierte er sich an vorderster Front für den TuS. Vier Jahre lang war er Kassierer, zwei Jahre Schriftführer.

Vor allem aber den Jugendlichen galt sein Einsatz - 25 Jahre lang blieb er Trainer. „Am Anfang waren wir nicht besonders erfolgreich“, sagt er schmunzelnd, „aber dann kamen immer mehr Jugendliche.“ Und mit dem disziplinierten Training kam auch der Erfolg. Es gab Anfeindungen, weil andere Abteilungen sich um ihre Mitglieder betrogen fühlten, und Gegenwind kam auf. „Aber das hat mich nicht abgehalten“, sagt Gärtner. Die Jugendlichen dankten es ihm - mit Vertrauen und Respekt. „Er hat im Umgang mit Kindern und Jugendlichen einfach das gewisse Etwas“, sagt seine Frau, „einen besonderen Draht.“

Parlament und Sportplatz

Von einer respektlosen Generation, von Aufrührern oder einer gelangweilten Jugend will er nichts wissen. „Ich stehe auf der Seite der Jugend“, sagt er. Und wegen ihr ging er auch in die Politik - das war vor 40 Jahren. „Damals sollte der Jugendraum geschlossen werden“, erinnert er sich. Fußballerkollege Alex Budde begeisterte ihn fürs Parlament. 1972 wurde er Stadtverordneter und ist es bis heute. Er engagierte sich als Stadtrat und Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Sport und Kultur. Heinz Gärtner redete nicht nur, sondern übernahm auch den Schlüssel des Jugendraums und schließlich das Ortsgericht.

Viele Nadeln und viele Auszeichnungen bekam Heinz Gärtner für seinen ehrenamtlichen Einsatz. Seine Frau kam dabei zuweilen zu kurz. „Meine Familie aber ist mir das Allerwichtigste“, sagt er und denkt an seine drei Kinder und die sieben Enkelkinder. An viele von ihnen hat er die Begeisterung für den Fußball weitergegeben. Denn die hat der 72-Jährige bis heute nicht verloren. Während der Jahreshauptversammlung des TuS Wrexen am 19. Januar wird er für diese Treue ausgezeichnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare