Einsatz für Menschen mit Behinderungen

Ihnen hat das  Bathildisheim in Helsen viel zu verdanken 

Lebendiger Auftaktvortrag zum Dorfjubiläum 1150 Jahre Helsen: Referentin Ruth Piro-Klein (r.) mit Zeitzeugin Waltraud David (sitzend) und Andrea Geissler, Katrin Othmer und Udo Geissler (v.l.), die Emilie Engelmann, Fürstin Bathildis und Pfarrer Karl Preising verkörperten. Foto: Sandra Simshäuser

Bad Arolsen-Helsen – Von den Bewohnern des Bathildisheims wurde Fürstin Bathildis schon zu Lebzeiten verehrt. Der Namensgeberin der Einrichtung, Pfarrer Karl Preising sowie der Diakonisse Emilie Engelmann war der erste Vortrag im Rahmen des Festjahres 1150 Jahre Helsen gewidmet.

Informativ und kurzweilig zeichnete Ruth Piro-Klein, stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Geschichtsvereins, den Einsatz der drei Persönlichkeiten für Menschen mit Behinderungen nach. Mehrere Dutzend Zuhörer waren dazu in die Segenskapelle des Bathildisheims gekommen. Unter ihnen auch Zeitzeugin Waltraud David, die vor siebzig Jahren als Bewohnerin in das Haus Waldfrieden kam und manch heitere Anekdote beisteuerte.

Sie prägten das Bathildisheim

Das soziale Wirken der Fürstin Bathildis zu Waldeck und Pyrmont (1873 – 1962), Ehefrau des letzten regierenden Waldecker Fürsten Friedrich, habe in der Tradition europäischer Regentinnen des 19. Jahrhunderts gestanden, erklärte Piro-Klein. Das Bathildisheim geht auf einen 1905 gegründeten Verein zugunsten benachteiligter Menschen zurück. Für diesen ließ die Fürstin ihre Beziehungen spielen, um wohlhabende Sponsoren zu gewinnen.

Der Helser Pfarrer Karl Preising (1880 – 1947) übernahm 1922/23 die Heimleitung. Er richtete eine Heimvolksschule ein, die Vorgängereinrichtung der heute nach Preising benannten Schule. Im Jahr 1928 wurde das Haus Waldfrieden bei Neu-Berich angekauft, dessen Leitung die Diakonisse Emilie Engelmann (1888 – 1963) übernahm. Bei ihren Schützlingen war sie als „Tante Mielchen“ bekannt.

Schutz vor Deportation

Im Zuge ihrer Arbeit musste die Hausleiterin Diakonisse Emilie Engelmann sich bald der nationalsozialistischen „Gesundheitspolitik“ entgegenstellen, wie Ruth Piro-Klein berichtet. Mündlich überliefert sei, wie Engelmann vor staatlichen Kontrollbesuchen mehrfach per Telefon gewarnt worden sei und behinderte Kinder im Wald versteckt haben soll. 

„Es ist zu vermuten, dass es einen Beschützer oder eine Beschützerin im Fürstenhaus gab“, schlussfolgerte Piro-Klein. Unter dem NS-Regime wurde Pfarrer Preising zweimal mit Berufsverbot belegt, nachdem er öffentlich zur Solidarität mit behinderten Menschen aufgerufen hatte. 

Vor dem Tode bewahrt

Das Bathildisheim zählte zu jener Zeit 170 Bewohner. Ihre Übergabe an staatliche Einrichtungen, damals gleichbedeutend mit einem Todesurteil, konnte dank des Einsatzes von Preising und 26 Helser Familien verhindert werden.

Bis zu ihrem Tod blieben Preising und Engelmann auf ihren Leitungspositionen. Fürstin Bathildis begleitete das Wirken in dem nach ihr benannten Heim über fünf Jahrzehnte. „Ihr soziales Engagement und ihr Einsatz für das Bathildisheim machen ihren Namen unsterblich“, schloss die Referentin.

Spielszenen

Bei ihrem Vortrag wurde sie von Andrea und Udo Geissler sowie Katrin Othmer unterstützt, die als Mitglieder der Freilichtbühne Twiste in die Rollen der historischen Persönlichkeiten schlüpften. (Von Sandra Simshäuser)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare