Backsteinvilla vor Verfall bewahrt

In der Arolser Bahnhofstraße wurden Ende des 19. Jahrhunderts schicke Häuser gebaut

Blick auf ein dreistöckiges Backsteinhaus mit weißen Stuckornamenten an der Arolser Bahnhofstraße.
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Masoud Hossieni hat die 130 Jahre alte Jugendstilvilla in der Bahnhofstraße saniert. Die Wohnungen sind weitgehend fertig. Als letztes großes Sanierungsprojekt steht jetzt die Renovierung des Treppenhauses an.

Die Jugendstilvilla mit der verspielten Fassade an der Ecke Bahnhofstraße/Weserstraße erwacht in diesen Tagen aus einem längeren Dornröschenschlaf.

Bad Arolsen - Masoud Hossieni, der das repräsentative Backsteingebäude aus dem Jahre 1890 im Frühjahr 2019 übernommen und seitdem von Grund auf saniert hat, hofft, dass im Frühjahr kommenden Jahres die ersten Mieter einziehen können. Fünf der sechs schick renovierten Wohnungen sind bereits vergeben.

Jetzt muss nur das hölzerne Treppenhaus mit seinen vielen schönen Jugendstilornamenten renoviert werden. Ins Auge springen dabei zunächst die gläsernen Etagenzugänge: Die Türanlagen aus Holz sind mit bunten Scheiben verziert. Die Böden im Treppenhaus sind mit bunten Dekorfliesen belegt.

Als Flüchtlingskind nach Arolsen gekommen

Ebenso beachtlich wie die Baugeschichte des 130 Jahre alten Hauses an der Bahnhofstraße ist die Lebensgeschichte des neuen Eigentümers: Vor 22 Jahren kam Masoud Hossieni als elfjähriges Flüchtlingskind mit seinen Eltern aus dem Iran nach Bad Arolsen.

Masoud Hossieni hat die 130 Jahre alte Jugendstilvilla in der Bahnhofstraße saniert. Hier steht er im Treppenhaus mit Schnitz- und Glasornamenten.

Die Eltern achteten darauf, dass die Kinder fleißig ihre Hausaufgaben machten und so schaffte Masoud nach dem Realschulabschluss auf der Kaublachschule auch das Fachabitur mit Schwerpunkt Wirtschaft.

Große Mengen Bauschutt abgetragen

Der junge Mann ging nach Frankfurt und studierte dort Wirtschaftsinformatik, arbeitete bei der Deutschen Bank und bei Beratungsfirmen. Aktuell ist er Projektleiter bei einem größeren IT-Unternehmen.

So war es für ihn kein Problem, die seit Jahren leer stehende Jugendstilvilla zu kaufen. Mit vereinten Kräften seiner Familie räumte er rund 100 Tonnen Bauschutt aus dem Gebäude. Dabei wurde auch ein Wasserschaden offenbar, der über sieben Jahre Schäden an den Holzböden haben entstehen lassen.

Wärmedämmung von innen

Unter Anleitung des Architekturbüros Müntinga und Puy und mit tatkräftiger Hilfe von Fachfirmen aus der Region ließ er zunächst den Dachstuhl sanieren und das Dach neu eindecken.

Die Zwischendecken aus Holz wurden nach statischer Neuberechnung verstärkt, im ganzen Haus neue Fenster nach historischem Vorbild eingebaut. Strom- und Wasserleitungen wurden ebenso erneuert wie die Heizung. Hossieni ließ die großen Etagenwohungen in Trockenbauweise halbieren und die die Außenwände von innen wärmeisolieren.

Sanierung ganz ohne Zuschüsse

So entstanden sechs moderne Wohnungen mit schicken Bädern und Küchen auf drei Ebenen. Die Wohnungen zur Bahnhofstraße verfügen über überdachte Balkone.

Eigentlich, so dachte Hossieni, müsste die von ihm angeschobene Sanierung der Jugendstilvilla ganz im Sinne der Denkmalpflege gewesen sein, Doch seine Zuschussanträge blieben bis jetzt unbeantwortet. So hat er die komplette Sanierung bislang ohne staatliche Hilfen gestemmt und dennoch Beachtliches geschaffen.

Der Vorgarten muss bis zum Frühjahr warten

Die Bauexperten des Architekturbüros Müntinga und Puy fanden zur Baugeschichte heraus: Das Gebäude Bahnhofstraße 62 wurde um 1890 erbaut für den Meliorationsbauführer Stracke zu Arolsen. Es handelte sich um den Bau eines Wohnhauses nebst Stallungen. 1995 wurde das Grundstück geteilt und die Wirtschaftsgebäude in der Weserstraße abgebrochen. Auf der nördlichen Grundstückhälfte wurden neue Wohnungen errichtet. Die letzten Jahre stand das Gebäude an der Bahnhofstraße leer.

Im Frühjahr soll auch der Vorgarten zur Bahnhofstraße wieder ansehnlich gestaltet werden und mit der schicken Fassade aus rotem Backstein und weißen Putzornamenten harmonieren. (Elmar Schulten)

Schicke Jugendstilvilla erwacht zu neuem Leben

Schnitz- und Glasornamente im Treppenhaus.
Schnitz- und Glasornamente im Treppenhaus.
Schnitz- und Glasornamente im Treppenhaus.
Schnitz- und Glasornamente im Treppenhaus.
Schicke Jugendstilvilla erwacht zu neuem Leben

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