Skulpturen von Walter Sachs

Kunstwerke laden in Museum Bad Arolsen zum Nachdenken und zum Schmunzeln ein

In das Werk des Künstlers Walter Sachs (2. von links) führte Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz (2. von rechts) im Rauch-Museum ein. Links Bürgermeister Jürgen van der Horst, rechts Erster Stadtrat Udo Jost. Hier stehen ein Jünglings-Torso und Emil Wolffs allegorische Frauen-Statue „Die Nacht“ im quasi erotischen Dialog.
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In das Werk des Künstlers Walter Sachs (2. von links) führte Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz (2. von rechts) im Rauch-Museum ein. Links Bürgermeister Jürgen van der Horst, rechts Erster Stadtrat Udo Jost. Hier stehen ein Jünglings-Torso und Emil Wolffs allegorische Frauen-Statue „Die Nacht“ im quasi erotischen Dialog.

Zum Schmunzeln, zum Nachdenken und zum Mitfühlen laden die Skulpturen von Walter Sachs im Christian-Daniel-Rauch-Museum Bad Arolsen ein.

Bad Arolsen – Ein tanzender Jüngling neben der vollbusigen Nacht-Allegorie, das Nilpferd scheint den Satyr von Christian Daniel Rauch zu bestaunen, und in einer Vitrine mit Viktorien-Figuren des klassizistischen Bildhauers macht sich eine üppige Frauen-Skulptur des modernen Künstlers Walter Sachs breit.

Neue Ausstellung

Die neue Ausstellung mit Arbeiten des Weimarer Bildhauers Sachs im Christian-Daniel-Rauch-Museum Bad Arolsen lädt nicht nur zum Grübeln, sondern auch zum Schmunzeln ein.

Walter Sachs hat, zum Teil exklusiv für die Arolser Ausstellung, eine eigene Parallel-Welt als Kontrast zu den an antiken Idealen geschulten Bildhauern aus der Epoche des Klassizismus geschaffen. Deren Werke entstanden zur Zeit Rauchs, der in Berlin tätige Künstler und große Sohn Arolsens, Christian Daniel Rauch.

Das ist zu sehen

Dabei beherrscht Sachs freilich die Formensprache von Rauch und seinen Zeitgenossen aus Europa, wie sich etwa an dem Torso des aus Grauwacke gehauenen tanzenden Jünglings zeigt. Diese dunkelgraue Plastik interpretiert Sachs als erotischen Dialog-Partner der barbusigen, jedoch körperlich vollständigen Nachbarin, der Nacht-Allegorie von Emil Wolff,. Die hat jener im 19. Jahrhundert mit symbolischen Attributen für Nacht und Schlaf versehen, einer Eule und einer Schlafmohn-Kapsel.

Die Geschichten, die hinter den konkreten Skulpturen des aus Weimar stammenden Künstlers Walter Sachs jeweils stehen, hat dieser aus der Welt der Mythologie, der Sagen oder der Bibel entlehnt, wie der Direktor der Kunstmuseen Erfurt, Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz , in der Matinee zur Ausstellungseröffnung am Sonntag erklärte.

Die Anregungen

Ob es die babylonischen Sagen des Gilgamesch-Epos sind oder der Mittsommernachtstraum von Shakespeare in Arno Schmidts Werk „Zettels Traum“, Walter Sachs bezieht aus einer Fülle von Geschichten und Epen die Ideen für die Werke. Er lade die Betrachter ein, sich mit Verstand und Gefühl hineinzudenken in die Figuren, mit ihnen zu leben, zu lieben oder zu leiden.

Gemäß der modernen neuropsychologischen Erkenntnis , wonach der Mensch Geschichten zum Verstehen der Welt brauche, erzählt Sachs mit seiner Formensprache Geschichten . Weltorientierung erfolge über Erzählungen, bloße Fakten genügten da nicht.

Anregungen aus der Kunst

Freilich veränderten sich diese Geschichten im Laufe der Zeiten, die sich auch als Traditionslinien der Kulturen wiederfinden und Spekulationen über die Zukunft erlauben.

Den Portraitbüsten ehrwürdiger Persönlichkeiten schließt sich diese Skulptur des Weimarer Bildhauers Walter Sachs an.

Auch wer vielleicht nicht an die biblische Geschichte von Judith, Salome oder Jakob gemahnt wird, so ist Schierz überzeugt, wird als Besucher der Ausstellung spüren, ob er oder sie auf einer Wellenlänge mit dem Werk und der Ausdrucksform des Künstlers sei. Dem Betrachter wird somit Raum geboten, die Geschichtenerzählung fortzuschreiben.

So lässt sich Geschichte erzählen

Mit Witz und Pointen biete Sachs jedenfalls neue Interpretationen der Geschichten und ihrer Beziehungen zur Gegenwart in einem historischen Kontinuum, wie es sich auch in den an der Formenwelt der Antike orientierten klassizistischen Skulpturen im Arolser Rauch-Museum eröffnet.

Sachs erde manche Historie, schaffe irdische Gegengewichte zu den Werken des Klassizismus, wie es Schierz formuliert. Museumsvereinsvorsitzende Ulrike Hesse freute sich ebenso wie Bürgermeister Jürgen van der Horst, dass nach eineinhalb Jahrn pandemiebedingter Zwangspause wieder Ausstellungen stattfinden könnten.

Das gibt es schon länger

Mit den bereits im November aufgestellten Figuren vor dem Museum, mit Beate, Adele und der Erwachenden, sei ja schon ein erster Teil nach Arolsen gebracht worden. Dabei sei klar geworden, dass das für 2020 geplante Konzept mit der Nutzung der Räume im Schloss nicht realisierbar sei, und so seien sie und das Museum der Stadt dankbar, dass Sachs flexibel an einem neuen Konzept mitgewirkt habe.

Mit ihren Jazz-Standards stimmten Helmut Schäfer (Saxophon) und Werner Kirschbaum (Klavier) das Publikum im Rauch-Museum auf den anschließenden Rundgang ein.

Über den Künstler

Der 1954 in Weimar geborene Bildhauer, Maler und Graphiker Walter Sachs spricht auf unterschiedliche Weise die Menschen an.

Bewundert das Nilpferd des modernen Bildhauers Walter Sachs den Satyr des klassizistischen Bildhauers Christian Daniel Rauch?

Er hat nach dem Studium von Malerei und Graphik an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden 1981 als freischaffender Künstler begonnen und ist unter anderem mit dem bedeutenden Weimar-Preis ausgezeichnet worden.

Ausgezeichneter Bildhauer

Sachs ist an vielen sozialen Projekten in Weimar beteiligt. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler Sachs, der ein Stipendium in China absolvieren konnte, ist vor allem in Thüringen präsent, wo Skulpturen im öffentlichen Raum von ihm zu sehen sind. Die Figur eines versunkenen Riesen auf dem Frauenplan in Weimar, nahe dem Goethehaus, ist eine der populärsten Figuren. ( Armin Haß )

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