Bestmögliche Förderung für alle Schüler ist das Ziel

Inklusion mit Lehrern im Außendienst

Bad Arolsen - Eine Herausforderung für Pädagogen und Eltern zugleich ist die Umsetzung des von einer UN-Konvention beschriebenen Erziehungsziels der Inklusion. Zu Ende gedacht ist dies das Ende aller Sonderschulen. Kinder mit und ohne Behinderungen werden in den gleichen Schulklassen unterrichtet.

Im Hessischen Schulgesetz ist die Inklusion schon umgesetzt. Es gibt keine Sonderschulen mehr. Die heißen jetzt „Schule mit Förderschwerpunkt“. Und davon gibt es viele verschiedene. Die Heinrich-Lüttecke-Schule am Richard-Beekmann-Stadion zum Beispiel ist Schule mit Förderschwerpunkt Lernen.

Andere Schulen haben ihre Förderschwerpunkte in den Bereichen emotionale-soziale Entwicklung, geistige, sprachliche, motorische Entwicklung, Hören und Sehen und vieles mehr.

Regionales Förderzentrum

Ziel der Politik ist es, künftig möglichst alle Kinder eines Jahrgangs in der Grundschule einzuschulen. Schüler mit besonderem Förderbedarf sollen dann zusätzlich zur Klassenlehrerin weitere Förderlehrer zur Seite gestellt bekommen. Schaltstelle für alle Schüler, die zusätzlichen Förderbedarf haben, ist das regionale Beratungs- und Förderzentrum in der Heinrich-Lüttecke-Schule.

Die hierzu eigens examinierten Förderschullehrer entscheiden als Gutachter über die Form der zusätzlichen Förderung in elf Grundschulen und drei weiterführenden Schulen der Region.

Lehrer fährt zum Schüler

„Das ist auch der Grund, warum wir an unserer Schule mit nur 87 Schülern 16 Lehrkräfte haben“, erläutert Schulleiterin Silke Voßhage: Viele unserer Kollegen unterrichten im Außendienst an vielen Schulen in der Region.

Sehr plastisch lässt sich diese Entwicklung auch am Stundenplan ablesen, den die Schulleiterin in der ersten Ferienwoche erarbeitet: nur etwa zwei Drittel der Planfläche betrifft den Unterricht an der Lüttecke-Schule. Ein Drittel umfasst die Unterrichtszeiten im Außendienst: zehn Stunden an dieser Schule, zehn Stunden an jener.

Für manchen betroffenen Lehrer bedeutet der inklusive Unterricht, also die Betreuung von Kindern mit und ohne zusätzlichen Förderbedarf eine echte Herausforderung. Schließlich standen Lehrer bislang meiste alleine vor einer Klasse. Nun aber können sie auf einen zweiten Kollegen oder eine zweite Kollegin zurückgreifen und müssen sich gegenseitig absprechen.

Mut, Neues auszuprobieren

Darin liegt aber auch eine große Chance für alle Beteiligten. Auch die Schüler ohne Förderbedarf profitieren, wenn ihre Lehrer mehr Zeit für sie haben und besonders fordernde Aufgaben stellen können. „Wir müssen uns alle ein Stück bewegen“, sagt Silke Voßhage und weiß: „Oft reicht es schon, wenn man bereit ist, seine eigene, über Jahre entwickelte Grundhaltung einmal zu überdenken. Man muss auch als Lehrer Mut haben, Dinge auszuprobieren. Die Regelschulen müssen sich öffnen. Davon profitieren am Ende alle.“

Hervorragende pädagogische Arbeit im Sinne der Inklusion werde bereits an der Grundschule Neuer Garten geleistet. Voßhage: „Wir arbeiten da sehr gut zusammen.“

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