Digitale Nomadin

Sie will die ganze Welt bereisen - Laura Scheffczyk verdient ihr Geld mit Instagram

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In keinem Land mehr gemeldet: Laura Scheffczyk lebt als digitale Nomadin.

Instagram: Eine Reise durch die Welt. Bloggerin Laura Scheffczyk aus Kassel arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Sie lebt von Fotos und Videos im Internet.

  • Laura Scheffczyk verdient ihr Geld allein mit der Veröffentlichung von Inhalten im Internet
  • Die 27-Jährige, die in Kassel aufgewachsen ist, lebt als digitale Nomadin 
  • Wer Bilder von ihr auf Instagram sieht, denkt, dass ihr Leben ein nie endender Urlaub ist

Kassel – Sonnenuntergänge, Poolfotos, einsame Strände: Wer die Bilder sieht, die Laura Scheffczyk auf ihrem Profil im Sozialen Netzwerk Instagram postet, der denkt, dass ihr Leben ein nie endender Urlaub ist. Das stimmt allerdings so nicht ganz.

Eigentlich hatte die heute 27-Jährige vor fast zwei Jahren nur eine mehrwöchige Reise auf die indonesische Insel Bali geplant und wollte danach einen Job in der Hotelbranche antreten. Doch sie entschied sich, zu bleiben. Mittlerweile ist sie in keinem Land mehr mit festem Wohnsitz gemeldet. Ihr Geld verdient sie allein mit der Veröffentlichung von Inhalten im Internet – als digitale Nomadin.

Instagram: Bloggerin aus Kassel arbeitet, wo andere Urlaub machen

Also doch ein nie endender Urlaub? „Der wesentliche Unterschied zu früher ist, dass ich mir die Zeit frei einteilen kann“, sagt Laura Scheffczyk. Die 27-Jährige, die aus Bad Arolsen stammt und in Kassel aufgewachsen ist, ist morgens am produktivsten. Das habe sich gesteigert, seit sie nicht mehr für andere, sondern für sich selbst arbeite.

Wer jetzt denkt, dass die gebürtige Nordhessin den Tag dann entspannt auf ihrem Balkon verbringt, der irrt. „Ich versuche, Wohnen und Arbeiten zu trennen, deshalb setze ich mich meistens in ein Café“, erzählt Laura Scheffczyk. Denn mehr als ihren Computer und das Internet braucht sie zum Arbeiten nicht. Auf Bali verdienen viele Menschen ihr Geld als digitale Nomaden oder sie arbeiten zumindest von der Insel aus. In vielen Teilen Asiens ist die digitale Entwicklung weiter fortgeschritten als in Deutschland.

Bloggerin aus Kassel verdient Geld mit Instagram: Basis auf Bali

Von Bali aus hat die Instagram-Bloggerin Laura Scheffczyk viele Länder in Südostasien bereist. „Auf der Insel habe ich mir so etwas wie eine Basis eingerichtet, um mein selbstständiges Arbeiten erst mal grundlegend zu strukturieren“, sagt sie. Vorkenntnisse hatte die junge Frau damals keine: „Ich wusste weder, wie ich Kunden finde, noch, wie ich mich ohne Wohnsitz krankenversichere.“ Ihre gesammelten Erfahrungen gibt die digitale Nomadin heute in einem Online-Kurs weiter. Interessierte können sich gegen Bezahlung beispielsweise Videos mit ihren Erfahrungen ansehen. Ein Weg, wie sie mittlerweile ihr Geld verdient.

Aus ihrer Sicht die richtige Entscheidung: Laura Scheffczyk wollte eigentlich nur Urlaub machen und hat sich dann auf Bali selbstständig gemacht.

Zum anderen wird sie von Hotels eingeladen, um von dort Fotos zu machen und auf ihrem Instagramkanal zu posten. Für die Bilder wird sie bezahlt. Sie verkauft außerdem digitale Produkte wie Fotofilter.

Als richtige Influencerin sieht sich die 27-Jährige nicht. Das sind für sie eher die, die Produkte in die Kamera halten und dafür Werbung machen. „Natürlich habe ich mir mit den Accounts zu meiner Person eine Marke im Internet geschaffen“, sagt sie. Nach eigenen Angaben verdient Laura Scheffczyk so einen fünfstelligen Betrag im Monat.

Auf Instagram: Bloggerin macht sich keine Sorgen um Geld

Um Geld müsse sie sich mittlerweile keine Sorgen mehr machen. Das sei zu den Zeiten, als sie noch einen festen Job hatte, anders gewesen. Mittlerweile hat die 27-Jährige eine Mitarbeiterin eingestellt. Künftig sollen es mehrere werden. Laura Scheffczyk hat sich etwas beigebracht, was andere brauchen und wofür sie eigentlich keine Zeit haben. 

Davon profitieren sie und viele andere, die im Digitalgeschäft tätig sind, wie sie sagt. Auf Bali habe sie einige kennengelernt, die so schon im jungen Alter Millionäre geworden seien. Man müsse allerdings aufpassen, dass die Arbeit in den digitalen Medien nicht zur Sucht werde. Gerade in den sozialen Netzwerken seien die Übergänge zwischen Arbeit und Privatem fließend. Deshalb ist es aus Sicht der 27-Jährigen wichtig, das Handy auch mal auszuschalten.

Laura Scheffczyk hat in Kassel die Waldorfschule und die Walter-Hecker-Schule (heute Arnold Bode Schule) besucht. Nach ihrem Abschluss hat sie im Kasseler Schlosshotel eine Ausbildung zur Hotelkauffrau abgeschlossen und anschließend auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. „Schon damals war ich mit meinem Beruf unzufrieden“, erzählt sie. „Ich fühlte mich im Alltagstrott gefangen.“

Instagram: Bloggerin kommt für Urlaub zurück nach Kassel

Laura Scheffczyk wohnte in einer WG in Kassel – vier Monate auf See, zwei Monate zuhause. Aber schon da merkte sie, dass sie nirgendwo mehr dazu gehört. Man sei weder auf einer Wellenlänge mit Studenten noch mit Berufstätigen. Ein großer Nachteil des Dauerreisens ist aus ihrer Sicht, die Schwierigkeit, Kontakt zu Menschen zu halten, die sich nicht in ihre Lebensweise hineinversetzen können. Viele ihrer Freunde in Deutschland hätten nicht verstehen können, warum sie ihren sicheren Job im Hotel aufgebe und auf Bali bleibe. Für sie sei dieser Weg aber genau der Richtige gewesen: „Manchmal muss man Dinge einfach machen.“

Sie kommt aus Kassel und lebt jetzt auf Bali: Bloggerin: Laura Scheffczyk

Dass sie nie wieder eine feste Wohnung haben wird, will Laura Scheffczyk nicht ausschließen. In Deutschland wieder sesshaft zu werden, kann sie sich nicht vorstellen. Sie wird aber nach fast zwei Jahren in den nächsten Wochen nach Europa kommen und auch Freunde und Familie in Kassel besuchen.

„Auch wenn ich früher wegwollte, glaube ich, dass ich Kassel jetzt mit anderen Augen sehe und die Vorzüge genieße.“ Wie es danach weitergeht, weiß Laura Scheffczyk noch nicht. Ihr Ziel: „Irgendwann zu sagen, dass ich die ganze Welt gesehen habe.“

Instagram: Eine Reise durch die Welt - Bloggerin macht Termine online aus

Die Bloggerin über...

  • Handys: Hat in den ärmeren Ländern Südostasiens fast jeder, weil sie nicht nur zur Kommunikation dienen, sondern oft auch zum Geldverdienen. 
  • Taxis: Die gibt es in Südostasien immer seltener. Viele buchen ihre Fahrt über Apps, wie beispielsweise „Uber“ und „Grab“, die zur Personenbeförderung dienen. Hier können direkt eine Strecke und ein Fahrpreis angegeben werden. 
  • Termine: Der Besuch beim Friseur oder bei der Maniküre wird meistens per Direktnachricht über Instagram oder Whatsapp ausgemacht. Gleiches gilt für Buchungen in Restaurants und Hotels. 
  • Visum: Auch sein Visum kann beispielsweise auf Bali online verlängern. Den Pass holt dann jemand ab und bringt ihn verlängert zurück. Auch die Kommunikation mit Behörden dafür läuft über den Whats-App-Messenger. 
  • Smartphonekamera: Lässt sich nicht nur unterwegs für Fotos nutzen, sondern auch um chinesische Schriftzeichen ins Englische zu übersetzen. 
  • Skype: Kommunikationstools wie Skype ermöglichen es sehr günstig, ins deutsche Festnetz zu telefonieren. 
  • Dokumente: Alle in einem Online-Speicher wie Google Drive oder iCloud eingestellt. Kassenzettel: Gibt es häufig per E-Mail zugeschickt. 
  • Post: Kann man sich auch über verschiedene Apps einscannen lassen.

Von Kathrin Meyer

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