Essex-Geschäftsführer Willy Schaumburg geht in den Ruhestand

International erfolgreicher Drahtzieher

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Bad Arolsen - Willy Schaumburg, Essex-Geschäftsführer in Bad Arolsen und Vizepräident de Unernehmens für Europa, geht in den Ruhestand.

Bad Arolsen. Der gebürtige Bad Wildunger hat gewissermaßen das Feld bestellt, das nun der neue Werksleiter Thomas Merli und der neue Europa-Vizepräsident Joachim Blenz weiter beackern müssen. Seit seinem Einstieg 1981 bei dem damals von Felten & Guilleaume 
gehaltenen Betrieb zur Herstellung von Wickeldrähten hat Schaumburg die wohl wichtigste Entwicklungsphase gestaltet. Es galt, diesen Unternehmensbereich in einem Konzernverbund durch millionenschwere Investitionen fit für den harten Wettbewerb zu machen und auch unternehmensintern zu sichern. Dabei war Arolsen nur einer von drei Standorten in Deutschland, für die er verantwortlich geworden war: Sulingen und Bramsche, wo er gestern seinen Abschied nahm, gehörten noch dazu. Seine Abschiedsreise führt außerdem durch Portugal, Italien und nach Weißrussland. Die guten Kontakte zu Stephen Carter, Chef von Essex in den USA, und die Kooperation mit den Betrieben in Nordamerika und China sowie mit dem tonangebenden koreanischen Konzern LS Cable wirkten sich in letzter Konsequenz auch positiv für Arolsen aus, wo erst im vorigen Jahr eine Kupferschmelze in Betrieb genommen worden war. Die Investitionen in den vergangenen Jahrzehnten ermöglichen es, allein in Arolsen die Lackdrahtproduktion deutlich zu erhöhen und dabei die Qualitätsgarantien für die Kunden zu sichern. Das hat zu langfristigen und stabilen Kundenbeziehungen geführt. Besonders die Autoindustrie stellt Standards auf, die dauernd höchste Qualität der Zulieferer verlangt. Übrigens werden Essex-Drähte zunehmend in Stromgeneratoren von Windkraftanlagen eingesetzt. Auch sei der Umweltschutz, orientiert an der TA Luft (Bundesimmissionsschutzgesetz), immer weiter verbessert worden. Entscheidungsfreude Schaumburg ist entscheidungsfreudig und setzt auf Innovationen, die auf dem von weltweit zehn Anbietern im Wickeldrahtbereich umkämpften Markt die Konkurrenzfähigkeit steigern sollen. Höhere Produktivität und weitere Rationalisierungen steigern die Chancen, in dem Wettbewerb zu bestehen. Nachdrücklich setzt sich der scheidende Vizepräsident seines Unternehmens für Europa für den Erhalt der ermäßigten Stromtarife ein: „Sonst wird sich die Branche hier nicht halten können.“ Energiesparen gehört zu den Geboten des Unternehmens, immerhin werden jährlich allein in Arolsen sechs Millionen Euro für Strom ausgegeben. Als Schlosser begonnen Bevor Willy Schaumburg in die höheren Konzernetagen kam, trug er auch den Blaumann. Nach der Schulzeit wurde er Maschinenschlosser. Sein Vater betrieb eine Schmiede. Auf dem zweiten Bildungsweg erwarb er die Hochschulreife und absolvierte ein Ingenieursstudium in Köln. Mit dem Diplom-Abschluss begann er 1971 als Konstrukteur in einem Werk von Klöckner Humboldt Deutz in der Nähe von Radolfzell am Bodensee. Er stieg dort zum Gruppen- und dann zum Abteilungsleiter auf. Im Januar 1981 folgte der Wechsel nach Arolsen als verantwortlicher Leiter für Anlagentechnik bei der Lackdrahtunion, die damals noch zu Felten & Guilleaume gehörte. Er setzte sich für eine tiefgreifende Modernisierung des Betriebs ein, der noch einen gewissen Investitionsbedarf aufwies. 1993 wurde Schaumburg die technische Leitung der drei Lackdrahtwerke in Arolsen, Bramsche und Sulingen übertragen, 1994 übernahm er die Werksleitung in Bramsche, und 1997 wurde er zum Leitenden Direktor der Lacroix und Kress GmbH ernannt. Die Zukäufe und Wechsel in den verschiedenen Unternehmen hat er mit begleitet, die Integration in den Essex-Konzern in den USA und den Wechsel zu LS Cable Ltd. in Korea betrieben und unterstützt. Motivation wichtig Dass die Unternehmen dabei ihre Mitarbeiter mitnehmen, ist nicht immer gewährleistet. Willy Schaumburg ist es aber wichtig zu betonen, dass mit ausschlaggebend für den Erfolg eines Betriebs die Motivation der Beschäftigten ist. Zum Abschied im Werk Arolsen hat Schaumburg die Belegschaft zu einem opulenten bayerischen Frühstück eingeladen. Mit den Direktoren des Konzerns oder mit Politikern aus dem Waldecker Land traf er sich bereits zu gemeinsamen Essen in Restaurants der Region. Innerhalb des Unternehmens hat in den Führungsetagen ein Wechsel eingesetzt, da fiel es Schaumburg im vorigen Jahr nicht schwer, seinen Abschied anzukündigen. Längere Zeit war er für die Einarbeitung des dortigen Chefs in den USA. In Arolsen hat Thomas Merli inzwischen die Geschäftsführung übernommen, während Joachim Blenz den Posten als Europa-Vizepräsident übernommen hat. Der hiesige Werksleiter und Chef der Produktion Deutschland, Wilfried von der Heide, wiederum ist für den Bereich Engineering in Europa zuständig geworden. Eisen im Feuer Begeistert ist Willy Schaumburg von einem zum Abschied produzierten Fotobuch, für das Chefs, Geschäftspartner, Weggefährten in der Branche oder sogar der Geschäftsführer eines Konkurrenzunternehmens ihre persönliche Anerkennung niedergeschrieben haben. Gefreut hat er sich auch über die humorvolle Beschreibung als „worldwide wire winding Willy“, also als international agierender Drahtzieher. Für das erste halbe Jahr seines beruflichen Ruhestands will der seit 40 Jahren verheiratete Vater einer 29-jährigen Tochter erst mal reisen und wandern. Mitte Juli will er mit drei Freunden eine Alpendurchquerung zu Fuß von Oberstdorf nach Meran vornehmen. Am Karfreitag geht es mit der Frau nach Pfronten, wo beide die „Seele baumeln lassen“ wollen.Außerdem hat er sich schon vor längerer Zeit in der Schmiede des elterlichen Hauses in Odershausen die Esse modernisieren lassen, da könnte er noch mal ein Eisen ins Feuer legen. Oder er nimmt das Angebot an, in der Kabelbranche als Berater zu fungieren.

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