Amtsinhaber Jürgen van der Horst ist einziger Kandidat

Interview vor der Bürgermeisterwahl in Bad Arolsen: Solide Finanzen als Basis

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Die WLZ-Praktikanten Louisa Rest und Gero Göbel von der Christian-Rauch-Schule nutzten die Gelegenheit, Bürgermeister Jürgen van der Horst nach seiner bisherigen Bilanz im amt zu befragen.

Einen Monat vor der Bürgermeisterwahl am 1. Advent haben die WLZ-Praktikanten Louisa Rest und Gero Göbel den einzigen Kandidaten und Amtsinhaber Jürgen van der Horst nach seiner bisherigen Bilanz befragt.

Bauen oder Finanzpolitik? Verwalten oder Kommunizieren? - Was macht gute Stadtpolitik aus? Der Bad Arolser Rathauschef hat zu all diesen Fragen in den vergangenen Jahren ganz eigene Ansätze gefunden.

Was reizt sie am Amt des Bürgermeisters?

Die Aufgabenstellung ist deshalb so spannend für mich, weil sie ein breites Spektrum abdeckt. Wir haben uns um die öffentliche Infrastruktur zu kümmern und mit den Menschen die wichtigen Zukunftsthemen zu diskutieren. Dabei gilt es, eine Verwaltung zu leiten und modern aufzustellen. Dabei gilt es, die Politik mit einzubinden, also nicht alleine zu entscheiden sondern mit Argumenten und guten Konzepten zu überzeugen.

Haben sie sich vor ihrer Tätigkeit als Bürgermeister auch schon politisch engagiert?

Nein, das wäre auch mit meiner früheren Tätigkeit bei der Kommunalaufsicht nur schwierig vereinbar gewesen.

Waren sie in ihrer Schulzeit Klassensprecher?

Ich war immerhin einmal stellvertretender Klassensprecher, später aber dann Klassenelternbeirat sowie Schulelternbeiratsvorsitzender an einer Grundschule in Korbach.

Denken Sie, Sie würden heutzutage als Jugendlicher für Fridays for Future auf die Straßen gehen?

Ich kann mir das grundsätzlich vorstellen, wenn so wichtige gesamtgesellschaftliche Themen aufgerufen werden, wie dies beim Klimawandel der Fall ist.

Eine Forderung der Bewegung an die Städte ist es, den Klimanotstand auszurufen. Finden sie das sinnvoll?

Das Thema ist zwar wichtig, ich bin aber eher für konkrete Maßnahmen. Ich halte es für besser, die eigenen Hausaufgaben zu machen. Da macht die Stadt Bad Arolsen schon eine Menge.

Was trägt Bad Arolsen zum Klimaschutz bei?

Wir sind Klimaschutzkommune und haben uns insbesondere dafür entschieden, regenerative Energieerzeugung zu fördern. Außerdem haben wir umfangreich in die Sanierung der öffentlichen Gebäude investiert und stellen mittels staatlicher Förderprogramme Zuschüsse für die Sanierung von privaten Wohngebäuden zur Verfügung. Damit wollen wir den Energiebedarf deutlich zu senken. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit Projekten zur Verbesserung des Stadtklimas und zur Weiterentwicklung Fahrrad- und Elektromobilität.

Wie versuchen Sie Jugendliche dazu zu bringen sich politisch zu engagieren?

Das ist ein schwieriges Thema. Ich versuche, das Engagement junger Menschen für die Politik vor allem über Bürgergespräche und in der Zusammenarbeit mit den Schulen zu verbessern, allerdings nur mit eingeschränktem Erfolg.

Welche Anreize wollen sie für junge qualifizierte Menschen/ junge Familien schaffen in die Region zu kommen?

Wir wollen die Stadt als attraktiven Wohn- und Lebensort weiterentwickeln. Dies wollen wir durch ein gutes Angebot in der Kinderbetreuung und über eine gute öffentliche Infrastruktur unterstützen. Dabei ist die Digitalisierung eines der zentralen Zukunftsthemen. Inzwischen haben wir schon eine gute Qualität bei der Breitbandversorgung erreicht.

Was können sie konkret als Bürgermeister tun, um Unternehmen hier zu halten und Arbeitsplätze zu schaffen?

Das Thema Wirtschaftsförderung nimmt tatsächlich einen großen Raum meiner Tätigkeit ein. Zum einen ist es der Stadt gelungen, eine aktive Bodenvorratspolitik zu betreiben, damit wir den Unternehmen auch Raum für eine Entwicklung geben. Gemeinsam mit unseren Partnerkommunen sind wir auch auf den Feldern Berufsorientierung und Bekämpfung des Fachkräftemangels aktiv. Beispielhaft verweise ich auf die Ausbildungsbörse Nordwaldeck.

Welche Dienstleistungen stellt das Rathaus online zur Verfügung?

Bisher stellen wir vor allem Informationen über die Dienstleistungen der Stadt zur Verfügung. Das wird sich in Zukunft aber deutlich ändern. So werden wir dem Onlinezugangsgesetz folgend unsere Dienstleistungen weitgehend online verfügbar machen.

Im Internet gibt es kein Wahlprogramm von ihnen. Woran liegt das?

Mein Programm für die nächsten Jahre ist identisch mit den strategischen Planungen der Stadt, die wir gemeinsam mit Politik und Bevölkerung erarbeitet haben. Daher habe ich auf eine gesonderte Darstellung im Internet verzichtet.

Auf der Website des Rathauses sind keine Kontaktdaten der Stadtverordneten und der Fraktionsvorsitzenden zu finden. Müsste man die Stadtpolitik nicht transparenter gestalten?

Aus Datenschutzgründen haben wir darauf verzichtet, die Kontaktdaten der Mandatsträger zu veröffentlichen. Ich werde dies aber sehr gerne mit den Betroffenen abstimmen, ob wir dies ändern wollen.

Könnte man nicht den Fraktionsvorsitzenden eine städtische Email-Adresse einrichten und diese dann auf der Internetseite bekannt geben, sodass man die Fraktionsvorsitzenden direkt anschreiben kann?

Ja, das ist sicherlich möglich, wenn die Betroffenen damit einverstanden sind.

Welche Projekte haben Sie sich noch für die Zukunft vorgenommen?

Wir planen noch eine ganze Reihe von Infrastrukturmaßnahmen, u. a. die Entwicklung eines zentralen Sportzentrums, die Sanierung und Umgestaltung des Rathauskomplexes in Landau, die Entwicklung des Lahrmanngeländes, die Umgestaltung der Thieleaue mit dem Rückbau des alten Hallenbades, Neubau des Jugendzentrums, der Neubau der Brauerei und die damit verbunden Umgestaltung des Umfeldes, die Sanierung der Bürgerhalle Helsen und die Neugestaltung des Umfeldes der Stadthalle Mengeringhausen.

Welches Projekt, das sie in ihrer Zeit als Bürgermeister bereits umgesetzt haben finden sie am wichtigsten?

Am wichtigsten war, dass wir es geschafft haben, den Haushalt zu sanieren. Eine nachhaltige Haushaltswirtschaft ist die Grundlage für alle anderen Projekte.

Was, glauben Sie, können sie in ihrer nächsten Amtszeit noch besser machen als bisher?

Ich habe mir das Ziel gesetzt, die Kommunikation mit den Stadtverordneten und mit den Menschen weiter zu verbessern. Hier kann man nicht gut genug sein.

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